"Es wird noch schlimmer..."

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Kreisrat Philipp Prestel (von links), die Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr, Siegried Lüer und Walter Wüst vom Paritätischen Wohlfahrtsverband beleuchteten die Situation der Altenpflege.

Einem aktuellen Thema widmete sich das jüngste „Oberallgäu Forum“ der Allgäuer SPD. „Pflegenotstand ohne Ende?“, lautete die Frage zu der die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr, Prof. Dr. Phlipp Prestel von der Hochschule Kempten und Walter Wüst vom Paritätischen Wohlfahrtsverband diskutierten.

Alle drei kamen wie Moderator Siegfried Lüer, Geschäftsführer der Oberallgäuer SPD, zu dem Schluss: Altenpflege braucht Qualität. Und die erreiche man durch mehr Personal, qualifizierte Kräfte und faire Löhne.

„Zur Zeit erleben wir einen Wettbewerb um Pflegekräfte, nicht um Pflegeplätze“, fasste die Bundestagsabgeordnete der SPD, Ulrike Bahr ihre Beobachtung zusammen. Ihr Appell: „Unser Gesellschaft muss sich entscheiden, was ihr die Schwächsten wert sind!“ Wer nicht mehr Geld für die Altenpflege aufbringen wolle, müsse sich nicht wundern, wenn es nicht besser werde. „Qualität hängt mit guten Arbeitsbedingungen und guter Bezahlung zusammen.“

Am Geld hänge es wohl in erster Linie, pflichtete Prof. Dr. Philipp Prestel von der Fakultät Soziales und Gesundheit der Hochschule Kempten bei. Kreisrat Prestel verwies auf einen entsprechende Resolution des Oberallgäuer Kreistages, worin appelliert werde, die „Kernthemen“ beim Thema Altenpflege sofort aufzugreifen. Eines der Kernthemen sei die Vergütung des Pflegepersonals, orientiert am Durchschnittseinkommen. „Es ist höchste Zeit, das Problem mit vereinten Kräften anzupacken!“

Ein weiteres Kernproblem sieht Walter Wüst, der Geschäftsführer Schwaben im Paritätischen Woglfahrtsverband, im ramponierten Image der Pflegeberufe. Zu schnell werde von einigen „wenigen schwarzen Schafen“ auf die gesamte Branche geschlossen. „Dabei ist es ein guter, toller Beruf“, so Wüst. Das „Drama mit dem Pflegenotstand“ sei bereits seit den 1980er und 1990er Jahren absehbar gewesen. Damals habe man geglaubt, der Markt werde es schon richten. Ein Trugschluss, meinte Wüst. Jetzt gelte es, schnell wirksame Korrekturen anzustoßen, was vor allem attraktive Rahmenbedingungen für die in der Altenpflege beschäftigten bedeute. Und er glaubt: „Es ist alles hinzukriegen, wird aber erst noch schlimmer...“

Die Anforderungen in einem anspruchsvollen Beruf, so die Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr, seien psychisch wie psysisch groß, Überlastungen des Personals programmiert. Oft werde der Beruf in Teilzeittätigkeit ausgeübt, der Personalschlüssel der Einrichtungen variiere während des Tages. Und: Der Beruf erlaube den Pflegekräften genau dort kein Auskommen mit dem Einkommen, wo die Kräfte am dringendsten benötigt würden: in den Städten, den Ballungsräumen. Es fehle an bezahlbarem Wohnraum für Normalverdiener.

Es fehlten 35 000 Pflegekräfte, davon 23 000 bei der Altenpflege, zeichnete Siegfried Lüer das aktuelle Bild. Wenn jetzt 13 000 zusätzliche Kräfte engagiert werden sollen, so ergänzte Walter Wüst vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, sei das rechnerisch eine Stelle pro Einrichtung; also wohl kaum die Lösung des Problems. Es gelte, die Pflege vor Ort,etwa in den Kommunen, zu stärken, die Bürokratisierung abzubauen und die Digitalisierung auch in diesem Bereich voranzutreiben.

Ein Vorschlag, wie die Finanzierung der Altenpflege womöglich „einfach“ sicherzustellen sei, kam aus dem Kreis der rund 120 Besucher des Oberallgäu Forums. Manfred Heeb, langjähriger Gewerkschaftssekretär im Allgäu, meinte: Den Solidaritätszuschlag nicht ersatzlos abschaffen, sondern in die Finanzierung der Pflege lenken.

gts

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