Brandbrief der Bauern

Oberallgäuer Bauern plädieren für den Erhalt der Kombinationshaltung

Kombinationshaltung Milchkühe
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Etwa die Hälfte der Bäuerinnen und Bauern im Oberallgäu halten ihr Milchvieh in Anbindehaltung. In der Regel verbunden mit Weidegang oder Sömmerung

Oberallgäu – Im Oberallgäu haben Bäuerinnen und Bauern einen Brandbrief „für den Erhalt der Kombinationshaltung unserer Milchkühe” verfasst.

Es ist eine emotional geführte Debatte über den Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung von Milchkühen. Eine Online-Petition gegen Anbindehaltung ist vor Kurzem der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) übergeben worden. Im Oberallgäu haben sich Bäuerinnen und Bauern im Kreistag überfraktionell zu einer Arbeitsgruppe zusammengetan und einen Brandbrief „für den Erhalt der Kombinationshaltung unserer Milchkühe” verfasst.

Sie sei nicht gegen den Strukturwandel, sagte Kreisbäuerin Monika Mayer jüngst im Ausschluss für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Umwelt und Naturschutz, aber gegen einen Strukturbruch. Und dieser drohe mit einem Verbot der Anbindehaltung.

Einzelhandel macht Druck

„Circa 50 Prozent unserer immer noch kleinstrukturierten Familienbetriebe halten ihre Kühe in Anbindehaltung, größtenteils verbunden mit Weidegang und Sömmerung.” Zunehmend würde der Einzelhandel Druck ausüben. Milch aus Anbindehaltung sei nicht mehr gefragt. „Heute werden keine Anbindeställe mehr gebaut und seit 30 Jahren auch nicht mehr gefördert”, so Monika Mayer, „dieser Strukturwandel ist nötig, ein Strukturbruch nicht.”

Viele der „Kombinationshalter” könnten einen Laufstall wegen der hohen Kosten nicht finanzieren. Oft sei ein Laufstallbau aber auch aufgrund der Lage mitten im Dorf oder in bergigem Terrain unmöglich. Besonders diese Kleinbauern prägten das Oberallgäu und seine Kulturlandschaft.

Nicht nur ein Sektor gefährdet

„Sie sind es, die schwierige, oft steile Flächen bewirtschaften und eine immense Artenvielfalt erst möglich machen”, so Monika Mayer in ihrem Plädoyer für den Erhalt der Kombinationshaltung weiter, „sie sind es auch die ihre Milchkühe zur Sömmerung auf die Alpe treiben und so für den Erhalt der Sennalpen sorgen, Sie prägen das Gesicht unserer Dörfer und der ganzen Region und tragen damit zum touristischen Erfolg der Region bei.”

Auch Landrätin Indra Baier-Müller verwies auf den größeren Zusammenhang. Am Beispiel der jüngst zum ersten Mal durchgeführten „Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft”, die ins Leben gerufen worden ist, um die Leistungen der Land- und Alpwirtschaft für die Artenvielfalt zu würdigen, lasse sich sehen, dass es genau diese Betriebe seien, die keine großen Ställe haben. Daher sei nicht nur ein Sektor gefährdet, sondern Strukturen, die Wohlstand generieren, von Naturschutz bis Tourismus.

Tierwohl im Fokus

Ingrid Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) wollte den Aspekt des Tierwohles nicht unbeachtet lassen und wissen, wie es darum stehe. „Die Kühe kommen abends von der Weide und gehen automatisch an ihren Platz, das ist kein objektives Argument, aber ich glaube, das würden sie nicht tun, wenn es dort für sie schlimm wäre”, meinte Monika Mayer.

Nachweislich wären Tiere aus Kombinationshaltung genauso fit und gesund wie aus der Laufstallhaltung. Weidegang finde an 120 bis 180 Tagen im Jahr statt. Und Peter Nessler (ÖDP) fügte hinzu: „Laufställe werden oft überbelegt, dann gibt es mehr Tiere als Schlaf- und Fressplätze.” Bei der Anbindehaltung habe jede Kuh ihren eigenen Platz.

Mensch-Tier-Beziehung

Das Tierwohl hänge stark von der Familie ab, die sich um die ihre Tiere kümmere. „Die Ställe gehören oft zum direkten Labensraum der Bauernfamilien. Die Mensch-Tier-Beziehung ist deshalb sehr eng, was für die Weidehaltung und besonders für die Sömmerung auf unseren Alpen wichtig ist”, heißt es im Brandbrief.

Vom Ausschuss wurde die Landrätin nach der Diskussion einstimmig beauftragt, den Brandbrief an das Bayerische Landwirtschaftsministerium und das Bayerische Umweltministerium zu unterstützen und auch an die anderen Landräte entlang der Alpenkette weiterzugeben.

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