Wald im Stress

Oberallgäuer Klimastation liefert wertvolle Daten

Jonathan Proksch
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Jonathan Proksch absolviert beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (AELF) ein „Freiwilliges ökologisches Jahr“. Im Winter macht er sich einmal im Monat, ab Frühjahr einmal wöchentlich auf den Weg zur Waldklima-Station im Großen Wald.

Oberallgäu –  Nie war Waldberatung wichtiger und wertvoller als in Zeiten des Klimawandels, dessen Folgen so manche waldbauliche Gewissheit in Frage stellen. Welche Konsequenzen sind aus höheren Temperaturen, längeren Trockenphasen und der Zunahme extremer Wetterereignisse zu ziehen? Welche Weichen müssen heute gestellt werden? Damit die Förster von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bayern fachlich gut beraten können, müssen Prognosen auf gesicherten Daten beruhen. Und die liefern seit 30 Jahren die Waldklima-Stationen. Eine davon gibt es im Großen Wald im Oberallgäu.

Die Station im Großen Wald ist eine von 19 in Bayern. Diese 19 sind wiederum eingebettet in ein Netzwerk aus rund 400 Dauerbeobachtungs­flächen in den Waldökosystemen von 42 Staaten – vom Nordkap bis zu den Kanarischen Inseln. Dank der harmonisierten Standards sind die Messdaten weltweit vergleichbar.

„Im Januar lag die Niederschlagsmenge, Regen und Schnee, bei 300 Liter pro Quadratmeter. Das ist das Dreifache des langjährigen Januar-Durchschnitts“, berichtet Jonathan Proksch, der die Waldklima-Station im „Großen Wald“ zwischen Burgberg, Kranzegg und Wertach betreut. Viel Niederschlag ist gut für die Wälder. Also alles prima? Schließlich mag es der häufigste Baum im Allgäu, die Fichte, feucht.

„Die Durchschnittstemperatur ist in den letzten 30 Jahren um mehr als ein Grad gestiegen, trockene Sommer sind häufiger, die Niederschläge haben sich in den Winter verschoben“, weiß Jonathan Proksch, der bei der Fachstelle Schutzwaldmanagement Allgäu ein „Freiwilliges ökologisches Jahr“ (FÖJ) absolviert.

Baumsterben durch Klimawandel

Hitzestress und lange Trockenperioden setzen der Flachwurzlerin Fichte zu. Eine im Jahreslauf ausreichende Niederschlagsmenge rettet sie im Extremfall dann nicht. Gestresste Fichten verlieren an Stabilität, werden so anfällig für Windwurf und Schneebruch, leichte Beute für den Borkenkäfer.

„Die Zukunftsaussichten der Fichte im Bodenseeraum sind nicht sonderlich rosig“, ist sich Klaus Dinser, Abteilungsleiter und Leiter des Schutzwaldmanagements am AELF Kempten sicher, zumal man „von einem weiteren Temperaturanstieg“ ausgehen müsse. In den höheren Lagen des Allgäus werde „diese Baumart aber nicht ganz verschwinden“. Wenngleich es der Fichte im Allgäu „weniger schlecht geht als andernorts“, sei klar: „Nur ein stabiler Bergmischwald aus Tanne, Buche und Fichte als Hauptbaumarten wird in Zukunft im oberen Allgäu die vielfältigen Waldfunktionen wie zum Beispiel den Lawinenschutz erfüllen können.“ Und weiter:

„Der Klimawandel kommt nicht, er ist schon da. Die Daten der Waldklima-Stationen belegen das. Und wir können es am Zustand der Wälder ablesen. Wir müssen die Umgestaltung beschleunigen.“

Experiment mit fremden Baumarten

Weil dem so ist, plant der Forstexperte im Stadtwald Sonthofen eine kleine Versuchsfläche mit Libanon-Zedern. Auch über die ursprünglich aus Nordamerika stammende Douglasie werde in Fachkreisen weiter diskutiert. Die Folgen des Klimawandels stellen eben manche bisherige waldbauliche Gewissheit in Frage.

An der Waldklima-Station im Großen Wald werden unter anderem folgende Daten erhoben

• Waldzustand: Bodenvegetation, Blattchemie, Zuwachs, Kronenzustand

• Boden und Wasser: Bodenbiologie, Bodenfeuchte, Bodentemperatur, Bodennährstoffe, Kohlenstoffkreislauf

• Meteorologische Daten: Luftfeuchte, Lufttemperatur, Niederschlag, Wind, Strahlung

Die Daten gehen an die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Sie sind in Echtzeit frei zugänglich unter www.fovgis.bayern.de/wks

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