Sonthofen: Bürgerinformationsabend zum Oberallgäuer Platz

Viel Platz für Chancen

+
Viel Platz, aber keine städtebaulichen Akzente. Stadtplaner sehen im Oberallgäuer Platz „großes Potenzial“.

Sonthofen - Wie geht es weiter mit dem Oberallgäuer Platz in Sonthofen? Für einigen Wirbel hatte im vergangenen Dezember die Nachricht gesorgt, dass der Oberallgäuer Platz in Sonthofens Mitte nicht nur umgestaltet werden solle, sondern möglicherweise auch Standort für einen Neubau der Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu werden könnte.

In einer ersten Bürgerinformation stellte die Stadt Überlegungen zur weiteren Innenstadtentwicklung für Sonthofen vor. Die Meinung unter den rund 200 Bürgerinnen und Bürger in der Versammlung im Haus Oberallgäu war geteilt; die Mehrheit scheint allerdings erst einmal nicht viel von jedweder Bebauung des Platzes zu halten. Bürgermeister Christian Wilhelm setzt auf Dialog und ein gemeinsam entwickeltes Konzept, um die Probleme am Oberallgäuer Platz in Angriff zu nehmen.

„Lassen Sie die Finger davon!“, warnt etwa Hans Fischer vor „Schritten in die falsche Richtung“. Was den Bürgern als Stadtsanierung verkauft werde, mache den Platz und die Stadtmitte kaputt. Eine Verkehrsverbesserung müsse kommen, so Fischer. Er aber erkenne bereits die Zielrichtung einer Teilbebauung. Die Belange der Raiba wolle er keineswegs hintanstellen, er frage aber, „ob es gerade hier sein muss“. „Da bleibt doch kein richtiger Platz übrig.“ Beifall im Saal.

Ganz ähnlich sieht das auch Helmut Schraudner und meint zu einer möglichen Teilbebauung des Platzes: „Das sieht doch ein Blinder, dass das nichts ist. lassen Sie den Platz wie er ist!“ Erneut Beifall. Schraudner empfiehlt eine Erweiterung des Fußgängerbereiches, der gemeinhin als Zentrum der Stadt empfunden werde. „Das wäre ein Fortschritt.“

Über die Köpfe hinweg soll jedenfalls gar nichts geschehen. „Man erreicht mehr im Dialog“, meint Bürgermeister Christian Wilhelm und kontert den Vorschlag aus der Versammlung, ein Ratsbegehren auf den Weg zu bringen, um ein „klares Meinungsbild“ zu gewinnen.

Genau dieser Weg sei wenig zuträglich, so Wilhelm weiter. Zuerst sei es wichtig, möglichst viele Informationen zu gewinnen und alle Möglichkeiten auszuloten. „Der Oberallgäuer Platz ist ja nicht nur eine grüne Wiese“, betont der Bürgermeister. Die Dinge lägen viel komplexer. Ein Schnellschuss mit einem baldigen Begehren würde die Stadt nur spalten. „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen!“, unterstreicht Wilhelm mehrfach. Bereits am kommenden Dienstag will der Stadtrat einen Beschluss über die Ausschreibung eines Wettbewerbes mit Bürgerbeteiligung fassen.

Und Überlegungen, den Platz anders zu gestalten, habe es immer wieder gegeben. Letztlich scheiterten alle Pläne an der Finanzierung. Es könne dabei nicht nur um Wohnbebauung und Grünflächen gehen. Vielmehr müsse die Stadt auch Sorge tragen, dass Gewerbe und Arbeitsplätze in Sonthofen blieben. „Bei Gewerbeflächen ist Sonthofen im Verzug“, sagt Christian Wilhelm.

Wie komplex das Thema Innenstadtentwicklung in Sonthofen ist, versuchte Gunther Wild, der „Sanierungsbetreuer“ der Stadt, aufzuzeigen. „Der Stadt geht es nicht ausschließlich um die Promenadestraße“, stellte Wild klar. Sowohl die schlechte Verkehrssituation in diesem Bereich steht im Mittelpunkt, aber auch die „Aufwertung und optimale Nutzung der Freiflächen“ bei der geplanten Stadtentwicklung rund um den Oberallgäuer Platz. Eine mögliche Nutzung des Areals durch eine Teilbebauung sei nur ein Aspekt. Und: die Stadt müsse bei der weiteren Entwicklung auch die Mitarbeit und (finanzielle) Mithilfe der Städtebauförderung in die Überlegungen einbeziehen.

„Heute geht es um die Ankündigung des weiteren Vorgehens und einen Einstieg in den Dialog“, beschrieb Günther Wild den Sinn und Zweck der ersten Informationsrunde. Eine zweite Runde soll später die Ergebnisse des Bürgerdialoges zusammenfassen, bündeln und in konkrete Planungen in einem städtebaulichen Wettbewerb einbinden – bei neutraler, externer Begleitung. Das große Interesse an der Aufwertung der Sonthofer Innenstadt lasse ihn auf ein gutes Ergebnis hoffen, so Sanierungsbetreuer Wild. „Das ist eine Riesenchance.“

„Aus dem Platz kann man mehr machen“, meint auch Architekt Wolfgang Sodeur. Mit dem geplanten Wettbewerb werde geklärt, ob eine Teilbebauung überhaupt möglich sei, erst dann werde entschieden was gebaut werden könne. Den „Aufschrei“ in der Bevölkerung als die Überlegungen zur Neugestaltung des Oberallgäuer Platzes bekannt wurden, erklärt sich Marcus Fischer, ebenfalls Architekt in Sonthofen, mit „der schieren Angst, dass sich etwas verändern könnte“. Und Angst sei allemal ein schlechter Ratgeber. Fischer warnt vor einer „Verweigerungshaltung“. Man müsse doch froh sein, „dass ein Investor bereit ist, hier was zu machen“.

Mit Rudi Gropper brach ein ehemaliger langjähriger Stadtrat eine Lanze für eine weitere Entwicklung des Platzes. „Die Chance, dass mit dem Platz etwas passiert, darf man sich nicht nehmen lassen!“ Jetzt pauschal nein zu sagen – etwa über ein Begehren – hält Gropper für verkehrt. Erst müsse die Beratung durch Fachleute stehen; wenn Informationen auf dem Tisch lägen, könne entschieden werden. „Unterschätzen Sie die Leute nicht, die was davon verstehen“, rät Gropper.

Josef Gutsmiedl

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
"Bettl mit Dettl" an der Drogeriemarktkasse
"Bettl mit Dettl" an der Drogeriemarktkasse
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
Bayerisches Umweltministerium lockert Stallpflicht
Bayerisches Umweltministerium lockert Stallpflicht

Kommentare