Falscher »idealer« Standort

Oberstaufen: Streit über Bike-Übungsgelände geht weiter

Bike-Übungsgelände Rainpark Oberstaufen
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Bürgermeister Martin Beckel erläuterte die – noch unverbindlichen – Trassenführungen im geplanten Übungsgelände im Rainwald.
  • VonJosef Gutsmiedl
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Oberstaufen – Die Gemeinde will ein Bike-Übungsgelände im Rainwald. Eine Bürgerinitiative will das verhindern.

Nichts gegen ein Bike-Übungsgelände – aber nicht im Rainwald! So die Position einer Initiative, die mehr als 1800 Unterschriften gegen die Pläne gesammelt hat. Man dürfe den touristischen Trend Mountainbike / E-Bike nicht verschlafen, appellieren dagegen Oberstaufens Touristiker und der Bürgermeister. Die Initiative beklagt schlechte Kommunikation. Die Gemeinde mangelndes Interesse an einer Mitsprache bei der Planung und Entwicklung des Tourismus-Konzeptes für den Kurort.

Rund 100 Interessierte nahmen jetzt an einer Bürgerinformation teil, in der das Bike-Konzept und die Überlegungen zu einem Übungsgelände im Rainwald detailliert erläutert wurden. Von einer Annäherung der Positionen war allerdings nach dreistündiger Information und Diskussion wenig zu spüren. „Der Rainwald ist der falsche Standort!”, unterstrichen die Vertreterinnen der Initiative.

Rainwald als Naherholungsgebiet

„Der Rainwald bleibt als wichtiges Naherholungsgebiet erhalten”, unterstrich Bürgermeister Martin Beckel. Der Gemeinderat und die Projektgruppe E-Mountainbike / MTB hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Womöglich sei der Informationsfluss bislang pandemiebedingt nicht immer optimal gewesen, verheimlicht habe man im Zuge der Planungen jedoch nichts, konterte Beckel einen wesentlichen Vorwurf der Initiative. Das Thema habe bislang „offenbar kein Interesse” gefunden, ebenso wenig das Angebot einer Mitarbeit in der Projektgruppe, beklagte er weiter. Alles sei öffentlich abgelaufen. Im Juli hatte sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit für das Projekt ausgesprochen.

Leidenschaftlich verteidigten Oberstaufens Tourismus-Chefin Constanze Höfinghoff und Projektleiter Bernd Seelherr das Tourismuskonzept der Marktgemeinde. Die beiden erläuterten den aktuellen Bike-Boom, vor allem bei E-Bikes. Höfinghoff und Seelheer sehen Handlungsbedarf und setzen auf angemessen Angebote für diese wachsende Zielgruppe: Trainingsmöglichkeiten, Kommunikation und Besucherlenkung. „Das alles ist kein reines Oberstaufen-Thema”, so die Tourismusdirektorin weiter. Langfristig müsse sich die Region in dieser Hinsicht gut aufstellen.

Bike-Boom aktueller denn je

Nicht die MTB-Spezialisten kämen nach Oberstaufen, zerstreute sie Bedenken, sondern vor allem Einsteiger und Genussradler. „Wir müssen überlegen, welches Angebot wir dafür schaffen.” Nichts zu tun, sei keine Option, gab sie zu bedenken.

Seelherr von der Oberstaufen Tourismus Marketing (OTM) skizzierte die Auswahl des geplanten Standorts für das Übungsgelände. Nachdem andere mögliche Areale aus verschiedenen Gründen aus dem Raster gefallen seien, blieb letztlich der 10 Hektar große Rainwald direkt am Ortsrand übrig. „Wir haben intensiv gesucht, aber nichts anderes Geeignetes gefunden.” Es gebe wenig sachliche und fachliche Argumente, die gegen den Standort sprächen. „So einfach ist es heute nicht, ein Grundstück zu finden”, ergänzte der Bürgermeister.

Bike-Übungsgelände: Zehn Trail-Varianten

Im ersten Entwurf sind zehn Trail-Varianten vorgesehen. Aber über die Anzahl und die Trassenführungen könne man durchaus sprechen, lenkte Bürgermeister Beckel ein. Man werde letztendlich die Strecken anlegen, die am wenigsten Eingriffe in Natur und Landschaft bedürften. Das beliebte Wandergebiet Rainwald bleibe bestehen. Es gehe darum, Wanderer und Biker auf getrennte Wege zu leiten. Aussperren könne man Radfahrer keineswegs. Die baurechtlichen Prüfung werde kaum tiefgreifende Einwände aufzeigen, gab sich Beckel gelassen.

Das 200 000-Euro-Projekt wird zu 50 Prozent vom Freistaat Bayern gefördert über die Richtlinien zur Förderung von umwelt- und klimaverträglichen Naturerlebnis- und Naturtourismusangeboten in bayerischen Kommunen (FöRNatKom). Baubeginn soll im kommenden Frühjahr sein.

Petition Rainwald

In einem „Faktencheck” konterte die Tourismus-Chefin schließlich die Argumentation der „Petition Rainwald” der Initiative. Weder seien massive Eingriff in die Natur vorgesehen, noch weitere Parkplätze oder ein weiterer Bauabschnitt. Vielmehr werde in Qualität investiert. Es würden zudem nicht zehn Hektar beansprucht, sondern nur knapp ein halbes Hektar Fläche benötigt für Trails. Das Naherholungsgebiet Rainwald bleibe im wesentlichen unverändert erhalten.

Genau das konnten die Vertreterinnen der Initiative und Initiatorinnen der Petition in der Diskussionsrunde nicht nachvollziehen. „Der Rainwald muss so bleiben wie er ist!”, forderte Andrea Wirrwitz-Bingger. „Wenn auf den Trails links und rechts Biker vorbeirauschen, ist es nicht dasselbe wie jetzt...”, sagte Gemeinderätin Beate Kümpflein, die im Gremium gegen den Übungspark gestimmt hatte. „Das kann mir keiner erzählen.” Sie glaube zudem nicht, dass das Bike-Konzept so funktioniere.

Übungspark auch für Einheimisch

Walter Traubl dagegen sprach sich für das Projekt aus und sieht darin „auch etwas für Einheimische und unser Kinder”.

Christiane Krause, ebenfalls Mitglied der Initiative bat, den Gemeinderatsbeschluss erneut zu diskutieren und zu überdenken. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten die Petition nicht unterschrieben, stünden aber dennoch hinter dem Anliegen der Initiative. Sie erwarte eine respektvolle Behandlung der Petition.

Das zumindest sicherte Bürgermeister Martin Beckel neben einer weiteren Diskussion zu. „Ergebnisoffen.” Jedenfalls werde man das Projekt „heute nicht beerdigen”. Eine mehrheitliche Entscheidung sei zu respektieren. Es gebe immerhin einen gültigen Gemeinderatsbeschluss. Mehr könne er nicht versprechen.

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