Oberstaufen setzt auf "Einfach. Mitanand."

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Bürgermeister Martin Beckel (von links), Jürgen Meier, Andrea Presser und Bernd Seelherr von Oberstaufen Tourimus testeten das neue „Flow Gate“ für Weidezäune.

Die Marktgemeinde Oberstaufen will jetzt in die Gänge kommen, was die seit Jahren andauernden „Reibereien“ zwischen Tourismus, Grundbesitzern und Kommunen auf der einen Seite und Freizeitnutzung freier Natur andererseits angeht. Wenn man nichts tut, wird es nicht besser.

Mit der Kampagne „Einfach. Mitanand.“ soll der Konflikt einvernehmlich mit allen Beteiligten entschäft werden. Zündstoff lieferte bislang vor allem die wachsende Zahl der Mountainbiker, die mehrfach mit Grundbesitzern aneinander gerieten.

„Wir machen jetzt einen eigenen Anlauf, da das Projekt der Allgäu GmbH ins Stocken geraten ist“, erläuterte Oberstaufens Bürgermeister Martin Beckel den Vorstoß der Gemeinde. In erster Linie gehe es um praxistaugliche Durchlässe bei Weideflächen. Die Gemeinde stellt den Grundbesitzern von Alpflächen spezielle Durchlass-Konstruktionen zur Verfügung, die einerseits das Weidevieh sicher zurückhalten, andererseits den Mountainbikern eine Passage der Umzäunung ohne Abstieg vom Rad erlauben. Beckel: „Nichts machen bringt nichts.“ Darum habe Oberstaufen mit „Einfach. Mitanand.“ ein Konzept für einen „freundlichen und respektvollen Umgang untereinander“ angestoßen, verbunden mit einer sinnvollen Besucherlenkung. Die Grundeigentümer zögen mit und seien bereit, Lösungen zu finden. „Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagte Beckel.

Die neuen Schwinggatter werden von der Gemeinde finanziert und installiert. Rund 550 Euro kostet ein knapp einen Meter breites Durchlass-Modul „Flow Gate“. Die Konstruktion kann ohne großen Aufwand in den bestehenden Weidezaun eingefügt werden, wo von Bikern und Wanderern genutzte Wege die Alpfläche queren. Der Stromfluss wird nicht unterbrochen, die Leitung von den Benutzern beim Durchgang aber nicht berührt.

Ob das „generelle Problem“ damit aus der Welt geschafft wird, bezweifeln etliche Älpler und Grundbesitzer dennoch. „Es kommen Dank E-Bike-Boom immer mehr Leute in die Gegend“, so die vielfach vorgebrachte Klage. „Es sind viele Leute unterwegs – wir haben die Probleme“, brachte es ein Landwirt auf den Punkt. „Je besser das Angebot, umso mehr kommen“, ergänzte ein Kollege.

Und längst nicht alle beherrschten ihr flottes Rad in jeder Situation und bei schwierigen Wegeverhältnissen. Es gehe in letzter Konsequenz um die Verkehrssicherungspflicht. „Die bleibt nach wie vor beim Grundeigentümer hängen!“, beklagte etwa Ludwig Kirner. Der Älpler hat einen Rechtsstreit in einer solchen Sache hinter sich und will „so etwas nicht mehr mitmachen“.

Auch beim Alpwirtschaftlichen Verein AVA will man die Konflikte um die Wegenutzung aus der Welt schaffen und begrüßt den Vorstoß in Oberstaufen. „Nichts tun, bringt nichts“, betonte Petra Breuer vom AVA. Der Versuch mit den neuen Weidedurchlässen sei ein wichtiger Ansatz.

„Die Verkehrssicherungpflicht ist tatsächlich Sache des Grundeigentümers“, betonte Bernd Seelherr, bei Oberstaufen Tourismus zuständig für „Projektmanagement Rad & Wandern“. Allerdings übernehme diesen Part hier die Gemeinde. „Endziel muss aber die Übernahme der Haftung durch den Freistaat sein!“, ergänzte Bürgermeister Beckel.

Von einer „touristisch sensationellen Entwicklung“ sprach Jürgen Meier, Geschäftsführer der Oberstaufen Tourismus. Ein „hoch attraktives“ Klientel sei da unterwegs. Doch die erforderliche Infrastruktur müsse da sein, sonst könne man das Angebot nicht bewerben. Sprich: attraktive Strecken mit Erlebniswert brauche es. Und daran arbeitete die Projektgruppe intensiv. Zwei Rundtouren seien bereits fix, an einer dritten werde noch gearbeitet, erläuterte Bernd Seelherr. In jedem Fall seien die Grundbesitzer mit im Boot. Nur wo eine umsichtige Besucherlenkung greife, könne man die Konflikte regeln, so Seelherr. „Ausschließen funktioniert nicht.“

gts

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