Nordische Ski-WM: Oberstdorf meldet 39 Millionen Euro Förderbedarf an

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Wohin geht die „Reise“ für die Nordische Ski-WM? Oberstdorf brachte jetzt ein umfassendes Bauprogramm auf den Weg.

Oberstdorf – Seit Monaten sorgen die Zahlen, was an Fördersummen für die Ausrichtung der Nordischen Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf angemeldet werden soll, für Schlagzeilen. Hohe Wellen schlug im Frühjahr eine erste Kostenschätzung von knapp 50 Millionen Euro.

Kritisiert wurde, dass Oberstdorf trotz jahrelanger WM-Bewerbungen eher unvorbereitet in die Vorbereitungen hineinschlittert. Der Marktgemeinderat beschloss jetzt ein Investitionsvolumen mit einer Fördersumme in Höhe von 39 Millionen Euro und ein umfassendes Bauprogramm für Schanzen, Loipen und Beschneiung.

Zuletzt hatte ein „Brandbrief“ von Landrat Klotz für Aufsehen gesorgt, in dem er die Gemeinde aufforderte „den Prozess aktiv und konstruktiv zu begleiten“. Er hatte eine Entscheidung bis September gefordert, damit die Fördergeber für das Jahr 2018 Mittel in ihre Haushalte einstellen können. Die Gemeinderäte Josef Dornach und Martin Rees hatten in einem offenen Brief gefordert, mit temporären Bauwerken auszukommen und die Infrastruktur des Ortes zu stärken (der Kreisbote berichtete). Grüne und ÖDP mahnten schon im Vorfeld eine ökologische WM an, die möglichst wenig Natur und Umwelt belastet.

Die Gemeinde steht unter Zeitdruck. Im Herbst nächsten Jahres sollen die ersten Baumaßnahmen beginnen. Uneinigkeit herrscht vor allem darüber, was im Langlaufstadion Ried temporär errichtet oder zu einer festen Einrichtung werden soll. Kritiker befürchten die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und unkalkulierbare Folgekosten für die Gemeinde.

Nach mehreren Klausuren des Gemeinderates und Treffen mit den Verbänden einigte man sich nun, eine Fördersumme von rund 39 Millionen Euro anzumelden. Alleine für den sportlichen Bereich. Enthalten sind darin bei der Erdinger Arena die Modernisierung der Schanzen HS 106 und HS 127und des Auslaufs- und Athletenbereichs. Dazu kommen ein Ersatzbau der Kleinschanzen, die Erweiterung der Funktionsgebäude und weitere Maßnahmen. Im Langlaufstadion Ried sind die wichtigsten Punkte die Modernisierung des Streckennetzes sowie der Ausbau und die Erweiterung der bestehenden Funktionsgebäude. Modernisierung und Ausbau der Beschneiungsanlagen sollen für Schneesicherheit sorgen.

Florian Speigl erläuterte, was bisher geschah und für welche Maßnahmen die Fördergelder beantragt werden sollen. Die Anlagen seien schon jetzt stark frequentiert – man stehe in Konkurrenz zu anderen Wintersportzentren. Oberstdorf sei der zentrale Trainingsstützpunkt für die nordischen Disziplinen, sprach er die wichtige Nachwuchsarbeit an. Investitionen in die Schneesicherheit für Spitzensport, Nachwuchs und Tourismus seien notwendig. „Heute geht es nur um eine Willensbildung für den voraussichtlichen Förderbedarf“, betonte Bürgermeister Laurent Mies. Damit sei noch nicht entschieden, was konkret gebaut werde.

Gerade dieses Thema treibt viele Gemeinderäte um. Sie wollen „klare Leitplanken“ eingebaut haben, was das Bauvolumen betrifft. Mehrere Gemeinderäte fragten nach, warum nicht an dem Beschluss vom Juli festgehalten wird, der genau diese Punkte beinhalte.

„Spitzensport ist Aufgabe der Verbände und des Staates und nicht der Kommunen“, monierte Martin Rees (AO/FDP) und fordert Überlegungen, wie man die Baumasse reduzieren könne. „Wo ist der realistische Zeitraum, wo wir als Gemeinderäte noch eingreifen können?“, stellte Josef Dornach (UOL) die Frage „ob alles was gefördert wird, wir dann auch wirklich hier haben wollen“. Siegmund Rohrmoser (Grüne) forderte klare Informationen und sprach von einer „Blackbox“, was die Organisationsgesellschaft betreffe. Die Nachhaltigkeit sei bis heute gänzlich ohne Umweltkomponenten definiert. Adalbert Schall (CSU) sieht die Vorbereitungen „bisher mangelhaft gemanagt“.

Bürgermeister Mies wies die Vorwürfe zurück und bat um „mehr Vertrauen in die Partner“. „Wie viel Schulden kann die Gemeinde machen“, sprach Christian Raps (FW) die Pflichtaufgaben an.

Die Ausrichtung der WM gehe nur zusammen mit den Fördergebern, so der Bürgermeister. Die Pflichtaufgaben werde man dabei nicht vernachlässigen. Toni Weiler (UOL) verteidigt die Arbeit des Aufsichtsrats. Die Frage sei nun: „Was ist Bund, Land und Landkreis der Standort Oberstdorf wert“. Für Fritz Sehrwind (CSU) und Helmut Schratt (FW) muss vor der Auftragsvergabe die Detailplanung vorliegen.

Am Ende einigte man sich im Beschluss auf den Zusatz „Die Leitlinien für die Planung, z. B. Kubatur, Ansichten, Flächenverbrauch sind unverzüglich, spätestens aber vor Vergabe des Planungsauftrages vom Marktgemeinderat, festzulegen“. Die CSU verteidigte ihren Vorschlag einer Loipenanbindung mit Beschneiung bis zum Ortsrand, was ebenfalls mit in den Beschluss aufgenommen wurde. Er wurde mit 17:2 gegen die Stimmen der Grünen-Fraktion angenommen.

Nun liegt der Ball im Feld der Fördergeber. Sie müssen entscheiden, welche Baumaßnahmen sie für die WM für förderfähig halten und welche nicht.

Heinrich Bonert

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