Oberallgäuer Grüne fordern Neuausrichtung beim Wintertourismus

Schnee wird Mangelware

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Unter 1000 Meter gab es in diesem Winter nur tageweise eine geschlossene Schneedecke.

Oberstdorf – Während draußen Schmuddelwetter herrschte und der Winter einen neuen Anlauf versuchte, beschäftigten sich die Grünen drinnen mit der Zukunft des Wintertourismus.

Die Oberstdorfer Ortssprecherin Bergith Hornbacher Burgstaller konnte den Landtagsabgeordneten und tourismuspolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion im Bayrischen Landtag, Ulli Leiner, begrüßen, der die Anpassung der Förderrichtlinien im Tourismussektor an nachhaltige Kriterien forderte. Unbestritten auf der Versammlung: Das Thema Klimawandel hat auch die Tourismusregion Allgäu erreicht. Wobei aber alle noch auf gute Skiwinter in den nächsten Jahrzehnten hoffen.

Auf veränderte Bedingungen reagieren

Die Tendenz ist für den Landtagsabgeordneten klar: Die Winter werden schneeärmer und wärmer. Für viele Liftbetreiber war das Geschäft über Weihnachten und zum Jahreswechsel ins Wasser gefallen. Auch fehlten längere Kälteperioden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten sich die Wintersportorte darauf einrichten, so Leiner. Er sieht durch die klimatischen Veränderungen, den demografischen Wandel, ökologische Herausforderungen und verändertes Freizeitverhalten eine rückläufige Tendenz beim klassischen Skifahren. Darauf müsse sich der Tourismus mit neuen und nachhaltigen Konzepten einstellen. Bei allen Umfragen zu den Erwartungen an das Urlaubsziel stünden das Naturerlebnis, Wandern, kulturelle Angebote und Zeit mit Familie und Freunden verbringen ganz oben. Viele Urlauber suchten nicht den Wintersport sondern vor allem die winterliche Atmosphäre.

„Wir Grüne stehen zum Tourismus im Allgäu“, fordert Leiner ein Umdenken und ein Umsteuern. Er sprach sich gegen die staatliche Förderung von Beschneiungsanlagen und die Erweiterung von Skigebieten aus. „Reine Skilifte werden keine Zukunft haben“, rät Leiner bei Modernisierungen den Ganzjahresbetrieb im Auge zu behalten. Darum sein Vorschlag: Förderung bei der Ertüchtigung von Bergbahnen nur noch, wenn saisonübergreifende und nachhaltige Angebote entstehen. Freiwerdende Gelder könnten dann unter Anderem stärker für den Ausbau von Winterwanderwegen, kulturelle Angebote, Ausbau des ÖPNV und eine Stärkung der Vermieterstruktur eingesetzt werden.

Von regionalen kulinarischen Angeboten könnten Tourismus und Landwirtschaft profitieren. Er empfiehlt, bei der Werbung nicht nur das Skifahren in den Mittelpunkt zu stellen und nicht der Konkurrenz in Österreich hinterherzulaufen: „Wir müssen weniger nach Sommer- und Wintertourismus trennen und deutlicher die Stärken der Region in den Vordergrund stellen“.

Vorreiterrolle des Allgäus in Bayern

Simone Zehnpfennig von der Allgäu GmbH betonte, dass viele der Vorschläge von der Allgäu GmbH und den Tourismusorten schon umgesetzt werden und diese sich auf die Wetterverhältnisse eingestellt hätten. Das Allgäu habe sich hier sicher schon eine Vorreiterrolle innerhalb Bayerns erarbeitet, was auch die guten Übernachtungszahlen zeigen, räumte Leiner ein. Diesen Trend gelte es zu verstärken, was aber in vielen Köpfen noch nicht angekommen sei. „Wir wollen Tourismusförderung nicht nach dem Gießkannenprinzip sondern ausgerichtet an ökologischen und zukunftsfähigen Konzepten."

Der Oberstdorfer Hotelier Jürnjakob Reisigl warb für eine „differenzierte Betrachtung“. Der Wintersport sei für die Bettenauslastung noch immer sehr wichtig. Darum sei es sinnvoll, weiter in Skigebiete zu investieren. Unterschiedliche Sichtweisen gab es zu den Ansprüchen und der Gästezufriedenheit in Oberstdorf. Beklagt wurde der viele Autoverkehr, verbunden mit der Forderung die innerörtliche Gestaltung zu verbessern. Nach seinen Erfahrungen fühlen sich die Gäste in Oberstdorf sehr wohl, erklärte der Skilehrer Uwe Kante.

Heinrich Bonert

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