Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß

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Oberstdorf braucht dringend Fördermittel, um die Sportanlagen für die „Nordische“ fit zu machen.

Oberstdorf – Für die Nordische Ski-WM 2021 sollen die Sportanlagen und die Infrastruktur des Ortes kräftig aufpoliert werden. Im Oberstdorfer Gemeinderat stellten Miriam Frietsch von Oberstdorf Tourismus und Kämmerer Martin Schmalholz die geplanten Baumaßnahmen vor.

Der Katalog wurde in enger Zusammenarbeit von Verwaltung, Tourismus Oberstdorf, den Skiverbänden und der Sport- und Veranstaltungs-GmbH erarbeitet. Allen Beteiligten sei wichtig, in enger Abstimmung ein nachhaltiges Konzept zu erarbeiten mit dem Ziel, die Sportstätten auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen, erklärte Frietsch: Ein „bunter Maßnahmenstrauß der noch mal geprüft und überarbeitet wird“. Entstanden ist eine mehrseitige Auflistung mit rund 150 Einzelmaßnahmen. „Der Gedanke ist, ein gemeinsames Bauprogramm zu entwickeln um eine bestmögliche Förderkulisse zu erreichen“, so Bürgermeister Laurent Mies. Bis zum 10. April müssen die Fördersummen für die Schanzen und das Langlaufstadion bei den Fördergebern angemeldet werden. Das heißt allerdings nicht, dass auch alles Angemeldete umgesetzt wird.

Im Langlaufstadion im Ried reicht die Wunschliste von der Anpassung des Loipennetzes und neuen Loipenbrücken über die Erweiterung der Funktionsgebäude, einen vergrößerten Schneiteich, die Sanierung der Rollerbahn bis zu einem Ausbau der Beschneiung bis zum Ortsrand und einem Biathlon-Trainingsstand. In der Erdinger Arena stehen unter Anderem eine Überdachung des Anlaufbereiches, ein Sonnensegel, die Begradigung des Aufsprunghangs, die Sanierung der Tribünen und die Erweiterung des Sprungrichterturms auf dem Programm. Weitere allgemeine Maßnahmen sind die grundsätzliche Verbesserung der Technik, ein Fußgängerleitsystem, die Schaffung von Parkflächen und freies WLAN im Ort.

„Heute Abend geht es nur um die Maßnahmen für den sportlichen Bereich“, appellierte Mies, das Thema Sport von den weitergehenden notwendigen Infrastrukturmaßnahmen zu trennen und den Förderantrag auf den Weg zu bringen. Für die anderen Maßnahmen stünden eigene Fördertöpfe zur Verfügung.

Kontroverse Diskussionen waren programmiert. Vor allem der Verkehr erwies sich als ein Knackpunkt. Fritz Sehrwind (CSU) regte die „Vision“ einer unterirdischen Zufahrt in den Ort an. Rudi Götzberger (FW) sprach die „nicht tragbaren und rechtswidrigen“ Verkehrsverlagerungen im Ort an. Auch mit der Idee, im Langlaufstadion feste Infrastrukturen zu schaffen, sind einige Gemeinderäte nicht einverstanden. „Wir wollen keinen Sommer-Event-Charakter im Ried“, so Josef Geiger (CSU). Kritisch gesehen wurde zudem, eine Beschlussfassung, bevor überhaupt Zahlen auf dem Tisch liegen. Martin Rees (AO/FDP) sprach von einem „Blind Date, bei dem man nicht weiß was dabei herauskommt“. Von einem „Blankoscheck“ sprach Siegmund Rohrmoser (Grüne). Man wisse noch nicht mal, wie die Loipenstrecken verlaufen sollen. Trotz ständiger Betonung der Nachhaltigkeit seien bisher die Naturschutzverbände nicht mit einbezogen worden. Bürgermeister Mies versprach, die Fraktionen über die Summen im Förderantrag zu informieren.

Trotz mehrfacher Forderung nach einer Sondersitzung, bei der die Kosten diskutiert werden sollen, gab es am Ende eine klare 10:4-Mehrheit für den Beschlussvorschlag. Danach wird Verwaltung beauftragt, laut den vorgestellten Maßnahmen die entsprechende Fördersumme anzumelden. Rohrmoser verweigert – im Widerspruch zur Gemeindeordnung – die Abstimmung. Er hält die Kostenfrage für eine „fundamentale Kompetenz der Gemeinderates“.

Heinrich Bonert

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