Oberstdorf: Nach Starkregen Murenabgänge und Schlammlawinen

Land unter in Oberstdorf

Benjamin Liss

Oberstdorf - Starke Regenfälle haben am Sonntag in Oberstdorf zu Überschwemmungen und Murenabgängen geführt. In einigen Häusern stand der Schlamm bis im Erdgeschoss, zahlreiche Keller waren überflutet.

Oberhalb des Ortsteils Dummelesmoos löste sich eine Mure, die Geröll und Schlammassen bis in den Ort schob. Zudem löste der Faltenbach eine Schlammlawine oberhalb der Erdinger Arena aus, die Erd- und Geröllmassen unter der Tribüne der Arena durchschob. Auch der Oybach trat über die Ufer. Rettungskräfte begannen am späten Nachmittag mit der vorsorglichen Evakuierung von etwa 300 Personen in den Ortsteilen Faltenbach und Dummelesmoos. 

„Wir hatten Glück, dass der Faltenbach an der Engstelle unter den Stadiontribünen nicht zugemacht hat“, so Wolfgang Burgstaller, der unterhalb des Stadions wohnt. Gegen 17 Uhr hatte die Feuerwehr begonnen, die Menschen in den betroffenen Ortsteilen – am Faltenbach und am Dummelesmoos – vorsorglich zu evakuieren. Die Menschen wurden im Oberstdorf Haus untergebracht.

Eine Schlammlawine war unterwegs in Richtung Erdinger Arena. Glücklicherweise stoppte sie, bevor sie den Ort erreichte. Anders am Dummelesmoos: mehrere Häuser wurden dort von einer Mure teilweise stark beschädigt, Wasser und Schlamm floss teils bis ins Erdgeschoss. „Schlamm und Wasser kamen sehr schnell“, betonte ein Anwohner die Gefahr. Auch die Tiefgarage des Eislaufzentrums war vollgelaufen.

Rettungskräfte befreiten die Bäche von Geröll und Bäumen, ebenso wie Bagger, die auch die Bachbetten weiter aushoben. Baufirmen versuchten zudem, unter anderem mit Betonsperren, noch größere Schäden abzuwehren. Bereits am frühen Abend begannen Anwohner, Rettungskräfte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und auch Asylbewerber aus einer nahegelegenen Unterkunft mit den Aufräumarbeiten.

Gegen 22.30 Uhr konnten die meisten Anwohner wieder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Rund 20 Personen mussten die Nacht allerdings in Ausweichquartieren verbringen. Ihre Anwesen waren vom Strom abgeschnitten. Zwei zunächst als einsturzgefährdet eingestufte Häuser wurden durch die Feuerwehr gesichert und von außen auf das Mauerwerk drückender Schlamm und Geröll beseitigt. Bei einem Gebäude musste im Laufe des Montags geklärt werden, ob es noch bewohnbar ist. Wie hoch die Schäden durch das Unwetter sind, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

Auf einer Pressekonferenz im Feuerwehrhaus schilderten am Montag Bürgermeister Laurent Mies, Landrat Anton Klotz, Kreisbrandinspektor Joachim Freudig und Karl Schindele vom Wasserwirtschaftsamt die aktuelle Situation und was an Schäden entstanden ist. Mies und Klotz bedankten sich vor allem bei den Rettungskräften und allen freiwilligen Helfern für ihren Einsatz und lobten die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. In der Spitze waren über 350 Leute im Einsatz. "Der Ort funktioniert wieder", konnte der Bürgermeister weitgehend Entwarnung geben. Die meisten der ca. 200 Betroffenen konnten schon zwischen 21 und 22 Uhr wieder in ihre Wohnungen zurück. Priorität habe zu Beginn des Einsatzes der Faltenbach gehabt, weil hier auch eine Gefährdung für den Ortskern besteht. Später habe sich herausgestellt, dass das Unwetter am Dummelesmoos die meisten Schäden angerichtet hat. Auch das Oytal musste eine Zeit lang wegen eines Murenabgangs gesperrt werden, bestätigte Freudig 

An zwei Stellen hat das Unwetter die meisten Schäden angerichtet. Am schlimmsten ist die Siedlung "Am Dummelesmoos" durch einen Murenabgang und die Wassermassen eines sonst harmlosen Baches betroffen. 10 bis 12 Häuser sind hier beschädigt. Vier davon sind derzeit nicht bewohnbar - bei einem Gebäude müssen die Aufräumarbeiten zeigen, ob Einsturzgefahr besteht. Am Faltenbach ging die Sache relativ glimpflich ab. Der Faltenbach trat oberhalb der Schanze aus seinem Bett, beschädigte die Strasse und unterspülte Tribünenpfeiler. Klotz sprach von einem "extremen Witterungsereignis". Besonders hob er hervor, dass Asylbewerber aus der nahen Gerberstrasse mit angepackt haben, Wasser und Schlamm zu beseitigen. Schindele sieht die extremen Regenmengen, die in kurzer im Gebiet von Rubi- und Nebelhorn fielen, als Ursache für das Unglück: "Gegen solche Naturereignisse sind wir nie ganz gefeit".

Schlammlawinen in Oberstdorf

hb/eva

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