Oberstdorf-Therme scheint gesichert

Oberstdorf: Bürgerentscheid vom Tisch

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Vom Tisch ist erst einmal der Bürgerentscheid zur Zukunft der Oberstdorf-Therme. Jetzt müssen allerdings konkrete Planungen auf den Tisch.

Oberstdorf – In der Marktgemeinde wird es keinen Bürgerentscheid über die Zukunft der 1971 geplanten und sanierungsbedürftigen Oberstdorf-Therme geben. Der Gemeinderat beschloss, sich den Forderungen der „Interessengemeinschaft zum Erhalt der Oberstdorf-Therme“ anzuschließen.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative hatten über 1700 Unterschriften gesammelt um ihrer Forderung – Erhalt der Therme im Gemeindebesitz am jetzigen Standort – Nachdruck zu verleihen. Auslöser waren Pläne im Sommer 2013, die vorsahen, am Ortsrand ein Hotel mit angeschlossener Badelandschaft zu bauen. Das Hotelprojekt hat sich inzwischen zerschlagen – trotzdem gingen die Diskussionen zur Zukunft der Therme weiter.

Vor der Sitzung äußerten die Sprecher der Bürgerinitiative, Ralf Bohlens und Uwe Lassau, die Hoffnung, dass ihrem Ansinnen stattgegeben werde und auf einen Bürgerentscheid verzichtet werden könne. Was sich auch erfüllte. „Der Marktgemeinderat beschließt, dass die Oberstdorf Therme im Eigentum des Marktes Oberstdorf bleibt und am jetzigen Standort betrieben wird“, waren sich die Gemeinderäte bei der Be-schlussfassung einig.

Ausdrücklich wurde das bürgerschaftliche Engagement der Bürgerinitiative gelobt. Der Streit bei den weiteren Teilen des Beschlusses ging darum, wie weit man sich bei den nächsten Planungen und Schritten festlegen solle. Der von Josef Geiger vorgetragene CSU-Vorschlag sprach sich für die Aktualisierung des Sanierungsgutachtens bis Ende Juni als Diskussionsgrundlage aus. Auf dieser Basis soll die Neukonzipierung des Bades entschieden werden. Der alpine Charakter des Bades soll erhalten bleiben. Bürgermeister Laurent Mies wollte in seinem Beschlussvorschlag mehr Spielraum bei der Planung und auch einen Neubau nicht ausschlie-ßen. „Wir reden von einem Projekt von 25 bis 30 Jahren“, forderte Mies „mehr Mut und Bereitschaft innovativ zu denken“.

Tourismusdirektorin Heidi Thaumiller hatte zuvor die Situation der Therme, die Besucherzahlen und die Summen, die für die Instandhaltung ausgegeben werden, vorgestellt. Laut ihrer Analyse waren bei gut 96.000 Badegästen im Jahr 2014 6,64 Prozent Oberstdorf-Gäste. „Was braucht Oberstdorf für ein Badeangebot um die optimale Lösung für die Gäste und Bürger zu finden“, sei für sie die entscheidende Frage.

Der Bäderexperte Johann Franz Wach, hatte vor der Sitzung noch eine Begehung gemacht. Er listete die Mängel auf und erklärte, dass aufgrund des Alters und der Schäden in absehbarer Zeit das bestehende Angebot nicht mehr aufrecht erhalten werden könne. Bei einer Generalsanierung rechneter mit etwa 12 Millionen Euro Kosten – ein Neubau würde mindestens das Doppelte verschlingen. Durch eine Modernisierung könne das Gästeaufkommen gesteigert und die Betriebskosten deutlich gesenkt werden.

Nach längerer Diskussion folgte eine ganz knappe Mehrheit von 11 zu 10 Stimmen dem Vorschlag der CSU-Fraktion. Das von dem Ingenieurbüro Wach im Jahr 2006 erstellte Gutachten soll nun für 15.000 Euro aktualisiert werden und als Diskussionspapier für die Zukunft der Therme dienen.

Die Anhänger der Bürgerinitiative, die zahlreich den Sitzungssaal füllten und nach der Abstimmung applaudierten, zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden. Sie sehen allerdings noch eine Menge Aufgaben vor sich. „Wir haben den nächsten Meilenstein erreicht und stehen für die weiteren Planungen zur Verfügung“, so Bohlens. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, zeigte sich Lassau dankbar, dass es nicht zu einem Bürgerentscheid kommen muss. „Wir werden auch zukünftig keine Ruhe geben und aufpassen, dass der Beschluss umgesetzt wird“.

Für Bürgermeister Mies war nach dem Ergebnis wichtig, dass bei dem weiteren Vorgehen externe Sachkompetenz als Entscheidungsgrundlage mit eingebunden wird. „Wir setzen jetzt fort, was vor 40 Jahren geplant wurde“, hätte er sich „mehr Mut zur Innovation“ und „eine breitere Beleuchtung des Themas“ gewünscht. Er sieht noch einen Entscheidungsprozess von drei bis vier Jahren. „Ich hätte mir für Oberstdorf die Chance gewünscht, von einem weißen Blatt aus zu planen“, wäre Thaumiller „mehr Spielraum bei der Projektplanung“ lieber gewesen.

Heinrich Bonert

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