Thermenfreunde hoffen auf Dialog mit der Gemeinde

Oberstdorf Therme: Der Ton wird wieder rauer

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So spiegelglatt wie das Wasser  der Therme ist die Simmung im Ort derzeit nicht.

Oberstdorf – Der Ton zwischen der „Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Oberstdorf Therme“ und dem Rathaus wird wieder rauer. Die jüngsten Äußerungen von Bürgermeister Laurent Mies stoßen der Bürgerinitiative sauer auf. Aus ihrer Sicht stellt der Bürgermeister damit die Sanierung der Therme grundsätzlich in Frage.

Der Gemeinderat hatte vor über einem Jahr, nachdem die Bürgerinitiative im Rahmen eines Bürgerbegehrens über 1700 Unterschriften gesammelt hatte, eingelenkt und für den Erhalt der Therme am jetzigen Standort gestimmt. Ein Volksentscheid wurde damit hinfällig. Derzeit läuft bis Ende April eine Marktforschungsanalyse, bei der die Bedürfnisse und Wünsche von Einheimischen und Gästen für ein neues Bade- und Gesundheitsangebot abgefragt werden.

Mies hatte in seinem Beitrag für ein Ortsmagazin darauf hingewiesen, dass bei Leistungen der öffentlichen Hand „nicht alles was wünschenswert auch finanziell möglich“ sei. Auch in anderen Gemeinden werde die Schließung von Bädern diskutiert, weil „die kommunalen Finanzen solch teure Einrichtungen nicht mehr hergeben“. Er hoffe aus der Befragung „ein Ergebnis zu erhalten, das den richtigen Weg weist und wir uns dann auch konsequent danach ausrichten“.

„Damit stellt er das Bad komplett in Frage“, kritisierte Uwe Lassau beim jüngsten Stammtisch der Interessengemeinschaft den Bürgermeister. Dieser sei in seinen Aussagen überhaupt nicht auf die touristische Bedeutung eingegangen. Dass dies ausgerechnet kurz nach Ablauf der einjährigen Bindefrist des Bürgerbegehrens geschah, nannte Lassau eine „Unverschämtheit“. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir aufpassen müssen“ so Ralf Bohlens. Angesichts der touristischen Entwicklung sei Oberstdorf ohne die Therme nicht vorstellbar. Die Thermenfreunde sehen auch bei der Befragung einige ungeklärte Punkte. Sie setzen weiter auf einen Dialog mit der Gemeinde, schließen aber auch ein neues Bürgerbegehren nicht aus.

Julian Teubler, Geschäftsführer der Oberstdorf Therme, zeigte sich „etwas überrascht von der Skepsis“. Er ist optimistisch und rät, dem beauftragten Unternehmen zu vertrauen und das Ergebnis der Studie abzuwarten. Er wünscht sich eine parteiübergreifende Mehrheit für die Zukunft der Therme. Auch als starkes Signal für die Zuschussgeber.

Mit Florian Meusburger und Karl Schuster waren auch zwei Gemeinderäte der „Walser Liste“ aus dem Kleinwalsertal zum Stammtisch gekommen. Sie warben für eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem Kleinwalsertal und Oberstdorf bei der touristischen Infrastruktur: „Bei uns fehlt so ein Angebot wie die Therme – vor allem für Schlechtwettertage.“ Aus ihrer Sicht sollte das Bad auch im Kleinwalsertal intensiv beworben werden. Für eine finanzielle Beteilung sehen sie allerdings wenig Chancen. Martin Rees stimmte den Gästen zu – eine Zusammenarbeit führe zur Stärkung der gesamten Tourismusregion. „Die Verantwortung nimmt uns niemand ab“, warnte er davor, sich diskussionslos dem Ergebnis der Studie zu beugen.

„Wir machen jetzt genau das, was die Verwaltung schon vor eineinhalb Jahren vorgeschlagen hat“, verweist Bürgermeister Laurent Mies auf gültige Gemeinderatsbeschlüsse. Für ihn gilt, die Ergebnisse der Studie abzuwarten, in der die Bedürfnisse der Bürger und Gäste erfasst werden und diese Ergebnisse dann im Gemeinderat zu diskutieren.

Heinrich Bonert

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