Markante Spalte am Hochvogel verbreitert sich stetig

Am Hochvogel droht ein gigantischer Felssturz

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Am Hochvogel im Allgäu verbreitert sich eine markante Spalte unterhalb des Gipfels von Woche zu Woche. Wissenschaftler überwachen den Riss millimetergenau. Ein gigantischer Felssturz droht.

Vielleicht noch heuer, vielleicht auch erst im nächsten Jahr könnte es so weit sein, sagt Michael Krautblatter. Dann droht ein Felssturz größeres Ausmaßes. Im Extremfall könnten bis zu 260 000 Kubikmeter Gestein bis zu 1000 Meter tief ins Tal stürzen. Alarmstufe Rot am Berg – doch noch ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Krautblatter ist Geologe und Professor für Hangbewegungen an der TU München. Derzeit ist er mit seinen Leuten im Wochentakt oben auf dem 2592 Meter hohen Hochvogel, einem markanten, aber mühsam zu besteigenden Aussichtsberg westlich von Oberstdorf an der bayerisch-tirolerischen Grenze. 

Direkt unterhalb des Gipfelkreuzes beginnt ein Spalt, der ins wissenschaftliche Interesse gerückt ist. Der Spalt ist seit über 50 Jahren bekannt, doch seit einigen Jahren beobachten Geologen, wie er sich bedrohlich dehnt. „Seit 2014 hat sich der Spalt um 30 Zentimeter geöffnet, das ist sehr viel“, sagt Krautblatter. Vom Gipfel aus blickt man 20 bis 30 Meter tief in den Abgrund, aber die Wissenschaftler schätzen, dass die Kluft an manchen Stellen bis zu 100 Meter nach unten reicht. Im Spätsommer haben die Geologen den Berg regelrecht verdrahtet – mit Sensoren, die Veränderungen der Felsspalte millimetergenau messen. „AlpSenseBench“ nennt sich das Forschungsprojekt, das dazu dient, ein Frühwarnsystem für alpine Naturgefahren aufzubauen. 

„Wir rechnen damit, dass sich der Spalt zwei bis drei Tage vor einem Felssturz enorm verbreitert, vielleicht um einen Zentimeter pro Tag“, sagt Krautblatter. Zurzeit sind es 0,4 Millimeter in der Woche. Die Geologen der TU München messen nicht nur im Allgäu, sondern auch im Wettersteingebiet rund um die Zugspitze sowie am Kitzsteinhorn in den Hohen Tauern und am Vernagtgletscher im Ötztal. Doch nirgends ist die Situation so dramatisch wie am Hochvogel. 

Der Berg besteht aus Hauptdolomit, der von Natur aus brüchig ist. Doch Ursache der Felssturzgefahr ist auch die Topographie des Berges: Die markante kegelartige Form begünstigt offensichtlich Felsrutsche. Da sich in den Spalten Wasser ansammelt, erodiert der Berg vor allem nach jedem Winter immer weiter. Schon einmal, im Jahr 1935, stürzten tausende Kubikmeter Gestein aus der Südwestwand ins Tal. Das ist im Hüttenbuch des nahen Prinz-Luitpold-Hauses vermerkt. Auch 2005, 2007 und zuletzt im Juli 2016 gab es Gesteinsabbrüche, die auch für die Zukunft nicht auszuschließen sind. Das macht die Forschungsarbeit am Berg riskant. Die Wissenschaftler kämpfen aber noch mit weiteren Hemmnissen: Blitzschläge beschädigten schon mehrmals die Sensoren. Sie müssen immer wieder erneuert werden.

Zudem ist eine von drei Anstiegsrouten zum Gipfel über den Bäumenheimer Weg nicht mehr möglich. Den Weg, der in Österreich beginnt, wurde im September 2014 vom Land Tirol dauerhaft gesperrt – zu groß war die Gefahr, dass Felsbrocken Wanderer erschlagen könnten. Der Weg gab es seit 109 Jahren, dass er noch mal geöffnet wird, ist unwahrscheinlich. „Es besteht absolute Lebensgefahr“, warnt die Sektion Donauwörth des Deutschen Alpenvereins.

Von Dirk Walter

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