"Das Thema irgendwie voranbringen"

+
Die Kur- und Verkehrsbetriebe wollen „das Thema voran bringen“ und das Skigebiet neu beleben.

Oberstdorf – Der Höllwieslift am südwestlichen Ortsrand von Oberstdorf ist – vor allem bei den Einheimischen – ein beliebtes Skigebiet. Viele erinnern sich noch, wie sie hier das Skifahren lernten. Der Schlepplift am Ziegelbach verbindet das Höllwies- mit dem Familienskigebiet am Söllereck.

„Wir müssen irgendwann das Thema voranbringen“, sieht Bürgermeister Laurent Mies „solide und sachverständige Aussagen vorliegen“. Der Gemeinderat sei „in der Verpflichtung Entscheidungen zu treffen“.

In den letzten Wintern waren durch Schneemangel die beiden Höllwiesabfahrten oft nicht befahrbar – im letzten Winter und in der Saison 2010/2011 ging so gut wie gar nichts. Eigentümer ist die Kur- und Verkehrsbetriebe AG (KVO), die noch andere Liegenschaften wie die Tennishalle und die Skiflugschanze besitzt und an der die Gemeinde mehrheitlich beteiligt ist.

Es gab schon länger Überlegungen, das Skigebiet zu modernisieren und zu beschneien. Was bisher vor allem an der ungelösten Finanzierung scheitere. Nun will die KVO Nägel mit Köpfen machen. Die Pläne sehen einen Neubau des Höllwiesliftes als Umlaufbahn mit Zehnerkabinen und die Beschneiung der beiden Abfahrten sowie den Neubau und die Beschneiung des Schrattenwangliftes im oberen Söllereckgebiet vor. Die neue Höllwiesbahn hätte eine Länge von 2200 Metern bei einem Höhenunterschied von 650 Metern und würde auf neuer Trasse über schwer zugängliches Gelände zur Bergstation des Schrattenwangliftes führen. Im Talbereich würde ein Schneiteich mit einem Fassungsvermögen von 80.000 Kubikmeter gebaut werden.

Vorstand Josef Moser stellte nun die Pläne auf einer Sondersitzung im Oberstdorfer Gemeinderat vor. „Ein schwieriges Projekt mit vielen Hindernissen, das aber realisierbar ist“, so Moser. Ziel sei den Winterbetrieb durch Beschneiung zu sichern und den 40 Jahre alten Höllwieslift zeitgemäß zu ersetzen. Die Pisten am Höllwies machen 35 Prozent des gesamten Skigebietes aus, erklärte Moser. Er sieht bei einer geschlossenen Kabinenbahn Vorteile beim Komfort, der Sicherheit und der Kapazitätsleistung. Gutachten zur Geologie seien fertig – zum Forst und zum Naturschutz in Bearbeitung. Die Pläne sollen im November bei den Behörden eingereicht werden.

Diplom-Ingenieur Edgar Grämiger von der Beratungsfirma „grischconsulta“ aus Chur stellte die Chancen, Risiken und Rentabilitätsberechnungen für mehrere Varianten vor. Er nannte das Gebiet „touristisch brachliegendes Kapital“. Durch eine Beschneiung werde das Gebiet „attraktiver und anspruchsvoller“. Die Investitionssumme für die komplette Lösung liege bei 15 Millionen Euro. Bei der KVO wäre eine Kapitalerhöhung von 3,5 Millionen Euro notwenig – der Rest soll über Fördermittel und Fremdkapital finanziert werden.

Um die Risiken zu minimieren schlug Grämiger auch eine zeitliche Entzerrung von Beschneiung und dem Bau der neuen Bahn vor. Die Beschneiung bringe erst einmal den größeren Mehrwert als die Bahn. Diese Variante wäre sogar aus eigener Kraft und ohne Auflösung der alten Eigentümerstruktur zu stemmen. Um nach den Förderrichtlinien die höchstmögliche Förderung von 35 Prozent vom Freistaat zu erhalten, sind einschneidende Änderungen bei den Mehrheitsverhältnissen der KVO notwendig. Die Gemeinde müsste bei der notwendigen Kapitalerhöhung ihren Anteil auf unter 25 Prozent senken – neue Anteilseigner müssten ins Boot geholt werden. Ideal wären zwei bis drei Partner in ähnlicher Größe wie die Gemeinde, denkt Moser auch an Beteiligungen aus der „Seilbahnfamilie“.

Neben der Diskussion über Trassenvarianten spielten bei den Gemeinderäten vor allem die Finanzierung, die Gesellschaftsstruktur und die finanziellen Aspekte die Hauptrolle. CSU, Freie Wähler und UOL signalisierten ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem kompletten Ausbau, wollten aber Sicherheiten gegen mögliche Risiken in den Beschluss einbauen. Fitz Sehrwind (CSU) sieht „eine günstige Zeit für Investitionen“. Der Förderantrag müsse die Gesamtinvestition beinhalten. Er bestand aber auf eine „Ausstiegsklausel, wenn die Einflussmöglichkeiten nicht so sind wie wir uns das vorstellen“. Die CSU-Fraktion beantragte, dass der Anteil der Gemeinde nur bis 24,9 Prozent abgesenkt werden darf und forderte weitere Garantien wie die Offenlegung der neuen Gesellschafter. Christian Ricken und Peter Titzler (FW) sehen das Projekt grundsätzlich positiv, wollen aber keinen „Blankoscheck“ ausstellen. Für Ricken hat „die Beschneiung Priorität“. „Wir müssen eine Überforderung der Gesellschaft vermeiden“, schlug Martin Rees (AO/FDP) eine eigene Investitionsgesellschaft für das Projekt vor. Damit könnten die Vermögenswerte bei der Kur-AG geschützt werden. Die Grünen hatten sich schon im Vorfeld positioniert und lehnen das Projekt, nicht zuletzt aus Naturschutzgründen, ab. Siegmund Rohrmoser warnte vor einer „globalen Ermächtigung“ und „kopfloser Hektik“. Er sieht die Gefahr, „dass die Kur-AG auf Grund läuft“. Auch Katrin Bäuerle von der SPD warnte vor „finanziellen Risiken“.

Nach Einarbeitung der CSU-Forderungen in den Beschlussvorschlag gab es eine breite Zustimmung zu der großen Variante – sprich: Beschneiung und Neubau der beiden Lifte. Vier Gemeinderäte – Grüne, SPD und Rees von der AO/FDP-Fraktion – stimmten dagegen.

Heinrich Bonert

Meistgelesen

In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß
Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß

Kommentare