Oberstdorfer Naturschützer vermissen langfristiges Konzept

Den Sommer vergessen?

 Speicherteich für die Beschneiung
+
Neben einem Speicherteich für die Beschneiung wurde im Langlauf-Gelände in Ried viel Kältetechnik installiert. Das hält der BN für „unlogisch und realitätsfremd“.

Oberstdorf – Die Ortsgruppe Oberstdorf -Fischen des Bund Naturschutz BN hat von Anfang an das Bauprojekt Nordische Skiweltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf kritisch beobachtet. Im Ried hat die Marktgemeinde Oberstdorf mit weiteren Partnern eine nordische WM-Anlage erstellt, um dort die Langlauf-Wettkämpfe auszutragen.

Jetzt hagelt es Kritik seitens der BN-Gruppe. Neben den zusätzlich errichteten Gebäuden seien dort auch kilometerweise Kältetechnik „in teils zu erhaltenden Flächen“ vergraben, eine neue Trasse gerodet, Wald und Wiese mit einer Teerstraße versehen und ein rund 40 Millionen Liter fassendes Beschneiungsbecken gebaut worden.

Gerade in Zeiten des Klimawandels, in den Nordischen Skisport, mitten in der Klimawandelzone auf 800 Metern Meereshöhe zu investieren einschließlich einer künstlichen Beschneiung, empfinde der BN ,so sein Ortsvorsitzender Michael Finger, als „unlogisch und realitätsfremd“.

Nichtsdestotrotz versuche der BN stets Projekte zu Ende zu denken und sich verstärkt in ein Sommernutzungskonzept für das Gelände einzubringen. Da das Gelände relativ günstig an Naherholungszielen im Stillach- und Trettachtal liege, wäre das „ein guter Startpunkt für Ausflüge und Wanderungen“ von Naturliebhabern, findet Finger.

„Der BN hat den Verantwortlichen verschiedene Projekte zur Nachnutzung vorgestellt, worauf bis heute nicht reagiert wurde“, kritisiert Finger weiter. Da das WM-Gelände viele Parkplatzflächen auf Schotterrasen-Untergrundbesitze, habe der BN vorgeschlagen, hier ein Wildniscamp zu installieren. Dies bedeute, dass man, auch „mit einem schmalen Geldbeutel“, naturnah zelten und von dort aus relativ klimaneutral die Allgäuer Hochalpen erkunden könne, erläutert Michael Finger.. Da Sanitäranlagen vorhanden seien, sieht er darin ein geschlossenes Konzept, welches gerade für junge Urlauber und Backpacker interessant wäre und das wilde Campen in den Bergen und das unkontrollierte Nachtparken reduzieren könnte.

Auch ganze Erlebniswochen seien möglich, da die Infrastruktur sowie das Knowhow in Oberstdorf vorhanden wären. Der BN fordert die Einrichtung eines kleinen Naturerlebniszentrums oder Naturinforaums mit, einer kleinen Ausstellung, mit geführten Touren und Tourenvorschlägen, Erlebniswochen und Outdoor-Angeboten für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, um den Gast für die Oberstdorfer Natur zu begeistern und gleichzeitig eine Möglichkeit zur Besucherlenkung zu haben, um Besucherhotspots entschärfen und Alternativen anbieten zu können. Finger: „Das bedeutet, im Ried einen zweiten Alpinberater – oder auch mehrere – einzusetzen, der informiert, berät, Anmeldungen entgegennimmt und mit den Bergschulen und OutdoorAnbietern kooperiert. Der Gast wäre zufrieden, da er sich gut versorgt fühlt und zufriedene Kunden kommen bekanntlich wieder.“ Die Natur würde so nicht übernutzt werden, was den BN freue und auf lange Zeit gesehen Oberstdorf als attraktives Naturparadies erhalte.

„Weitere Ideen sind unter anderem, Oberstdorf -Ranger einzusetzen und ein Synergieeffekt mit dem neuen Zentrum Naturerlebnis Alpin NALP. Die Ortsgruppe wird weiterhin versuchen, Ideen mit Wertschöpfung sowie den Dialog grundsätzlich anzuregen und am Laufen zu halten und hofft, dass es gelingt, die Entscheidungsträger dafür zu sensibilisieren, dass Ihre Heimat, die Natur in ihrer Verantwortung liegt“, sagt Finger. „Das kann man eben nur im Einklang mit der Natur erreichen. Denn die Menschen kommen aufgrund der Berge und nicht weil der Ort Oberstdorf heißt. Nur intakte Natur und sanfter Dauertourismus mit dem Alleinstellungsmerkmal Qualität sind zukunftsfähig, nicht die negative Wertschöpfung aus Tagesgästen mit billigen Parkplätzen und Sportgebäuden.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Winterdienst kämpft gegen gewaltige Schneemengen
Winterdienst kämpft gegen gewaltige Schneemengen
News-Ticker Oberallgäu: FFP2-Maskenpflicht auch auf dem Wochenmarkt
News-Ticker Oberallgäu: FFP2-Maskenpflicht auch auf dem Wochenmarkt
FFP2-Maskenpflicht gilt nicht für Mitarbeiter im Handel
FFP2-Maskenpflicht gilt nicht für Mitarbeiter im Handel
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder

Kommentare