Sebastian Kurz im Kleinwalsertal

Österreichischer Bundeskanzler im Kleinwalsertal: Viel Aufregung und wenig Abstand

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Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (rechts) hofft auf baldige Grenzöffnungen, damit der Sommertourismus im Alpenraum noch in die Gänge kommt. Gerade das Kleinwalsertal habe besonders unter den Beschränkungen zur Corona-Eindämmung gelitten und brauche Gäste.

Kleinwalsertal – Die Auswirkungen der derzeitigen Situation waren Thema beim kurzen Stopp des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz am einstigen Grenzübergang Walserschanz. Zuvor gab es in den sozialen Medien eine angeregte Diskussion über den Aufruf der Gemeinde zur Beflaggung. Beim Besuch des Kanzlers war die Stimmung freudig und er musste die zahlreichen Fans mehrfach dazu aufrufen, genug Abstand zu halten.

Die Corona-Pandemie macht an Grenzen nicht Halt. Gerade an der Grenze zum österreichischen Kleinwalsertal zeigten sich in den vergangenen Wochen besondere Härten: Praktisch war nach der Grenzschließung das gesamte Tal in Quarantäne, brachte Bundeskanzler Kurz die Lage auf den Punkt. Als gemeinsamen Erfolg bezeichnete er die aktuellen Anzeichen der Eindämmung der Pandemie. Kurz machte bei dem Gespräch an der Staatsgrenze keinen Hehl daraus, dass vor allem der Tourismus im Tal besonders gelitten habe. Jetzt sei es an der Zeit, mit behutsamen Schritten die Wirtschaft und gerade den Tourismus wieder zu beleben. Dazu seien baldige Grenzöffnungen unabdingbar. „Es müssen aber alle ihre Hausaufgaben machen“, appelliert Kurz bei der Einreise ins Walsertal.

Diskussion über Beflaggung in sozialen Medien

Am Montag, 11. Mai, hatte die Gemeinde Mittelberg auf ihrer Facebook-Seite über den Besuch des Kanzlers informiert. Sie gaben bekannt, dass eine öffentliche Veranstaltung mit einem persönlichen Kontakt zum Kanzler aufgrund der Corona Maßnahmen leider nicht möglich sei. Um trotzdem einen Dank für die Bemühungen des Kanzlers im Hinblick auf die Grenzöffnung auszudrücken, schlug die Gemeinde folgendes vor: "Die Verantwortlichen freuen sich über eine Beflaggung der Häuserfassaden und auch Bekundungen entlang der Walserstraße."

Dieser Satz sorgte jedoch bei einigen Personen in der Bevölkerung für Unmut. Schnell begann eine aufgeregte Diskussion im Kommentarfeld. So schrieben viele, dass eine Huldigung einer einzelnen Person nicht zeitgemäß sei. Andere fanden die Aufregung völlig unangebracht und betonten, dass mit dem Aufhängen der österreichischen Fahne lediglich Respekt zum Ausdruck gebracht werden soll - so steht in einem Kommentar: "Es verärgert mich zu lesen dass eine Beflaggung der Häuser mit unserer Nationalflagge als rechtsorientiert oder peinlich kommentiert wird. Diese Flagge symbolisiert Zusammenhalt und gesunder Stolz gegenüber dem Land in dem wir leben."

Die Gemeinde änderte daraufhin den Facebook Post und löschte die Aufforderung zur Beflaggung aus dem Text. Am Mittwoch Vormittag, 13. Mai, nahm die Gemeinde in einer weiteren Mitteilung auf Facebook Stellung zur Diskussion:

Gute Stimmung beim kurzen Besuch

Trotz der kontroversen Diskussion vor dem Besuch von Kurz, war die Stimmung am Mittwoch Abend freudig. Nach einem kurzen Pressestopp an der Walserschanz, fuhr die Delegation weiter zum Walserhaus in Hirschegg. Dort warteten viele Talbewohnerinnen und Bewohner auf die Ankunft des Kanzlers. Er wurde mit Applaus und Jubel empfangen, viele machten Fotos und Videos und vergaßen dabei ausreichend Abstand zu halten. In einem Video der Voralrberger Nachrichten ist der Empfang zu sehen.

Sebastian Kurz hielt spontan eine Ansprache und bat die Anwesenden mehrfach die Abstandsregeln nicht zu vergessen. "Ich bitte euch alle, a bissl an Abstand zu halten", sagte er. Der Kanzler betonte, dass eigentlich nur eine kleine Gesprächsrunde mit acht Personen geplant war und nun doch "sehr viele Leute" gekommen seien. Kurz erklärte, dass die letzten Wochen eine herausfordernde Zeit für ganz Österreich war und das Kleinwalsertal von den Maßnahmen stark betroffen gewesen sei. In Ost-Österreich könnten sich viele gar nicht vorstellen, dass es ein Tal gibt, dass völlig von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sei. Aufgrund dieser geografischen Gegebenheiten, "war es eine ganz besondere Situation im Kleinwalsertal und da möchte ich Danke sagen für das Durchhalten. Ich hoffe, dass die Situation jetzt schrittweise besser wird. Die Ansteckungszahlen in Österreich sind niedrig, aber wir dürfen nicht leichtsinnig werden", so Kurz. Er erklärte weiter, dass die Grenzen zu den Nachbarländern nun schrittweise geöffnet werden können, nicht zuletzt auch um den Tourismus wieder anzukurbeln. Trotzdem braucht es laut Kurz weiterhin Disziplin sowie Vorsicht, um eine zweite Welle zu verhindern.

Im Anschluss fand eine Arbeitssitzung mit Gemeindevertretern und Touristikern statt. Am Donnerstag steht für Kurz ein Treffen mit Vorarlberger Unternehmern an.

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