Knatsch um Ski-WM in Oberstdorf

+
Auch bei der Erdinger Arena müsse man nicht „klotzen“, um fit für die Nordische Ski-WM 2021 zu sein.

Oberstdorf – Der Countdown für die Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf läuft. Es steht eine Investitionssumme von knapp 50 Millionen Euro im Raum. Eine Summe, die von einer Seite als nur pro forma bezeichnet wird, damit die Dinge und Investitionen in die Sport-Infrastruktur erst mal anlaufen können.

Ein anderes Lager spricht dagegen von einen „völlig überdimensionierten Bauprogramm“, von Dingen, die der Ort gar nicht brauche. Die beiden Marktgemeinderäte Martin Rees (Alternative Liste / FDP) und Josef Dornach (Unabhängige Oberstdorfer Liste) haben jetzt in einem offenen Brief an Bürgermeister Laurent O. Mies und den Marktgemeinderat ihre Sicht dargestellt. Sie kritisieren vor allem ein in ihren Augen überzogenes Bauprogramm, während man es versäume, in Zukunftsprojekte in Oberstdorf zu investieren.

Josef Dornach und Martin Rees schicken ihrer Stellungnahme in der Tat voraus: Sie seien sich bewusst, dass man ihnen den Vorstoß als Versuch auslegen könne, „etwas klein zu machen, etwas zu verunglimpfen oder gar Schaden am Heimatort zu begehen“. Das werde beim Thema Nordische Ski-WM nicht anders sein. „Wir scheuen uns aber trotzdem nicht, unsere Meinung offen darzulegen.“

Eine Zustimmung für ein „groß angelegtes Langlaufstadion“ im Ried werde es von ihnen, also Rees und Dornach, nicht geben. Bürgermeister Mies habe in der Bürgerversammlung selbst gesagt, dass „ein Stadion im Ried vorerst gestrichen“ sei. Die beiden Gemeinderäte wollen wissen, was denn der Ausdruck „vorerst“ wirklich bedeute. Genauso verwehren sich die Beiden gegen „Kosmetik“ beim Begriff Baumaßnahme: wie man das letztlich nenne, sei egal. Sie lehnen große Sanitäreinrichtungen, Wachsräume genauso ab wie dauerhaft installierte Kommentatoren-Tribünen. Diese Einrichtungen seien nicht das Mittel der Wahl, um das Ried in seinem natürlichen Zustand für Gäste vorzeigbar zu machen und für die Nachkommen zu erhalten.

In dem offenen Brief stellen Rees und Dornach auch die Summe von 49,5 Millionen Euro für „eventuelle Investitionswünsche“ in Frage. Bürgermeister Mies könne die Nennung der Summe als „unglücklich“ bezeichnen, weil „niemand 50 Millionen verbauen will, auch keine 40...“ Wenn aber die vorgestellten Pläne das Maß des Nötigen seien, was dem Gemeinderat „fast gebetsmühlenartig“ suggeriert werde, müsse man sich wohl auf diese Summe einstellen. „Ganz abgesehen davon spielt es auch keine Rolle, ob etwas einen Euro oder 50 Millionen kostet, wenn es die falsche Baumaßnahme ist, dann ist jeder einzelne Euro hinausgeworfenes Geld.“ Vor dem Hintergrund eines „noch kommenden massiven Zusammenstreichens“ sei es gänzlich unverständlich, warum der Bürgermeister den Gemeinderat gedrängt habe, Planungen in Auftrag zu geben für Vorhaben, die man später womöglich gar nicht bauen wolle oder in der Lage sei, diese zu finanzieren.

Für einen Winterbetrieb seien die gewünschten Gebäudekomplexe „gänzlich überzogen“, argumentieren die beiden Gemeinderäte weiter. Und bei der Kommune habe bislang niemand eine nachhaltige und realisierbare touristische Verwendungsidee für die Gebäude im Sommerhalbjahr. Die Behauptung des Bürgermeister, dass man bei der WM 2005 „im Langlauf zu wenig gebaut“ habe, sei genauso falsch wie der von Mies festgestellte Investitionsstau im Ried.

„Wir brauchen keine großen Gebäude im Ried. Wir brauchen eine Neuordnung des Vorhandenen“, so die beiden Unterzeichner des offenen Briefes in ihrem Fazit. Dies bedeute eine Ertüchtigung der Sportstätten mit Augenmaß. Nötig sei eine leistungsfähige, energieeffiziente Beschneiung des Loipengeländes und eine Anbindung des Langlaufareals durch einen Bus zu den Zeiten, wo eine unmittelbare Loipenverbindung zum Ort nicht geschaffen werden könne. „Und was die Nordische Ski-WM 2021 angeht, so hat diese überwiegend mit temporären Einrichtungen zurechtzukommen – und damit ist es gut!“

Rees und Dornach appellieren in ihrer Stellungnahme: „Was der Ort aber benötigt hätte, findet in Ihrer Argumentationskette, Herr Bürgermeister, gar nicht statt. Tatsächlich nachhaltig wäre es gewesen, im Windschatten der Nordischen Ski-WM 2021 die Politik in München und Berlin zu veranlassen, in Zukunftsprojekte in Oberstdorf zu investieren.“ Rees und Dornach denken dabei etwa an die Lösung der Verkehrsproblematik und einen zukunftsfähigen ÖPNV, oder den Ausbau der regionalen Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und eine Verbesserung der Sicherheits-Infrastruktur, sprich Feuerwehr und Rettungsdienste im Gemeindegebiet, sowie die medizinische Grundversorgung am Klinikstandort Oberstdorf.

Während Bürgermeister Mies und andere Funktionsträger und Verantwortliche bei der Nordischen WM im Februar 2021 vielleicht nicht mehr im Amt seien, so deuten die beiden Gemeinderäte zum Schluss ihres offenen Briefes an, hätten die Oberstdorfer „dann die Lasten zu tragen, die heute in großspuriger Gönnerhaftigkeit“ ausgegossen würden. „Dies aber nicht mit unserer Stimme!“, schließt der offene Brief.

gts

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Video
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Zapfenstreich fürs Oberstdorfer Bockbierfest
Zapfenstreich fürs Oberstdorfer Bockbierfest
Neutrale Bildungsberatung an der Oberallgäuer Volkshochschule
Neutrale Bildungsberatung an der Oberallgäuer Volkshochschule

Kommentare