Offensiv in die Energiewende

Bei der Biomasse-Nutzung sit das Oberallgäu schon "gut dabei".

Im Oberallgäu soll nicht nur über die sogenannte Energiewende geredet werden. Vielmehr will die CSU-Kreistagsfraktion den Landkreis als Vorreiter und Motor sehen, was die energiepolitische Entwicklung angeht. Energieeinsparung, Energieeffizienz und breite Bewußtseinsbildung für Energiefragen sollen vor Ort greifbare Erfolge zeitigen. Die Nutzung von Wind- und Wasserkraft müssten dazu deutlich ausgebaut werden. In einem Antrag will die CSU-Fraktion Mitte Juli ihren Vorstoß in offizielle Landkreispolitik gießen und Ernst machen mit dem Klimaschutz und der Energiewende.

Die Zeiten von theoretischen Debatten und Absichtserklärungen werde vorbei sein, wenn es nach der Arbeitsgruppe „Energie“ der Oberallgäuer CSU-Kreistagsfraktion geht. Jetzt gelte es, entschlossen und zügig alles zu tun, damit die Energiewende für die Region auf den Weg gebracht werde. Schon Ende vergangenen Jahres hat die Arbeitsgruppe energiepolitische Leitlinie entworfen. „Lange vor der Reaktorkatastrophe in Japan“, betont CSU-Kreisvorsitzender Joachim Bernhard. Dem Marschplan zufolge soll der Landkreis in den kommenden 20 Jahren weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Drei Eckpfeiler sieht die Arbeitsgruppe: Energieeinsparung, Verbesserung der Energieeffizienz und Stärkung des Energiebewusstseins. Der „Energiemix“ aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse kann das Allgäu zu einem Vorreiter machen, so die Idee, die die CSU in der kommenden Kreistagssitzung in einem Antrag formuliert vorstellen wird. Fraktionsübergreifend soll dann ein Konzept entwickelt werden, das den Landkreis auf den neuen energiepolitischen Kurs bringt. „Eine sportliche Herausforderung“, sagt CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Klotz. „Wir bekennen uns zu der Verantwortung als Gemeinden und als Landkreis.“ Die Enegiewende müsse vor Ort gelingen, nicht in München oder Berlin, betont Klotz weiter. „Was kann jeder Einzelne tun?“, sei die Frage. Das Allgäu müsse mit der Energiewende offensiv umgehen und seinen Beitrag zum klimafreundlichen Umbau der Energiegewinnung leisten, ergänzt Arno Zengerle, Mitglied der Arbeitsgruppe Energie. Es gehe nicht an, nur Forderungen an Dritte zu stellen und zu verlangen, dass andere den Gürtel enger schnallen sollten, kritisiert Zengerle, Bürgermeister von Wildpoldsried. Konkretes Potenzial sieht die CSU in ihrem Antrag im Ausbau der Nutzung regenerativer Energie. Verstärkt werden soll demnach die Nutzung von Solaranlagen genauso wie der Bau von Wasserkraft- und Windkraftanlagen. „Die Windkraft im Oberallgäu muss weiter ausgebaut werden“, unterstreicht die CSU in dem Antrag. Für den Landkreis sieht Klotz das Ziel von weiteren 100 bis 150 neuen Windkraftanlagen mit bedeutsamer Leistung - also mit einer Nabenhöhe von gut 130 Metern. Auch Klein-Windanlagen könnten vermehrt zur lokalen Energiegewinnung beitragen. Die Fraktion sei sich bewusst, dass gerade die intensivere Nutzung von Wind- und Wasserkraft „Konfliktpotenzial“ mit sich bringe. Nicht nachvollziehen könne man aber die Bedenken der Gegner, die sich inzwischen in einer Initiative formiert haben (der KREISBOTE berichtete). Das Allgäu könne sich nicht mit „seiner schönen Landschaft“ herausreden, sagt Zengerle Klotz: „Wir wollen ebenfalls keine Verspargelung der Landschaft durch zahllose Windräder.“ Die Anlagen sollten nicht verstreut über die Region entstehen, sondern gebündelt an besonders geeigneten Standorten. Dem Landschaftsbild und ihrem Erholungswert werde durch eine sorgsame Abwägung Rechnung getragen. Belange des Natur- und Umweltschutzes würden selbstredend ebenso berücksichtigt, wie das Schutzbedürfnis der Anwohner. „Da gibt es klare Abstandsgrenzen“, ergänzt Anton Klotz. Offensiv angehen werde man zudem die Frage der besseren Wasserkraftnutzung. Bestehende Anlagen sollen möglichst aufgerüstet, effizienter werden. Auch Beschneiungsteiche könnten als Pumpspeicher dienen. Schon auf gutem Weg sieht die Fraktion den Landkreis was die Biomassenutzung angeht, etwa bei Fernwärmenetzen in Kempten oder Sonthofen, die aus Hackschnitzelkraftwerken gespeist werden. Optimiert werden könne aber auch hier. Vorantreiben soll der Landkreis schließlich die Energiesparmaßnahmen bei seinen Gebäuden, beim Fuhrpark und beim Stromverbrauch. Das gelte auch für Zweckverbände oder Einrichtungen, an denen der Kreis beteiligt sei. Nicht zuletzt sollen die Oberallgäuer über die Oberallgäuer Volkshochschule OVH oder das energie- und umweltzentrum allgäu eza! mehr Energiebewusstsein „tanken“ in speziellen Kursen und Schulungen. Energieteams der Kommunen tragen ebenfalls Ideen und Lösungsansätze bei. Der Kreistag Oberallgäu soll die vorgeschlagenen Maßnahmen „im Jahr 2011 konkret angehen“, heißt es im dem Antrag der CSU-Fraktion. Das bedeute aber nicht, dass ausschließlich der Landkreis sich um die Angelegenheiten kümmere, stellen die Mitglieder der Arbeitsgruppe fest. Der Kreis könne mit guten Beispielen vorangehen, soll aber vor allem anregen, koordinieren und unterstützen, so Arno Zengerle. Wichtige Partner auf dem Weg zur „zukunftsfähigen Energieversorgung“ sind den Leitlinien zufolge die Gemeinden und Bürger. Hier soll die dezentrale Erzeugung und Versorgung auch Früchte tragen in der regionalen Wertschöpfung. Windparks als Spielwiese für Großinvestoren werde es im Allgäu nicht geben, betonen die Kommunalpolitiker.

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