Oberstaufen setzt auf Sicherheit

Offensive statt Abwarten: Corona-Testzentrum in Oberstaufen

Oberstaufen bei Sonnenuntergang
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Oberstaufen will seinen Bürgern und den Beherbergungsbetrieben in der Marktgemeinde einen „Sicherheitsvorsprung“ verschaffen mit dem Corona-Testcenter.

Oberstaufen – Die Marktgemeinde Oberstaufen wird ein eigenes Corona-Test-Zentrum einrichten. Man könne etwas tun, um die trotz des Lockdowns hohen Inzidenzwerte zumindest lokal deutlich zu reduzieren – und das seien erwiesenermaßen verlässliche Schnelltests, um Positiv-Getetete schnell „aus dem Rennen zu nehmen“ und die Infektionskette frühzeitig zu unterbrechen. Im Kurhaus wird ein „Testcenter“ eingerichtet, der kommunale Eigenbetrieb übernimmt die organisatorische Aufgaben, ein renommierter medizinischer Dienstleister die eigentlichen „Corona-Tests“. Schon Mitte Dezember soll der Betrieb aufgenommen werden.

„Wir können entweder verharren und eine weitere Konferenz und weitere Beschlüsse abwarten, oder schnell etwas Sinnvolles tun“, verteidigt Oberstaufens Tourismus-Chefin Constanze Höfinghoff den Vorstoß der Marktgemeinde. Entscheidend sei es, die Infektionsketten möglichst frühzeitig zu erkennen und etwas zu tun, um die Inzidenzwerte schnell zu senken. „Das geht nur über rasches Erkennen von Corona-infizierten Personen und deren Isolation bevor sie weitere Menschen anstecken.“ Das müsse auch gelingen wenn „irgendwelche Stellen“ nicht in die Gänge kämen, unterstreicht Höfinghoff. „Sofortiges Handeln ist aus unserer Sicht die beste Lösung in dieser Situation.“ Kurz: Oberstaufen übernehme Verantwortung.

Die Tourismus-Direktorin macht die Problematik an einem Fall deutlich: Verdachtsfall auf Covid-19 in einem Kindergarten. Und keiner kann einen Schnelltest machen. Ungewissheit für alle Beteiligten. „Das treibt uns um.“

Corona-Tests im Abo

Diese Ungewissheit soll es in Oberstaufen nicht länger geben. Der Tourismusausschuss des Marktgemeinderates hat nach vielen Vorgesprächen mit den „Partnern“ – Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Einzelhandel – die „Hausaufgaben“ gemacht und eine entsprechende Vereinbarung erarbeitet, sowie das „Oberstaufen Testcenter“ OTC unter dem Dach der Tourismus Eigenbetrieb Oberstaufen (TEO) auf den Weg gebracht.

Schnelligkeit ist deshalb angesagt, weil man nach dem laufenden Lockdown möglichst aktuelle Test vorliegen haben will, um erfolgreich starten zu können. Die Kommune stelle lediglich die Infrastruktur für eine sichere Durchführung der Tests zur Verfügung und übernehme die organisatorische Arbeit wie die Beauftragung medizinischer Dienstleister oder Terminvergaben und Abrechnungsmodalitäten, stellt Constanze Höfinghoff fest. Großer finanzieller Aufwand entstehe der Marktgemeinde folglich nicht.

Es werden wöchentliche Antigen-Schnelltests auf 10er-Karten für die Mitarbeiter der Betriebe angeboten; bei positivem Ergebnis wird sofort im Anschluss ein PCR-Test durchgeführt. Kosten pro Test und Person: 10 Euro plus ggf. 7 Euro für den PCR-Test zuzüglich Mehrwertsteuer. Im Akutfall kann ein weiteres „Paket“ kurzfristig zugebucht werden. Die Betriebe können darüber hinaus ihren Gästen einen Corona-Test auf eigene Rechnung durchführen zu lassen.

Betriebsschließungen seien unterm Strich immer um ein Vielfaches teurer, heißt es in der Information für die Partnerbetriebe im Ort. Oberstaufner Bürgerinnen und Bürger können auf eigene Kosten ebenfalls Testungen im OTC durchführen lassen.

Es handle sich nicht um eine „amtliche Testung“, sagt Christian Schiebel, Hauptamtsleiter der Gemeindeverwaltungin Oberstaufen. Daher könne man relativ unbürokratisch loslegen. „Ziel ist es, Infektionsketten zu entdecken und zu unterbrechen.“ Das tückische an der Infektion sei ja, dass es viele Infizierte geben, die keinerlei Symptome zeigten und so das Virus ohne es zu wissen „weiterreichten“.

Nicht zuletzt will Oberstaufen seiner Hotellerie und der Gastronomie im Kurort helfen, die Zeit nach dem Lockdown besser zu meistern. Wöchentliche Tests möglichst vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen allen Erkenntnissen zufolge mehr Sicherheit und bestmöglichen Schutz für alle Beteiligten.

Wenn diese offensive Strategie zudem als gewisses Signal aufgefasst werde, seinen Urlaub oder die Ferien in einem Beherbergungsbetrieb in einem sicheren Kurort zu verbringen, sei das umso besser, aber nicht unmittelbar beabsichtigt, so Schiebel weiter.

Mit Kooperationsvertrag

In der Kooperationsvereinbarung wird die Strategie so beschrieben: „Das Ziel der Kooperationspartner ist es, Mitarbeitern, Einheimischen sowie Gästen / Kunden durch wöchentliche Tests größtmögliche Sicherheit und bestmöglichen Schutz vor einer Corona-Infektion beziehungsweise den Folgen einer Corona-Infektion zu bieten.“ Desweiteren sollen im Akutfall schnell und zuverlässig Infektionsketten unterbrochen und alle Menschen mit Symptomen oder als ‚Kontaktpersonen 2‘ Eingestufte getestet werden. Für den Fall, dass Oberstaufen und / oder das Oberallgäu zum Risikogebiet erklärt werde, will man zuverlässige Tests vor der Abreise der Gäste anbieten als Bestandteil der Servicekette organisiert und koordiniert für die Vertragspartner des „Oberstaufen Testcenter“.

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