"Oft allein auf weiter Flur"

Nach 30 Jahren als Abgeordneter im Bayerischen Landtag zog sich der CSU-Abgeordnete Alfons Zeller jetzt aus der Landespolitik zurück. Die „Laudatio“ in der Feierstunde, zu der zahreiche politische Weggefährten und Freunde gekommen waren, hielt der frühere Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber. In seiner Würdigung der langjährigen politischen Arbeit Zellers brachte Stoiber zum Ausdruck, dass es dem Allgäuer CSU-Parlamentarier stets um die Sache gegangen sei; persönliche Profilierung sei Zeller fremd gewesen.

„Aber s’Koche fang i it a“, stellte Alfons Zeller zum Schluss seines Rück- und Ausblicks fest. Auch wenn er jetzt mehr Zeit für seine Frau Heike und seine Töchter habe, tauge er wohl kaum zum Hausmann. „Vergelt’s Gott, Heike“, sagte Zeller zu seiner Gattin, als er das Kapitel „30 Jahre MdL“ mit der Abschiedsfeier schloss. Alfons Zeller könne „mit großen Stolz“ auf sein Leben schauen, brachte Dr. Edmund Stoiber sein Lob für den Allgäuer Landtagsabgeordneten auf den Punkt. Ihm, Zeller, sei viel gelungen - „nicht alles, aber das Meiste“, sagte der ehemalige Ministerpräsident. „Die Leidenschaft für die Politik hat Dein Leben entscheidend geprägt.“ Dabei, so Stoiber weiter, sei Zeller stets sich selber treu geblieben: „Aufrecht, engagiert in der Sache - nie link und hinterrücks.“ Stoiber unterstrich diese politischen Charakterzüge Zellers mit einigen Erinnerungen aus dem langjährigen Miteinander als Abgeordnete seit 1978 und später als Kabinettskollegen. Immer sei Zeller als Fürsprecher für den Mittelstand, den Tourismus und die bäuerliche Landwirtschaft angetreten. Zu einer Zeit etwa, wo in Bayern die Beschneiung von Skipisten geächtet und per Landtagsbeschluss untersagt war, habe Zeller mit Blick auf die Nachbarländer beharrlich eine Kehrtwende gefordert. Schließlich wurde der Beschluss aufgehoben; Zeller hatte Recht bekommen. Einer der wenigen Landespolitiker, die sich von Anfang an und immer wieder für die zivile Nutzung des ehemaligen Militärflugplatzes Memmingerberg aussprachen, war Alfons Zeller. „Das war nicht leicht“, erinnert sich Zeller an viele Diskussionen, wo er fast allein auf weiter Flur für diesen Standort eines „Allgäu Airport“ gekämpft habe. Ähnlich schwierig sei der Kampf um einen Neubau der B 19 gewesen. Selbst im Süden des Landkreises habe man ihn deshalb kritisiert. Heute dagegen frage man ihn, warum die Trasse nicht weiter nach Süden geführt werde. In seinem Rückblick erinnerte der 63-jährige Zeller an sein politisches Vorbild“, Josef Feneberg. Der habe ihm einmal gesagt: Denke nicht nur nach, was Du erreichen willst, sondern auch daran, was Du verhindern kannst. „Man muss auch einmal sagen können: Das geht nicht, das kann nicht sein“, bringt Zeller seine Überzeugung auf den Punkt. Der Weitblick, das Rückgrat, sei ihm in seiner politischenLaufbahn nicht immer gedankt worden, kam Zeller auf seinen Abschied aus der Staatsregierung nach der Landtagswahl 1998 zu sprechen. Die Wahlkampf-Idee vom ‘Haushalt ohne Neuverschuldung’ mit der Vorgabe eines rigorosen Sparkurses, sei maßgablich von ihm, Zeller, entwickelt worden. „Und ein paar Wochen nach der Wahl hast Du gleich mich eingespart“, so Zeller zu Stoiber, der damals Ministerpräsident war. „Aber in der Politik muss man so etwas aushalten“, zeigte sich der Burgberger „Staatssekretär a. D.“ nicht nachtragend. Mit Blick auf die jüngste Talfahrt der CSU bei den Kommunal- und Landtagswahlen merkte Zeller weiter an, dass er bei sechs Landtagswahlen als Direktkandidat auf ein durchschnittliches Ergebnis von fast 63 Prozent der Stimmen gekommen sei. Er schob nach: „Zukunft braucht Erfahrung.“ In seiner persönlichen Zukunft werde er jetzt - hoffentlich - mehr Zeit haben für sich, die Familie und seine Frau, hoffen zumindest die Zeller-Töchter Heike und Eva. Der Abschied vom Landtag sei ihrem Vater schwer gefallen, aber „man gewöhnt sich dran“ trösteten sie jugen Frauen Papa Alfons. Auch wenn das Familienleben oft per Telefon stattfinden musste, eines hätten sie von ihrem Vater auch gelernt: Quatschen in allen Lebenslagen...

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