Altes Bauernhaus in Ofterschwang wird aufgemöbelt

"Busche Berta" in neuem Glanz

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Viel Leidenschaft und Herzblut steckt Bürgermeister Alois Ried in die „Belebung“ des alten Bauernhauses.

Ofterschwang – Es hat schon gut 200 Jahre „auf dem Buckel“, das alte Bauernhaus in Ofterschwang. Bald schon soll frischer Wind wehen bei „Busche Berta“, so der Name der Hofstelle. Behutsam wird das Gebäude saniert und dabei in den Originalzustand von „ganz früher“ zurückentwickelt.

Das Projekt hat es Bürgermeister Alois Ried angetan. Seit die Gemeinde das Anwesen im Ort gekauft hat, schwärmt er davon, was man daraus machen könnte. Ein Kleinod sei „Busche Berta“ und zu schade für eine klassische Nutzung wie sie landauf, landab praktiziert werde. Darum soll es hier kein Heimatmuseum geben oder einen leblosen Hof, den Urlaubsgäste anschauen. Die Überlegungen des Bürgermeisters gingen immer in eine andere Richtung. Nach der „Rückentwicklung“ werden eine Töpferwerkstatt Platz finden und eine funktionierende Schnapsbrennerei. Nur zum Anschauen wird die alte Käsküche im Keller sein.

Das eine oder andere Fest hat „Busche Berta“, das alte Bauernhaus in Ofterschwang, in den vergangenen Monaten schon „erlebt“. Die gemütliche gute Stube mit Kachelofen wird ab und zu für kleine Feierlichkeiten genutzt. Bald schon werden die Umbauarbeiten anfangen, die das denkmalgeschützte Gebäude zurückführen sollen in seine „gute alte Zeit“. Zugleich soll das Projekt die Gemeinde und Busche Berta auch nach vorne bringen.

„Etwas Besonderes“ sollte es immer schon werden. Davon ließ sich Ofterschwangs Bürgermeister Alois Ried nicht abbringen. Seit die Gemeinde vor wenigen Jahren das alte Anwesen kaufen konnte, überlegte er, wie eine Nutzung möglich sein könnte, die über das typische Heimatmuseum oder einen alten Bauernhof zum Durchspazieren hinausgehen sollte. „Das gibt‘s alles schon.“ Und allzu viel kosten durfte es die Gemeinde auch nicht.

Grünes Licht in dieser Beziehung gab es, als aus dem Fördertopf des Kommunales Investitionsprogramms Ofterschwang fast 350.000 Euro zugesagt wurden für „Maßnahmen zur Revitalisierung von innerörtlichen Leerständen“. „Damit hatte ich nie gerechnet!“ freut sich der rührige Bürgermeister. Jetzt konnte er „seine Ideen“ konkret verfolgen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt, einem Architekturbüro und Behörden klopfte Ried das alte Bauernhaus ab und gab seinen Ideen nach und nach Gestalt. Offenbar war im Keller einmal eine Sennküche betrieben worden, wie unter anderem eine Feuerstelle belegt. Die Sennküche wieder zu reaktivieren hätte einen enormen Eingriff in die Bausubstanz bedeutet. Eine historisch einwandfreie Aufmöbelung sollte genügen. „Ein paar Laib echten Käse kann man sicher einlagern im renovierten Käsekeller“, meint Alois Ried.

Nicht nur zum Anschauen sein sollte aber die andere neue Nutzung, die der Bürgermeister im Kopf hatte: Eine Schnapsbrennerei. Die wird es im umgebauten ehemaligen Kuhstall geben. „Im Echtbetrieb“, wie Ried betont. Dazu wird von Zeit zu Zeit ein Profi bei Busche Berta Einzug halten in der neuen Schnapsbrennerei, die immerhin 120.000 Euro kostet. Aus heimischem Obst werden hier dann edle Obstbrände hergestellt - und verkauft. „Natürlich auch in unserem neuen Dorfladen.“ Weiteres Leben bringt schließlich ein echter Handwerksbetrieb in das alte Haus, wenn eine Töpferwerkstatt einziehen wird. „Da wird richtig gearbeitet...“, stellt Ried klar.

Hand und Fuß soll die Sanierung haben. In Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro, Denkmalschutzbehörde und Handwerkern wurde ein Konzept entwickelt, das die Vorstellungen Rieds auf einen Nenner bringt. So wurde etwa auch das Problem der Heizung raffiniert gelöst. „Eine Standardlösung mit Heizkörpern in jedem Zimmer wollte ich wirklich nicht“, sagt Ried. Jetzt wird eine Umluftheizung installiert, die quasi über unsichtbare Durchlässe die Räume wohnlich beheizt. Völlig neu wird auch der Sanitärbereich. „Da ist jetzt außer einem Plumpsklo absolut nichts.“

Diverse Feinheiten sollen bei den anstehenden Arbeiten ebenfalls „korrigiert“ werden. Etwa die Fenster im Erdgeschoß oder die Decktäfelung einiger Räume, damit der Originalzustand des typischen Oberallgäuer Bauernhauses wieder sichtbar wird. Elektroinstallationen verschwinden in den Wänden.

Auch das marode Dach wird Zug um Zug ertüchtigt, aber „mit den Originalziegeln“, erklärt Ried. Die gesamte Dachkonstruktion müsse statisch überarbeitet werden, damit nicht plötzlich „was einkracht“.

Eine Menge Arbeit wartet bei „Busche Berta“. Der Bürgermeister ist optimistisch das schon im kommenden Herbst das 200 Jahre alte Anwesen in neuem Glanz und alter Pracht dasteht. Insgesamt kommt die Kostenschätzung des Architekturbüros auf eine Summe von 820.000 Euro. Durch Zuschüsse und Förderungen konnte der Betrag, den letztlich die Gemeinde Ofterschwang zu tragen habe, massiv verringert werden. „Uns bleiben rund 240.000 Euro“, freut sich Alois Ried. Der Bürgermeister macht keinen Hehl daraus, dass „Busche Berta“ sein wichtigstes Projekt in der schon fast 15-jährigen Amtszeit sei. „Die vielen Straßenbaumaßnahmen der vergangenen Jahre waren sicher wichtig, aber dieses Projekt liegt mir ganz besonders am Herzen.“

Die letzte Gemeinderatssitzung in diesem Jahr will der Bürgermeister in der guten Stube von „Busche Berta“ ausklingen lassen. „Das haben wir im vergangenen Jahr schon gemacht“, sagt Ried, der vor dem stattlichen Anwesen abends kurzerhand den Grill angeworfen hatte. Und öfter schon hat der gelernte Koch auf dem Herd in der alten Bauernküche Kässpatzen gekocht.

Neues Leben für "Busche Berta"


Josef Gutsmiedl

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