Ofterschwang ist Deutschlands einzige Gemeinde mit eigenem Brennrecht

Bei "Busche Berta" gibt‘s bald Hochprozentiges

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Bürgermeister Alois Ried macht „seine“ Brennerei startklar und schöpft Birnenmaische in die Brennblase.

 Bei „Busche Berta“ rührt sich was: Nach der Töpferwerkstatt ist jetzt eine Schnapsbrennerei in das alte Bauernhaus in Ofterschwang eingezogen. Unter staatlicher Aufsicht setzte Bürgermeister Alois Ried die Brennanlage in Gang. 

Er hätte sich das niemals träumen lassen, was an einer Brennenrei „alles dranhängt“, meint Ofterschwangs Bürgermeister und freut sich über seinen jüngsten „Wurf“, nachdem er den ersten Brennvorgang in der Anlage gestartet hat. Zuvor hatte er den kupfernen Kesse mit Birnenmaische befüllt. Herauskommen soll beim Probelauf ein erlesener Birnenbrand. 

Die fachmännische Renovierung von „Busche Berta“ in Ofterschwang ist auf der Zielgeraden. Es werde ein Schmuckstück für den Ort, ist sich Bürgermeister Alois Ried sicher. Eine Töpferwerkstatt hat bereits ihren Betrieb aufgenommen, und vergangene Woche gab die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein als zuständige Genehmigungsbehörde grünes Licht für ein „Schmuckstück im Schmuckstück“: die neue Schnapsbrennerei.

Die Idee, im alten Bauerhaus „Busche Berta“ eine kommunale Brennerei einzurichten, war eines der Lieblingsprojekte Rieds. Allerdings musste der Bürgermeister viel lernen über das Brennrecht, über Obstsorten – und über die steuerliche Seite seines Projektes. Denn: einfach drauflos brennen geht nicht. Alles läuft unter staatlicher Regie. Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein rechnet sehr genau ab: Jeder Tropfen Alkohol , der erzeugt wird, muss versteuert werden.

Die blitzblank polierte Anlage aus Kupferblech hat jetzt im umgebauten ehemaligen Kuhstall ihren Betrieb aufgenommen. „Im Echtbetrieb“, wie Ried betont. Dazu wird von Zeit zu Zeit ein Profi bei Busche Berta Einzug halten in der neuen Schnapsbrennerei. Aus heimischem Obst werden hier von Fachmann Michael Schrott aus Schwangau edle Obstbrände hergestellt – und verkauft. „Natürlich auch in unserem Dorfladen“, betont Ried. Rund 120 000 Euro kostete die Ofterschwanger Brennanlage, die auf lange Sicht auch etwas „abwerfen“ soll.

Unter den Augen der Mitarbeiter der Bundesmonopolverwaltung schöpfte Ried die erste Birnenmaische in den Kessel. „Aus rund 15 Kilogramm Birnen kann man mit der Anlage etwa einen Liter Williamsbirnen-Schnaps brennen“, erklärt Michael Schroll. Mit einem Fassungsvermögen von 150 Liter sei diese Brennerei „eher klein“. Dennoch: ein gewisse Mindestgröße brauche es brenntechnisch schon, um guten Schnaps in die Flasche zu bekommen. Die größte in Deutschland betriebene Anlage fasse immerhin 6000 Liter, ergänzt Stefan Hafen von der Firma Arnold Hostein im württembergischen Markdorf, die die imposante Apparatur baute. In Schottland gebe es sogar eine Anlage mit 10 000 Litern Fassungsvermögen. Das sei dann schon wirklich etwas für professionellen Betrieb.

Um die Menge geht es Alois Ried ohnehin nicht. Aus guter Rohstoffqualität will Schroll in Ofterschwang ein „qualitativ hochwertige Erzeugnis“ herstellen. Das Obst dazu soll möglichst aus Ofterschwang und dem Oberallgäu kommen.

Um die Menge geht es allerdings der Bundesmonopolverwaltung: jeder Tropfen Alkohol, der in Deutschland hergestellt wird, muss versteuert werden. Da es sich hier um eine sogenannte Verschlussbrennerei handelt, ist eine aufwändige Messanlage angeschlossen – das Instrumentarium ist verplombt und vor unbefugtem Zugriff gesichert. Registriert wird praktisch jeder Tropfen Alkohol, der hergestellt wird – und versteuert werden muss zum Regelsatz von 13,03 Euro pro Liter.

Bevor Ried „seine“ Anlage auf Jungfernfahrt schicken konnte, entfernte ein Mitarbeiter der Bundesmonopolverwaltung die „Wegfahrsperre“. Erst nachdem der Metallbolzen der Steuerbehörde entfernt war, konnte der Bürgermeister den Deckel der Brennblase fest verschließen und beginnen, Alkohol herzustellen.

Josef Gutsmiedl

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