Online am Aschermittwoch: Neues Format mit »vogelwilder Schalte«

»Es braucht starke Grüne«

Landtagsabgeordneter Thomas Gehring
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Eine Holzskulptur am Grünten machte das Allgäu bekannt. „Viel billiger als eine Bergbahn oder Beschneiung“, meinte der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring.

Oberallgäu – Politischer Aschermittwoch in der „besonderen Situation“ des Lockdowns. Auch die Allgäuer Grünen trugen den aktuellen Pandemie-Beschränkungen Rechnung und gestalteten den „Grünen Aschermittwoch“ als Video-Präsentation mit der Bundestagsabgeordneten Claudia Roth aus Berlin und dem Oberallgäuer Landtagsabgeordneten Thomas Gehring aus Gunzesried. Mit dem „neuen Format“ lief die Traditionsveranstaltung zwar ohne Publikumspräsenz aber dennoch kurzweilig ab. Rund 300 „Zaungäste“ verfolgten den Start der Allgäuer Grünen ins Jahr der Bundestagswahl.

Bewaffnet mit einer Halben Bier und begleitet vom Musikanten-Duo Schriefl Bär eröffnete der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring sein „Heimspiel“ im Gasthof „Kreuz“ in seinem Heimatdorf Gunzesried. „Trotz Corona müssen wir schon darüber schwätzen, was alles los ist im Allgäu, in München und Berlin...“ Neues und Bewährtes gebe es allerorten, trotz Corona.

Bewährtes finde er etwa in Kempten: das Loch in der Innenstadt. Allerdings habe die Stadt jetzt nicht nur das bekannte Loch, sondern in Heiligkreuz auch eine Lärmschutzmauer, die quasi als Sichtschutzwand für die Wallfahrtskirche tauge.

Das Kapitel Tourismus durfte in den Betrachtungen des Gunzesrieder Aschermittwochsredner Gehring nicht fehlen, war doch gerade sein Wohn- und Heimatort mehrfach Brennpunkt und Schauplatz chaotischer Parkplatzsuche, als vor lauter Tagesausflüglern „nichts mehr ging“. Die Idee einer saftigen Kurtaxe für Tagesgäste wie sie von der ÖDP ins Spiel gebracht worden war, erinnere ihn, Gehring, an den „Allgäuer Spirit“ nach der Devise: Die Gäste sollten doch daheim bleiben und ihr Geld schicken...

Früher habe man gejammert, dass keiner das Allgäu kenne und links liegen lasse. Jetzt brauche es Besucherlenkung. Am besten per App, die jeden, der ins Allgäu zum Skifahren wolle, nach Unterfranken schicke wo es freie Parkplätze gebe. Apropos Werbung: Eine simple Holzskulptur in Form eines Penis am Grünten brachte das Allgäu in die Medien. „Viel billiger und mit weniger umweltrelevanten Eingriffen als eine Bergbahn und Beschneiung.“

In Gehrings Streifzug durfte die Kommunalwahl vor einem Jahr nicht fehlen – und dass sich im Oberallgäu eine Frau gegen den CSU-Kandidaten Hörmann in der Stichwahl durchsetzte. „Wir haben zwar schon Landräte mit vielen Nebenjobs gehabt“, gab Gehring zu bedenken. „Aber schon vor der Wahl zu sagen, dass man den Landratsjob mache, wenn man gerade mal auf dem Weg von Japan nach Südafrika ist, das war dann doch zu viel des internationalen Jetsets!“

Stoff für die grüne Aschermittwochsrede liefert wieder die Bahn – die Premierenfahrt auf der frisch elektrifizierten Trasse nach Lindau endete schon kurz nach Memmingen. Eine Diesellok musste den Elektrozug wieder aufs richtige Gleis bugsieren... Und beim Bahnhof Immenstadt warte man schon bald zwei Jahre auf das neue Dach, monierte Thomas Gehring. Womöglich werde beim geplanten Umbau des Bahnhofs im Jahre 2025 auch ein neues Dach kommen. „Falls dann überraschenderweise Geld da ist.“ Aber für ein simples Dach, damit es bis dahin nicht auf den Bahnsteig schneit, reiche es nicht...

„Fett“ am Aschermittwoch gab es auch für Landespolitiker in München. Ministerpräsident Markus Söder verstehe es meisterhaft keine Fehler zu machen. Gehring: „Dass die anderen Fehler machen, das ist Söders Regierungsstil.“ Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger habe da kein Problem: Weil er alles so lange und mit so treffenden Beispielen erkläre, dass es am Ende irgendwie logisch erscheine, aber keiner mehr wisse, was das eigentliche Problem war.

In einer „vogelwilden Schalte“, so Gehring, holten die Grünen die Bundestagsabgeordnete Claudia Roth ins Gunzesrieder Wirtshaus. „Das Allgäu wird immer grüner“, meinte die dann anerkennend mit Blick auf die Ergebnisse der Grünen bei der Kommunalwahl 2020; da könne sie sich leicht heimisch fühlen. „Aber Euch nicht in einem vollen Saal im Wirtshaus spüren zu können, das tut mir weh“, erinnerte Roth an die Auswirkungen der Corona-Krise. Und: „Die Pandemie triff die Schwächsten am härtesten.“ Die „globale Herausforderung Covid“ könne nur global bewältigt werden. Wie die Klimakrise, sei die Pandemie eine „Überlebensfrage unseres Jahrhunderts“, so Claudia Roth weiter. Für die Umsetzung der Klimaziel brauche es „sehr starke Grüne“. Die Demokratie sei nicht immun.

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