Genuss mit Allgäuer Fleisch

Neue Online-Plattform will »Mitesser« gewinnen

Kühe sitzen auf grüner Wiese
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Das Bio-Rind auf Nachbars Weide soll ein Genussprodukt werden und die Wertschöpfung in der bäuerlichen Landwirtschaft der Region verbessern.
  • vonJosef Gutsmiedl
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Oberallgäu – Mit einer Online-Plattform will die Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten weiter an Fahrt gewinnen. Vorrangiges Ziel ist derzeit, die Vermarktung von Weiderindfleisch zu fördern und als regionales Genussprodukt zu etablieren. Die Plattform „Allgäuer Milch und Fleisch gehören zusammen!“ unter www.milch-und-fleisch.de soll den Schwung bringen.

Die aktuelle Situation der Kälbervermarktung bringt Rainer Hoffmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten auf den Punkt: „Wir können uns vieles wünschen, wenn es der Markt nicht hergibt, hilft es nichts!“ Der ohnehin schleppende Absatz von Mastkälbern stocke seit längerem; der Preis sei im Keller. Zum Teil würden Kälber zu Spottpreise regelrecht verschleudert. Hoffmann weiß: Es brauche viel Überzeugungsarbeit. „Wenn die Kunden wissen, was es ist, sind sie auch bereit, Geld dafür zu bezahlen.“ Genau daher sei das Produkt so wichtig für die Region.

Eine Erfahrung, die auch Weiderind-Landwirt Sebastian Uhlemair aus Rettenberg bestätigt: „Wenn die Kriterien Regionalität und Qualität stimmen, ist der Preis für Kalb- und Rindfleisch für den Kunden nicht mehr das Wichtigste.“ Uhlemair hält im Nebenerwerb 15 bis 20 Jungrinder, nachdem er vor mehr als zehn Jahren die reine Milchviehhaltung aufgab. „Der Betrieb war damals zu klein zum Überleben, zu groß, um aufzugeben“, berichtet er weiter. Die Idee der Weiderind-Haltung habe sich seitdem gut entwickelt. „Wenn jeder auf dieser Strecke etwas verdienen kann, dann macht das Ganze auch Spaß“, meint Uhlemair.

Und die Projektmanagerinnen der Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten wissen: Alleine schafft es keiner. „Wo Milch gemolken wird, werden auch Kälber geboren“, skizziert Cornelia Bögel die Ausgangslage. Diese Tiere dürften nicht als „Abfallprodukt“ der Milchviehhaltung enden. Aktuell verlassen viele dieser Milchviehkälber – oft zu Schleuderpreisen – das Allgäu und landen in großen Mastbetrieben in Norddeutschland. „Das stellt weder die Bauern noch die Verbraucher zufrieden“, sagt Beate Reisacher.

Mit der neuen Plattform wollen die Projektmanagerinnen das „Allgäuer Genussprodukt Weiderindfleisch“ voranbringen. Beate Reisacher: „Wir wollen eine Umstellung und ein Umdenken einleiten.“ Es gelte, die Kälberaufzucht in der Region zu halten. „Grünland noch besser nutzen und ein nachhaltiges Produkt zu schaffen. Das ist es nämlich!“ Die Plattform „Allgäuer Milch & Fleisch gehören zusammen“, soll die Vernetzung und die Vermarktung weiter voranbringen. Beate Reisacher bringt es auf den Punkt: „Die Initiative kann für die Region etwas Gutes tun – für uns und für unsere Tiere.“

Das Qualitätsprodukt Allgäuer Weiderindfleisch rechtfertige den Mehrerlös. Mit fünf bis sechs Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht liege der Preis um ein Drittel über dem derzeitigen Handelspreis. „Das ist das Dilemma!“, betont Beate Reisacher.

Ulrich Mück, Bio-Berater für Demeter Bayern ergänzt: Biomilch und Biofleisch entwickeln sich unterschiedlich. Der Biofleischmarkt könne mit dem positivem Wachstum des Biomilchmarktes nicht mithalten. Das bedeute, dass die Kunden gerne Bio-Milch kaufen, jedoch beim Kauf von Bio-Rindfleisch zurückhaltend seien. Die Folge ist, dass Bio-Kälber in die konventionelle Mast verkauft werden müssen. Laut einer Berechnung fallen bei der Produktion von einem Liter Bio-Milch circa 25 Gramm Bio-Rindfleisch an. Solange Kunden also gerne zur Biomilch aber nicht zum Biofleisch greifen, und auch nicht bereit seien, höhere Preise für Biofleisch zu bezahlen, lasse sich die Situation nicht ändern. „Da muss die Bewusstseinsbildung ansetzen!“, so Mück. „Was das Allgäu jetzt braucht, ist, dass der Verbraucher erreicht wird.“ Die Plattform könne dabei für wichtigen Schub sorgen.

Weitere Information auch unter www.milch-und-fleisch.de

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