Die Gams wird bleiben

Rund 30 Exkursionsteilnehmer diskutieren Erfahrungen und unterschiedliche Sichtweisen zur Kontroverse über die Gams in der Kürnach.Foto: privat

Entzündet hatte sich der Streit an dem geplanten Abschuss von 28 Gämsen (wir berichteten). Anders als in den Jahren zuvor, bezieht sich der diesjährige Abschuss nicht auf ein Einzelrevier, sondern einen Zusammenschluss von elf Revieren, darunter das Staatsforstrevier Kürnach.

Vor Kurzem hatte die Untere Jagdbehörde am Landratsamt Oberallgäu zu einem Gespräch vor Ort eingeladen, um Missverständnisse auszuräumen.

Vertreter der betroffenen Jagdreviere, sowie Teilnehmer der Jagdbehörden in Sonthofen und Augsburg, des Jagdbeirates, des Kreisjagdverbandes Kempten und Gäste aus dem unmittelbar angrenzenden Baden-Württemberg fanden sich zu einem Erfahrungsaustausch und einer gemeinsamen Besichtigung des Gamsgebietes Kürnach ein.

An fünf Stationen des Staatsjagdrevieres Kürnach hörten die 30 Teilnehmer Beiträge zu Gamsverbreitung früher und heute, Bejagungsmöglichkeiten in dem dichten Waldgebiet, bevorzugten Aufenthalten der Gams in den steilen Tobeln und an den eingestreuten Nagelfluhabbrüchen. Jagdberater Haugg berichtet aus langjähriger Erfahrung als Forstamtsleiter über Schwankungen in der Häufigkeit der Kürnach-Gams: zahlreicher war diese Wildart vor 40 Jahren, damals wurden mehr Gams geschossen, das Verbreitungsgebiet war größer. Nach einer bewussten Reduktion zur Förderung der Naturverjüngung nahm der Gamsbestand um die Jahrtausendwende wieder zu. Ulrita Holz, Jagdleiterin in den Revieren Wengen und Wenger Egg, erwähnt aus 20-jähriger Erfahrung, dass Gams in den letzten fünf Jahren wieder häufiger gesehen werde.

Betriebsleiter Jann Oetting äußert Unverständnis über die Zuspitzung der Kritik auf den Forstbetrieb Sonthofen. Unterstellt werde dem Staatsrevier die Ausrottung der Gams im Gebiet. Es stimme zwar, dass das Forst­revier Kürnach einen besonders attraktiven Gamslebensraum biete. Die Abschüsse in den zurückliegenden zehn Jahren lag jedoch nur zwischen einem und zehn Stück und gefährdeten den Gamsbestand nicht. „Der nun kritisierte geplante Abschuss von 28 Stück bezieht sich nicht auf das Staatsjagdrevier, sondern auf alle elf Reviere im Zusammenschluss. Das wird oft missverstanden.“

Peter Lutz, Kreisjägermeister auf Baden-Württembergischer Seite, stellt klar, dass der Gamsbestand in der Adelegg jenseits der Landesgrenze und in der Kürnach in Bayern eine Population darstellen. Naheliegend für ihn ist eine grenzüberschreitende Untersuchung und Abschussplanung des Bestandes.

In einer Schlussdiskussion ist man einer Meinung, dass die Abschussplanung für den Zusammenschluss der Reviere bestehen bleiben soll – sie biete mehr Flexibilität in der Bejagung. Einverständnis besteht auch über die grundsätzliche Erhaltung der Gams im Kürnach-Gebiet, wobei ein Anstieg des Bestandes nicht gewünscht wird. Jann Oetting nimmt zum Schluss der Veranstaltung durch ein Angebot Schärfe aus dem Streit: Der Forstbetrieb werde in der Kürnach in diesem Jahr Gams nur durch die schwierigere Einzeljagd erlegen und bei den effektiveren Drückjagden keine Gams freigeben. Dieser Vorschlag wurde wohlwollend aufgenommen.

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