Die AWO braucht‘s noch

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Der Vorsitzende der AWO Schwaben, Dieter Egger (links), und die Landtagsabgeordnete Ilona Deckwerth (rechts) gratulierten Marianne Strauchner zur Auszeichnung für eine langjährige ehrenamtliche Arbeit an der Spitze der Sonthofer AWO.

Sonthofen – Sein 70-jähriges Bestehen feierte der Ortsverein Sonthofen der Arbeiterwohlfahrt AWO. Heute wie damals in den Nachkriegsjahren sei die ehrenamtliche Arbeit der AWO unverzichtbarer Pfeiler für eine funktionierenden Gesellschaft, so die Würdigung der Grußwortredner.

Für ihre 25-jährige vorbildlliche und erfolgreiche Arbeit als Erste Vorsitzende des Ortsvereins wurde Marianne Strauchner vom AWO-Bezirksverband ausgezeichnet.

„Unser Gesellschaft hat zwei Gesichter – das des Überflusses und das der Armut“, skizzierte die Ortsvorsitzende die derzeitige Situation. „Die Schere zwischen arm und reich gehe immer weiter auseinander. Es gebe Millionen von Menschen, die von ihrer Arbeit nicht mehr leben könnten. „Das ist für ein reiches Land wie Deutschland nicht hinnehmbar.“ Die AWO werde auch in Zukunft nicht aufhören, den Schwachen und Ausgegrenzten in der Gesellschaft eine vernehmbare Stimme zu geben.

Mehrfach strich die langjährige Erste Vorsitzende der Sonthofer AWO, Marianne Strauchner, heraus: „Die Ehrenamtlichen der Arbeiterwohlfahrt Sonthofen tun sehr viel Gutes. Mit ihren Ideen und Aktivitäten bieten sie vielen Menschen in der Stadt ein großes Stück Lebensqualität.“ Das sei keineswegs allein ihr Verdienst, ergänzte die agile und aktive 79-Jährige in ihem Schlusswort. Vielmehr wirkten eine ganze Reihe von Mitgliedern neben der zehnköpfigen Vorstandschaft am Gelingen der AWO-Arbeit mit. „Aber eine muss das halt organisieren.“

Kein Wunder also, dass der Bezirksvorsitzende des AWO Schwaben, Dieter Egger, humorvoll von der „rüstigen Alten“ sprach und sowohl den tüchtigen Ortsverein Sonthofen insgesamt meinte, aber auch seine „Chefin“, die „rüstige Organisatorin“ Marianne Strauchner. Egger erinnerte an die Gründerin der AWO, Marie Juchacz, die als SPD-Reichstagsabgeordnete im Jahr 1919 die Arbeiterwohlfahrt gegründet hatte, und unter dem NS-Regime wie viele weitere AWO-Aktivisten verfolgt und ins Exil getrieben wurde. Das es „die Alte“, so Dieter Egger weiter, sehr wohl noch brauche, zeige ein Blick auf die Welt. „Wir sind da für die, die uns brauchen. Wir sind für alle da!“

Das die AWO seit jeher wertvolle Arbeit für notleidende, benachteiligte Mitglieder der Gesellschaft leiste, betonten sowohl die Allgäuer SPD-Landtagsabgeordnete Ilona Deckwerth, selbst AWO-Mitglied, als auch Sonthofens Bürgermeister Christian Wilhelm und der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. Die AWO stehe für viele Wirkungsfelder und Werte, vor allem für Solidarität und die Kultur des Miteinanders. Oft geschehe die Arbeit der AWO leise, unauffällig und im Verborgenen. „Viele Tätigkeiten und wertvolle Dinge...“, so Christian Wilhelm. Die AWO in Sonthofen sei auch eine Form der Qualität der Stadt Sonthofen.

Sonthofens Altbürgermeister Karl Blaser lenkte in seiner Rückschau auf die Anfänge der AWO in Sonthofen den Blick auf die Nachkriegsjahre. Die Arbeiterwohlfahrt sei mit den Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg ins Allgäu gekommen, etwa durch Männer wie Wenzel Hrdina, einem Gründungsmitglied des Ortsvereins. „Diese Menschen haben hier angepackt und sich eine Existenz aufgebaut mit der Hoffnung auf Wohlstand für alle.“ Das Elend der Vertreibung und Flucht sei heute so groß wie damals, appelliert Blaser. „Die AWO kämpft für die Ärmsten!“

Josef Gutsmiedl

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