Gunzesrieder Tal: 700 Canyoning-Teilnehmer an nur einem Tag - Grundeigentümern ist das zu viel!

Zu viel Nervenkitzel im Tobel

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Nervenkitzel beim Canyoning im Ostertal-Tobel. Die regionalen Outdoor-Anbieter hätten den Bogen längst überspannt, beklagen die Grundeigentümer.

Canyoning ist der Renner. Das Begehen von Schluchten und Springen in tiefe Gumpen ist eine Outdoor-Sportart, die viele junge Menschen begeistert. Ein El-Dorado für Canyoning in der Region ist der Ostertal-Tobel im Gunzesrieder Tal. Doch die Grundeigentümer wollen den Ansturm jetzt nicht mehr dulden.

Die Verhaltensregeln werden nicht immer eingehalten, die Natur durch die vielen Canyoning-Teilnehmer zu stark belastet, so die Grundeigentümer.

Mit der Beschaulichkeit im schattigen Tobel sei es längst vorbei, beklagen die Grundeigentümer. Der einst schmale Wanderweg am Ostertalbach ist in der Tat inzwischen regelrecht breitgetreten und durch viele neue, wilde Pfade ergänzt worden. Zuletzt zählte Wegmacher Siegbert Lochbihler an einem einzigen Werktag rund 700 junge Leute, die von professionellen Guides durch den Tobel und seine Wasserfälle und Gumpen geschleust wurden. Die Grundeigentümer wollen jetzt die Notbremse ziehen und die bislang geduldete kommerzielle Nutzung ihres Bodens nicht mehr hinnehmen.

Die intensive Nutzung des Osterbach-Tobels bei Gunzesried als Canyoning-Gelände schlägt zunehmend Wellen. Die Grundeigentümer, deren Flächen entlang des kleinen Wildbaches durch die Vielzahl der geführten Canyoning-Gruppen in Mitleidenschaft gezogen werden, sind sauer. Auch Naturschützer halten den kommerziellen Betrieb im Tobel für überzogen und nicht mehr naturverträglich. Die vor Jahren vereinbarte Duldung dieser Nutzung wollen die Anlieger nun aufkündigen.

Der Tobel ist längst kein Geheimtipp mehr bei den Canyoning-Freunden. Zahlreiche Outdoor-Unternehmen der Region bieten hier seit Jahren geführte Touren an und werben mit Schlagworten wie „Erlebnis“, „Abenteuer“ und „emotionale Herausforderung“ um Kundschaft für den Nervenkitzel im Tobel.

Die Anwohner und Grundbesitzer dagegen sehen den ständigen Ansturm und das Treiben im engen Ostertal-Tobel mit anderen Augen. Die Anlieger fordern jetzt einen Stopp der gewerblichen Nutzung, die in diesem Ausmaß nie vereinbart gewesen sei. Sie seien nicht länger bereit, auf ihrem Grund eine solche Nutzung zuzulassen.

Ein Gast, so berichtet Klaus Buhl, der nahe des Tobels eine Gaststätte betreibt, habe erst kürzlich bei seiner Wanderung durch die Schlucht fast 100 Canyoning-Sportler gezählt. „Und das an einem ganz normalen Werktagnachmittag.“ Grundeigentümer wie Buhl stoßen sich nicht zuletzt daran, dass es sich offenbar um eine intensive kommerzielle Nutzung des Tobels auf Privatgelände handelt. Das sprenge den Rahmen der im Jahr 2003 geschlossenen Vereinbarung über die Begehung der Oberallgäuer Canyons schon lange. Damals hatten das Landratsamt und der Canyoningverband eine Reihe von Details der Nutzung festgeschrieben, so unter anderem auch die Wintesperrung des Ostertal-Tobels von Oktober bis einschließlich Mai.

Der seit langem durch die Schlucht führende schmale aber beliebte Wanderweg wird von vielen Gästen, nicht zuletzt Familien genutzt. Der Pfad lässt nur an wenigen Stellen einen Begegnungsverkehr zu, wie er angesichts der zahlreichen Canyoning-Gruppen, die sich hier bewegen, unvermeidlich ist. Das führe auch zu einer ständigen Aufweitung des Fußweges, der weitgehend auf Naturboden verläuft. „Es ist einfach zuviel“, klagt Siegbert Lochbihler, der im Auftrag der Gemeinde Blaichach den Tobelweg in Schuss hält. Es seien durch den Andrang „viele neue Pfade“ und Zugänge entstanden; von Schäden im Uferbereich ganz abgesehen. „Eine untragbare Situation. Da muss etwas geschehen!“ Weder die Gemeinde noch das Landrats- amt wüssten „was da abgeht“, so Lochbihler.

Locker lassen wollen die rund zehn Grundeigentümer nicht. Der Ball liege ab sofort beim Landratsamt, das endlich für eine klare Regelung sorgen müsse, so der Tenor. Rechtliche Schritte bis hin zu konkreten Anzeigen seien für die Eigentümer kein Tabu.

Josef Gutsmiedl

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