Panoramabahn: Gegner zeigen Alternativen auf

Die Gegner des „Gesamtkonzeptes“ warnen vor einem Massenbetrieb am Ifen. Das Gebiet sei jetzt schon an der Grenze des Möglichen. Foto: Heinrich Bonert

„Es geht auch ohne Panoramabahn“, meinen die Gegner der geplanten Bergbahn-Querung des Schwarzwasser-Gebietes im Kleinwalsertal. Am 21. Oktober werden die Wähler im Kleinwalsertal über das umstrittene Projekt abstimmen. Die Gegner des Ausbaus fragen, warum die Kleinwalsertaler Bergbahn AG so an dem „Gesamtprojekt“ festhalten und durchaus diskussionswürdige Alternativen links liegen lassen. „Es gibt immer mehr als nur eine Lösung“, stellt man bei der Initiative „Landschaftsschutz Kleinwalsertal“ fest. Wenn die Kleinwalsertaler Bergbahn AG an ihren Plänen mit dem sogenannten „Gesamtkonzept“ festhalte, setze sie das „Kapital unserer Zukunft“ aufs Spiel – die einmalige Landschaft. Nicht zuletzt das bislang weitgehend unberührte Schwarzwassertal würde in Mitleidenschaft gezogen.

Wenn erst einmal die Panoramabahn gebaut sei, so die Kritik von Karl Drechsler vom Österreichischen Alpenverein, würden „weitere Begehrlichkeiten“ geweckt. „Der Erschließungsdruck nimmt auf jeden Fall zu“, stellt auch Patrick Hilbrand fest. Dann stehe ein klassisches Skitourengebiet auf dem Spiel. Auch der Ausbau des Alpbords am Ifen sei alles andere als förderlich für den Wintersport und den Tourismus im Tal, geben die Projektgegener zu bedenken. „Diese Stelle verträgt keinen Massenbetrieb.“ Jürgen Wälder verweist auf einen Ansturm von Menschen am Ifen: „Es sind rund 50.000 Personen pro Jahr - gefühlt vielleicht 80.000...“ Der touristischen Übernutzung des sensiblen Karstgebietes sei mit dem Ausbau am Ifen Tür und Tor geöffnet. „Das Kleinwalsertal hat auch ohne die Panoramabahn Zukunft“, zerstreut Hilbrand das Szenario vom Niedergang des Tales, falls die Bahn nicht komme. Das Walsertal mit einem Verlierer-Image zu versehen, sei nicht förderlich. Man müsse sich vielmehr fragen, warum vor diesem Hintergrund die Bergbahn AG überhaupt investieren wolle. Eine steigende Zahl der Gästeankünfte und rückläufige Übernachtungszahlen seien allerorten zu beobachten, sagt Hermann Haller. „Man muss es nur anders angehen.“ Anders angehen, heiße etwa der Dominanz des Wintertourismus gegensteuern. Man könne nicht alles außen vor lassen, was nicht unmittelbar dem Skisport diene, warnen Patrick Hilbrand und Karl Keßler. „Weg vom Massentourismus – hin zum Quali- tätstourismus“ müsse die Devise lauten. Die geplante Panoramabahn und die weitreichenden Modernisierungen, die dem Bau folgen sollen, dienten allein dem Winterbetrieb und setzten auf den Tagesgast. Dabei, so die Kritiker, sei der Ganztages-Skifahrer, der 100 Kilometer Piste am Stück suche, „Schnee von gestern“. Denn: die Meisten fahren zwei oder drei Stunden auf den Pisten, bevor es zur Erholung und Entspannung gehe – etwa auf Winterwanderwegen, beim Sonnenbad oder bei Wellnessangeboten. Was den viel beschworenen Lückenschluss der Skigebiete angehe, macht Hermann Haller einen Gegenvorschlag zur Panoramabahn-Lösung: Als Betreiber der Parsennbahn könne er sich eine Verlängerung bis zur Heubergmulde vorstellen. Dann könnte die Kleinwalsertaler Bergbahn ihrerseits eine Verbindung zur Auenhütte schaffen – der Lückenschluss wäre da. Bei diesem Punkt äußere sich die KBB ständig wechselnd. Zudem werde dem Sommertourismus im Tal nicht die entsprechende Bedeutung beige- messen. Die Modernisierung der Bergbahnen allein nütze nichts. Hermann Haller sieht einen Investitionsstau bei der Infrastruktur im Tal von 200 bis 250 Millionen Euro. Notwendige Aus- und Umbauten seien nicht erfolgt. „Tourismus ist ein beinhartes Geschäft – da kann man nicht ein paar Jahre warten und schauen was geht.“ Das Kleinwalsertal sei „in der glücklichen Lage“, sowohl den Winter- als auch den Sommertourismus bedienen zu können, betont Haller und räumt ein: „Beim Sommergeschäft ist noch Luft nach oben...“. Im Winter sei man „am Plafond“. Auch das in Aussicht gestellte Verkehrsleitsystem werde nicht funktionieren, befürchten die Gegner der Ausbaupläne, und verweisen auf die Situation im Stillachtal.

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