"Wenn voll ist, ist Schluss"

Blaichach gibt bei der Parkraumbewirtschaftung Gas

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Bislang sind nur die großen Parkplätze in Gunzesried-Säge und im Ostertal gebührenpflichtig. Das wird sich bald ändern und das Parkplatz-Chaos im Tal soll ein Ende finden.

Blaichach – Ein Verkehrs- und Parkchaos wie am Vatertag oder am Pfingstwochenende solle es nicht mehr geben. Darin sind sind sich in Blaichach alle einig – Gemeindebürger wie Gemeinderäte. Als vordringlich soll schnellstmöglich ein Lenkungskonzept auf den Weg gebracht werden. Auch die Parkplatzbewirtschaftung will die Kommune besser organisieren; eine „moderate“ Gebührenerhöhung ist beschlossene Sache. Gratisparken, wie es vielfach bislang möglich ist, ist damit passé; Kurzparken bis zu 30 Minuten soll nichts kosten.

Vor allem das Gunzesrieder Tal hatte es an den Feiertagen und Wochenenden Ende Mai „erwischt“ als die ersten Lockerungen nach den Pandemie-Beschränkungen und bestes Wetter zahllose Tagesausflügler in den Landkreis brachten. Staus bei der Anfahrt, Chaos auf den Parkplätzen und Hunderte „Wildparker“ entlang der Rettungsstraßen oder auf Feldwegen und in Wiesen... Nicht nur in Blaichach brachen an diesen Tagen alle Dämme; fast im gesamten südlichen Landkreis zeigte sich ein ähnliches Bild. „Das Thema betrifft nicht nur uns, sondern das gesamt Oberallgäu“, meint Bürgermeister Christof Endreß. Einige Kommunen ziehen jetzt die „Notbremse“ und wollen die Parkgebühren deutlich anheben.

„Es ist nicht unsere Aufgabe, möglichst viele Parkplätze zu schaffen“, betonte Gemeinderat Markus Metzler (FW). Und Bürgermeister Endreß erklärt vor dem Gemeinderat die Stoßrichtung der Maßnahmen, die die Situation entschärfen sollen: „Ziel muss es sein, nicht mehr Leute herzubringen, sondern mit sinnvoller Lenkung zu erreichen, dass wir das, was wir haben, sinnvoll nutzen.“ Parkraum ziehe letztlich Verkehr an, beschreibt Endreß das Phänomen.

Das sieht auch Dieter Lochbihler (Freie Wählerschaft) aus Gunzesried so: „Wir müssen schnellstens Klarheit schaffen, wo Parken möglich ist und wo nicht! Das ist auch für die Besucher des Tales wichtig.“ Und Michael Schramm (CSU) ergänzt: „Wenn voll ist, ist Schluss.“

Schramm hatte zuvor ein Stimmungsbild aus dem Gunzesrieder Tal wiedergegeben, wo am Vatertag und am Pfingstwochenende kein Durchkommen mehr war. Sogar die Mautstraße musste an den „heißen Tagen“ mehrere Stunden gesperrt werden. „Die Menschen im Tal sind in der großen Mehrheit nicht für Verkehrsbeschränkungen, sondern fordern eine geeignete Lenkung!“, so Schramms Fazit. Man sei auf Tagesausflügler angewiesen und befürchte massive wirtschaftlichen Einbußen, falls die Bremse zu heftig angezogen werde. „Einhellige Meinung ist: man muss das Problem schnell in Griff bekommen durch entsprechende Parkplatzausweisungen und konsequente Überwachung“, brachte Schramm die Stimmung einer Gesprächsrunde mit betroffenen Talbewohnern auf den Punkt. „Wir als Gemeinde sind verpflichtet, hier sofort Abhilfe zu schaffen!“

Abhilfe soll allerdings nicht auf Aussperrung hinauslaufen, sondern auf eine Ausweitung der Parkplatzbewirtschaftung. Gratisparken wird es zukünftig nicht mehr geben, abgesehen vom Kurzparken bis 30 Minuten auf allen ausgewiesen Parkplätzen. Vielmehr wird das Parken teurer, gestaffelt nach Dauer der Nutzung. Auf den bislang kostenfrei nutzbaren Parkplätze in der Reute, am Ortseingang Gunzesried, an der Marienbrücke bei Bihlerdorf, sowie am Ossi-Reichert-Lift samt Talstraße und am Inselsee wird künftig kassiert: vier Stunde kosten 2 Euro, 12 Stunden 4 Euro und 24 Stunden 6 Euro. Das Parken auf den großen Parkplätzen im Ostertal und Gunzesried-Säge kostet dann 3 Euro für vier Stunden, 8 Euro für einen Tag (jeder weitere Tag 3 Euro zusätzlich). „Eine moderate Erhöhung“, wie Gemeindrat Karl Siebenlist (Grüne) meint.

Auf den neuen gebührenpflichtigen Parkplätzen soll nur noch Handy-Parken möglich sein; zunächst als Versuch, um Erfahrungen zu sammeln. Eine Neuerung, die allerdings bei Gemeinderätin Margarita Miller (SPD) nicht für gut heißt: Sie befürchtet eine Hürde vor allem für ältere Mitbürger, die mit dieser Form der Mobiltelefon-Nutzung kaum vertraut seien.

„Zuckerl“ für die Einheimischen: die Kommune will bald schon ein Bürgerticket auf dem Weg bringen, das günstiges „Flatrate-Parken“ ermöglicht.

Wie es mit den Alpwegen, den Mautstraßen im Tal weitergeht, werden weitere Gespräche zeigen. Offenbar sehen die Alpwegeverbände die Möglichkeit, einige geeignete Flächen an den Straßen als Parkplätze zu nutzen. Dazu müsse allerdings das Landratsamt wegen des Status Landschaftsschutzgebiet sein Einverständnis geben, erläutert Bürgermeister Endreß. Ein ausgesprochener Neubau von Parkplätzen sei kein Thema.

Die langjährige Zusammenarbeit mit der Stadt Sonthofen in dieser Hinsicht wird sich auf die reine Verwaltung beschränken, die Kontrolle der Parkplätze also in Blaichacher Regie erfolgen. Die Gemeinde wird eine Halbtagskraft einstellen, um die „Parkmoral“ zu verbessern und gegebenenfalls Bußgeldbescheide auszustellen.

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