"Ein bisschen wie zu Hause"

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Pfarrer Dr. Elie Kengne sucht im Pfarrbüro den Rat von Pfarrsekretärin Gabi Nast-Kolb (rechts). Auch der Kirchenpfleger Ernst Merbeler (links) schaut kurz vorbei.

„Es ist einfach hier zu arbeiten. Alles ist so gut organisiert“, sagt Pater Dr. Elie Kengne voller Dank. Zum fünften Mal vertritt der Priester aus Kamerun den Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Sonthofen-Süd, Karlheinz Müller, während dessen Urlaubszeit.

Obwohl er mittlerweile sehr gut deutsch spricht, gehört der Satz: „Gabi, ich brauche deine Hilfe!“, zum gängigen Repertoire des 50-Jährigen. Pfarrsekretärin Gabi Nast-Kolb unterstützt ihn dann beim Feinschliff einer Predigt oder anderer deutscher Texte. „Gleich bei seinem ersten Aufenthalt haben mein Mann und ich Pater Elie ,adoptiert’“, lacht die Sonthoferin, die gleich neben dem Pfarrhaus wohnt, und dem Urlaubspfarrer freundschaftlich verbunden ist.

Elie Kengne wurde 1968 in Batouri geboren und wuchs dort mit seinen Eltern und drei Schwestern sowie zwei Brüdern auf. Nach seinem Schulabschluss trat er in das Priesterseminar ein und studierte in Kamerun Theologie sowie Philosophie. Seine Priesterweihe erfolgte im Jahr 2001. 2004 erhielt er ein Stipendium für weiterführende Studien in Rom. Zurück in Kamerun leitete er fünf Jahre das Vorbereitungsseminar in Doume, bevor er mit einem erneuten Stipendium nach Rom ging, um dort seinen Doktorgrad in biblischer Theologie zu erlangen. Seit fast zwei Jahren leitet der Pater das Priesterseminar der Erzdiözese Bertoua in Ostkamerun mit rund 120 Priesteramtsanwärtern, im März wurde er zu dessen Rektor ernannt.

„Die Leute hier in Sonthofen sind sehr freundlich. Wenn ich im Sommer zur Vertretung von Pfarrer Müller hierherkomme, fühle ich mich ein bisschen wie zu Hause“, schildert Pater Elie. Er liebt die Berge, die grünen Wiesen und die Bergmessen auf dem Sonnenkopf, zu denen die Ministranten aus Altstädten eingeteilt sind.

Der Kontakt zu Mitgliedern der Pfarrgemeinde ist gut, er wird zuweilen zum Mittagessen mit der Familie eingeladen. Sonst kocht der Priester selbst und bereitet manchmal auch afrikanisches Essen für Freunde zu. Ein Gericht aus Okra-Schoten, Polenta und Gulasch kam letztes Mal auf den Tisch. Aus der regionalen Küche schmecken dem Priester auch die meisten Dinge. Bei der Erinnerung an Allgäuer Kässpätzle mit Röstzwiebeln macht er große Augen und strahlt, Bratkartoffeln mag der Pater ebenfalls gern – Sauerkraut oder Rotkraut gehören allerdings absolut nicht zu seinen Lieblingsspeisen. Das weiß auch Gabi Nast-Kolb und lacht laut, als der Geistliche sein Gesicht verzieht.

In seiner Heimat hat er am Priesterseminar ein Projekt ins Leben gerufen, in dem 167 Seminaristen aus 17 Diözesen der Länder Kamerun, Gabun sowie Zentralafrika praktische Dinge erlernen. „Wir versuchen, ihnen einfache und praktische Dinge beizubringen, um in der ländlichen Umgebung zu leben“, erklärt er. Dabei erweitert sich die theologische Ausbildung hin zur Praxis. Die Fragen: „Wie kann der Priester das Evangelium in seinem Lebensumfeld weitergeben? Wie kann der Priester so nah wie möglich an denen sein, zu denen er gesandt wird?“, erhalten hier besonderes Gewicht.

Die Handwerker unter den Seminaristen haben Stallungen für Schweine, Hühner und Enten gebaut, es wurden Mais und Maniok angebaut. In dem Projekt werden die angehenden Priester geschult, in ihren späteren Pfarreien dieses Wissen an die Bevölkerung weiterzugeben. Das soll dazu beitragen, im eigenen Land ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können und nicht auf abenteuerlichen, gefährlichen Wegen nach Europa zu fliehen.

pdsf

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