Pflegefall Pflege

Wenn die Fachkraftquote gesenkt werde, dürfe dies „aber nicht die Pflegequalität beeinträchtigen“, forderte Landtagsabgeordneter Ulli Leiner (rechts) beim Pflegestammtisch in Sonthofen.

Sonthofen – Die Pflege wird selbst zum Pflegefall. So das Fazit eines „Pflegestammtisches“, zu dem die Oberallgäuer Grünen den Sprecher für Gesundheit und Pflege der Grünen-Fraktion im Bayrischen Landtag Ulli Leiner eingeladen hatten.

Vor zahlreichen Zuhörern aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich informierte der Landtagsabgeordnete über die Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze für eine bessere Pflege.

Derzeit herrsche in Sachen Pflege weitgehend Stillstand im bayrischen Gesundheitsministerium, so Leiner. Grünen-Anträge zur Verbesserung der Situation seien von der CSU-Mehrheit abgelehnt worden. Wie etwa die Einführung einer Ausbildungsumlage zwischen Einrichtungen, die ausbilden und denen die nicht ausbilden. Leiner sprach sich für die Einrichtung einer Pflegekammer in Bayern aus, die die Interessen der Pflegekräfte vertritt.

Im Allgäu gebe es gleich mehrere Probleme. Durch den Mangel an Pflegekräften könne zum Teil die Fachkraftquote von 50 Prozent nicht mehr erfüllt werden. Viele Einrichtungen seien unterfinanziert und hätten große Probleme bei Refinanzierung und Neuinvestitionen. Leiner plädierte für einen Pflegestützpunkt beim Landratsamt, wo alle Informationen zusammenlaufen und an die Angehörigen und Betroffenen weiter gegeben werden können. Auf Bundesebene unterstützen die Grünen die geplanten Verbesserungen im Leistungsangebot. Allerdings sei der Pflegebedürftigkeitsbegriff – sprich Pflegestufen – immer noch völlig unzureichend geklärt.

In der Diskussion wurde vor allem in Zweifel gezogen, ob die Fachkraftquote in Zukunft noch gehalten werden kann. „Die Fachkraftquote wird fallen, weil es gar nicht mehr anders geht“, so Verena Fleischer, Heimleiterin im Spital Sonthofen. Davon geht – angesichts der aktuellen Situation – auch Leiner aus. „Wenn wir die Quote senken, darf dies aber nicht die Pflegequalität beeinträchtigen“, so Leiner. Ingesamt sei „mehr Durchlässigkeit im System“ notwendig, plädierte er für eine bessere Ausbildung und generelle Umstrukturierungen im Pflegebereich. Weitere Forderungen der Anwesenden waren mehr Entbürokratisierung etwa bei der Dokumentation, ein flexiblerer Pflegeschlüssel, ein besseres Vergütungssystem und mehr Anerkennung für den Beruf.

„Wir brauchen für diese hochwertige Arbeit eine neue gesellschaftliche Bewertung“, so Leiner. Die Gesellschaft müsse auch bereit sein für eine gute Versorgung mehr zu zahlen, sprach er die von den Grünen favorisierte Bürgerversicherung an. Bei dieser würden alle einzahlen und auch andere Einnahmequellen neben dem Arbeitslohn für die Kranken- und Pflegeversicherung herangezogen.

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