Pforten in eine andere Welt

Guenter Rauch(links) mit seinen Helfern präsentiert die jüngste „Porta Alpina“ beim Waltenberger Haus in den Allgäuer Hochalpen. Foto: privat

„Porta Alpinae - Öffne die Tür für eine andere Welt“ nennt der Kemptener Künstler Guenter Rauch sein Berge und Grenzen überschreitendes Kunstprojekt. Mit seinen Pforteninstallationen Porta Alpina möchte er die Besucher animieren, dem eigenen Bewußtsein mehr Achtsamkeit zu widmen und sich Türen zu öffnen.

Die Natur als Grundlage menschlichen Daseins ist dem Künstler wichtig; daher gibt es bei seinen Projekten keine wesensfremden Materialien und Hubschrauberflüge um die Objekte auf den Berg zu bringen. „Die Porta Alpinae Waltenberger Haus war mein bisher aufwendigstes Projekt“, sagt Rauch. Der Grund: Der Weg führt von Einödsbach aus über 943 Höhenmeter und durch hochalpines, schwieriges Gelände. Er ist schmal und teilweise ausgesetzt am steilen Hang über dem Bacher Loch. Durch das sogenannte „Wändle“ ist der Weg in den Fels gehauen und mit Drahtseilen und Metallbrücken gesichert. Die Gehzeit ist in Einödsbach mit gut drei Stunden angegeben. Deshalb war es zunächst undenkbar, die schweren, bis zu 3,60 Meter langen Balken für die „Porta Alpinae“ dort hinauf zu tragen. Die Lösung war, die Balken in tragbare Stücke zu rund 30 Kilo aufzuteilen und am Standort wieder zusammenzusetzen. Zwölf starke Männer waren notwendig, um die Teile in stundenlanger Schufterei zum luftigen Standort zu bringen. Sie wurden von einigen bergfesten Frauen unterstützt, die Befestigungsteile und weiteres Material trugen. Samstagfrüh setzte sich die Karawane in Bewegung und kam nach mühevollem Aufstieg am Nachmittag am Standort unterhalb des Waltenberger Hauses an. Noch am Spätnachmittag wurden die Balkenteile nach altem Zimmermannsbrauch mit Holzdübeln zusammengesetzt. Nach einer unruhigen Nacht in der voll besetzten Hütte konnte die schwedenrote (Naturfarbe) Pforte dann in strahlender Sonne aufgerichtet werden. Sein nepalesischer Freund Kumar überreichte dem Künstler einen weißen Begrüßungsschal, der diesen seinem neuen Werk spendete. Bunte tibetische Gebetsfahnen, ein Geschenk von Hüttenwirt Markus Karlinger, sollen nun schon von weitem die Besucher begrüßen und die aufgeschriebenen guten Wünsche dem Wind mitgeben. Durch die Porta Alpinae am Nebelhorn/Zeigersattel wurde der BR und ARTE-TV auf Guenter Rauch aufmerksam. Die Sender planten eine Co-Produktion mit dem Arbeitstitel „Bayern von oben“. In einigen Besuchen im Atelier, vielen Telefonaten und E-Mails wurde das Projekt am Waltenberger Haus entwickelt. Im Frühsommer gab es einen Drehtag im Atelier. Aufgrund des schlechten Wetters musste der Dreh in den Bergen auf den Herbst verschoben werden. Am Dienstag letzter Woche wurde mit der Cineflex-Kamera aus dem Hubschrauber gefilmt, und am Freitag traf das zehnköpfige Team von ARTE-TV/BR in Einödsbach ein, um mit Guenter Rauch die letzten Details zu besprechen. Das gesamte Team begleitete die Projekt-Aktion über den gesamten Ablauf an beiden Tagen. Regisseurin Lisa Eder und ihr Kollege Richard Ladkani äußerten sich begeistert über die eindrucksvolle Kulisse und das Alpinien-Team, das neben der schweißtreibenden Tragearbeit auch die aufnahmetechnisch notwendigen anstrengenden Wiederholungen ohne Murren über sich ergehen ließ. Die Porta Alpinae am Waltenberger Haus ist die zwanzigste Installation dieser Art. Weitere Informationen zum Projekt unter www.alpinien.de.

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