Verlierer des neuen Systems

+
In der zweiten Hälfte der Regatta, als der Wind dezent wehte, war Philipp Buhl auf den 3. Platz zurückgefallen und Träger des roten Trikot.

Sonthofen - Den Start in die neue Saison hat sich Philipp Buhl vom Segelclub Alpsee Immenstadt SCAI sicherlich anders vorgestellt. Unter 119 Seglern aus 40 Nationen verfehlte er um nur einen Punkt die Eintrittskarte ins Finale äußerst knapp und landete auf dem elften Rang.

Buhl segelte über die ersten sechs Wettfahrten (Qualifizierungs-Serie) wie man es besser kaum hätte machen können. Am ersten Tag errang er unter Kräfte zehrenden Wind- und Wellenbedingungen zwei Wettfahrtsiege. An diesem Tag konnten sich die Athleten aller drei modernen olympischen Klassen erholen, weil sie wegen der für sie zu scharfen Bedingungen nicht aufs Wasser gingen. Fortan gab Buhl das gelbe Trikot des Spitzenreiters über die zwei Folgetage nicht mehr ab und qualifizierte sich als Bester für die sogenannet Goldflotte (beste Hälfte). 

In der nun folgenden Finaleserie über fünf Wettfahrten fielen die Ergebnisse für den Sonthofer allerdings sehr gemischt aus: Neben einem weiteren Sieg und achten Rang musste er auch einen 24. Platz hinnehmen. Damit verlorer die Führung und fiel im Zwischenklassement auf Rang drei zurück. Am zweiten Tag der Finalrunden dann das Desaster für den Segler vom Alpsee: In der ersten Wettfahrt vermasselte ihm ein starker unvorhersehbarer Winddreher kurz nach dem Start jegliche Chancen auf eine ordentliche Platzierung. Buhl hatte zwar noch viele Plätze aufgeholt, wurde aber trotzdem nur 30. „Mehr war unmöglich zu machen. Wir alle auf der linken Seite waren hoffnungslos abgeschlagen“, so der enttäuschte Oberallgäuer. 

Für die letzte Finale-Wettfahrt benötigte Buhl nochmals ein gutes Ergebnis, um am nächsten Tag bei den beiden Medal-Races am Start sein zu können. Er passiert das Ziel schließlich als Dritter. Das hätte spielend gereicht. Aber so sollte es nicht kommen. Wieder an Land, erfuhr der vom Pech verfolgte, dass er einen Frühstart verursacht haben sollte. Mit dieser Wettfahrt-Disqualifikation verfehlte Buhl bei 62 Nettopunkten nur um einen Punkt den zehnten Rang und damit die Zulassung fürs Finale. Gewonnen haben Maloney vor Burton und Meech. Die Plätze von Buhls Kaderkollegen: Tobi Schadewaldt (34., aus Hamburg), Fabian Gielen (53., aus Lindau) und Niels Herrmann (86., aus Berlin). 

Buhl wurde so in eklatanter Weise zum Benachteiligten des neuen und in der Fachwelt sehr umstrittenen Bewertungsformates, das der Weltseglerverband (ISAF) mit der Intention von höherer Publikumswirksamkeit erfunden hat und nun in der Praxis testen will. Der Online-Berichterstatter www.segelreporter.de schrieb: „Buhl … ist das prominenteste Opfer des neuen Formats …“. Mit dem modernen Bewertungssystem wird die Endphase einer Regatta auf Kosten der Einstiegsphase um ein Mehrfaches aufgewertet. Buhls Führung über das gesamte Qualifying (sechs von elf Wettfahrten) war nach diesem Reglement nicht mehr viel Wert, da diese Wettfahrten zu einer zusammengefasst werden. Und diese kann obendrein noch getrichen werden. Nach dem traditionellen Format wäre Buhl als Fünftplatzierter ins Finale eingezogen. Nun hat er mit vier und gleichzeitig den meisten Wettfahrtsiegen das Finale nicht erreicht. Buhl sieht es, wie viele andere Kritiker aus der Seglerwelt, wenn er sagt: „Das neue Bewertungsformat taugt nicht. Es wird dem Segelsport nicht gerecht, weil die Zufallsfaktoren (gemeint sind Windstärke, Winddreher, Unsicherheiten bei der Startkontrolle usw.) nicht mehr den dringend gebotenen Ausgleich finden.“ Ganz sicher wird es, würde es bei der Neufassung bleiben, häufiger ungerecht zugehen.

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Dorffest in Burgberg - Zwischen Böller- und Donnerschlägen
Dorffest in Burgberg - Zwischen Böller- und Donnerschlägen
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare