Philosophie auf Bergeshöhen

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Michael Weiß von der Meckatzer Löwen-Brauerei (rechts) und die Vorsitzende des Philosophievereins Stefanie Fuchs (links) überreichten Prof. Hans Joas den Meckatzer Philosophiepreis 2017.

Kleinwalsertal/Oberstdorf – „Wie wollen wir zusammen leben?“ lautete das Motto, mit dem der „Verein Philosophie in den Allgäuer Alpen“ grenzüberschreitend ein anspruchsvolles Philosophiefestival auf die Beine gestellt hatte.

„Im Tal und auf der Höh´“ – darunter auf dem Fellhorn und auf dem Walmendinger Horn – hielten namhafte Referenten Vorträge und diskutierten mit den Besuchern. Was verbindet und trennt Kulturen? Wie können wir „gute“ Menschen werden? Um was müssen wie uns Sorgen machen? Nur ein paar Fragen, um sich bei hochsommerlichen Temperaturen die Köpfe heiß zureden. Auch das „Mensch-Tier-Verhältnis“, „alternative Fakten“ und „Philosophieren mit Kindern“ standen auf dem Programm.

Wenn man die Menschen fragt, wie sie leben möchten, werden die Meisten antworten „in Frieden“, so Mittelbergs Bürgermeister Andi Haid bei der Eröffnung des Festivals, das im Kleinwalsertal und in Oberstdorf stattfand. „Je mehr wir die Menschen verstehen, um so mehr sind wir in der Lage sie zufrieden zu stellen und zu begeistern“, spannte Dr. Andreas Gapp für die Walsertaler Bergbahnen und die Walsertaler Raiffeisen Holding den Bogen zur Wirtschaft. Beide unterstützen das Festival. „Nachdenken ist wichtig“, verwies Prof. Dr. Ekkehard Martens auf die gesellschaftliche Bedeutung der Philosophie. Ingesamt 15 Schüler aus dem Allgäu konnten dank der Unterstützung der Sparkasse Allgäu, der Meckatzer Löwen-Brauerei und mehrerer Rotary-Clubs an der Veranstaltungsreihe als Stipendiaten durchgängig teilnehmen. Für die Versorgung mit „geistiger Nahrung“ in gedruckter Form sorgte die Bücherei Dannheimer/Edele.

Miteinander leben – gar nicht so einfach. Es beginnt schon in der Nachbarschaft und im Bekannten- und Familienkreis um sich übers Berufsleben bis in die hohe Politik fortzusetzen. So ging es am ersten Tag auf dem Fellhorn darum, welche Fähigkeiten man entwickeln muss, um sich moralisch verhalten zu können und wie man anderen Menschen am besten helfen kann. Denn, „der Mensch lebt nun mal eher schlecht und recht und wird im Alltag durch Furcht und Hoffnung von guten Taten abgehalten“, so Prof. Dr. Gernot Böhme.

Höhepunkt und Abschluss war die Verleihung des „Meckatzer Philosophie-Preises 2017“ an Prof. Hans Joas im Oberstdorf-Haus. „Oft sind wir uns unserer eigenen Werte gar nicht bewusst“, so Joas in seinem Vortrag „Zusammenhalt durch Werte“. Er sprach sich für eine „Kunst des Argumentierens aus“: „Moralpredigten sind ein besonders uneffektiver Weg zur Erziehung“. Drei Dinge trügen stark zur Bildung von Werten bei: Der wirtschaftliche Erfolg einer Gesellschaft und auch des Einzelnen, das Gefühl, dass es gerecht zugeht und das Gefühl von innerer und äußerer Sicherheit. Bürgermeister Laurent Mies bezeichnete „die Frage des Zusammenlebens als eine der wichtigsten und schwierigsten Fragen“.

Zuvor hielt Dr. Rainer Jehl die Laudatio auf den Ehrendoktor der Universitäten von Tübingen und Uppsala/Schweden. Brauereichef Michael Weiß übereichte den mit 5 000 Euro dotierten Preis und wünschte Joas „viel Erfolg im Bereich seiner weiteren Forschungen“.

Der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel streift in seiner Gastrede seine politischen Stationen und die unterschiedlichen philosophischen Ansätze und Lehren. „Oft hilft die einfache Erkenntnis mehr weiter als alle philosophischen Ansätze“ so seine Lebenserfahrung. Zur Bewahrung der Demokratie bedürfe es eines festen Fundamentes.

Die erste Vorsitzende des veranstaltenden Philosophievereins Stefanie Fuchs zog eine positive Gesamtbilanz. Insgesamt kamen 500 Besucher zu den Veranstaltungen. „Wir wurden wahrgenommen und gut angenommen“, sieht sie das Festival als „im nächsten Jahr noch ausbaufähig“.

Heinrich Bonert

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