Wasserkraft weiter nutzen

Oberallgäu - „Illerkraftwerk Au GmbH“ wird die neu zu gründende Gesellschaft der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) und der Bayerische Landeskraftwerke GmbH heißen, die für den Bau und Betrieb eines bei Sulzberg geplanten Laufwasserkraftwerkes an der Iller zuständig sein wird.

Schon seit über 100 Jahren nutzen die Menschen im Allgäu die Wasserkraft, um Strom zu erzeugen. Allerdings gilt es, vor einer Erweiterung der Wasserkraftkapazität genau abzuwägen, was technisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll und machbar ist. Mit der neu zu gründenden „Illerkraftwerk Au GmbH“ – einem Gemeinschaftsunternehmen der Allgäuer Überlandwerk GmbH und der Bayerische Landeskraftwerke GmbH – wollen beide Unternehmen genau dies bei einem eventuellen neuen Laufwasserkraftwerk bei Sulzberg prüfen. Bei positiven Prüfergebnissen kommt ein neuer Turbinentyp an der Iller zum Einsatz, welcher speziell für Standorte mit niedrigem Wassergefälle entwickelt wurde. 

„Obwohl es kein Geheimnis ist, dass wirtschaftlich attraktive Standorte für Laufwasserkraftwerke mit größerer Fallhöhe bereits ausgeschöpft sind, sind wir davon überzeugt, mit dem Bau und dem Betrieb dieses Laufwasserkraftwerkes gute Ergebnisse nachhaltig erwirtschaften zu können“, erklärt AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke. Josef Keckl, Geschäftsführer bei der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH, sieht „in dem Gemeinschaftsprojekt einen wichtigen Beitrag zur regenerativen elektrischen Energiegewinnung und einen logischen Schritt des Landes Bayern, konsequent in die dezentrale Erzeugung von Strom nachhaltig zu investieren.“ Am geplanten Standort des Laufwasserkraftwerkes an der Au bei Sulzberg wird – vorausgesetzt die Vorplanungsuntersuchungen fallen positiv aus – eine sogenannte „Very Low Head“-Turbine, abgekürzt VLH-Turbine, zum Einsatz kommen. 

„VLH-Turbinen sind extra für sehr kleine Fallhöhen konzipiert. Am Standort Au rechnen wir dann mit einer Leistung von 900 kW, was 3 bis 3,6 Millionen kWh Jahreserzeugung entspricht“, rechnet der technische Leiter des AÜW, Dr. Michael Fiedeldey, vor. Das Konzept der neuartigen Wasserkraftturbinen basiert auf einem großen Laufrad- durchmesser mit geringen Drehzahlen. „Der Vorteil besteht darin, dass dieser Turbinentyp kein großes Bauwerk benötigt, da im Gegensatz zu den klassischen Kaplanturbinen die Leistungsdichte beim Energieumwandlungsprozess nahezu unverändert bleibt und somit keine aufwändigen Ein- und Auslaufbauwerke benötigt“, so der Stromexperte Fiedeldey. Neben seiner Geräuscharmut zeichnet sich die Turbine durch ihre sehr geringe Auswirkung auf die Fischmigration aus. Derzeit laufen am geplanten Standort umfangreiche Voruntersuchungen. Angefangen bei Bodenuntersuchungen über limnologische und biologische Untersuchungen bis hin zu Untersuchungen zu Aussagen zum Grundwasserverhältnis. „Da die Gleichung lautet: höhere Fallhöhe gleich höherer Ertrag, ist eine Wirtschaftlichkeit bei Laufwasserkraftwerken mit niedriger Fallhöhe zwar schwierig, aber mithilfe entsprechender Maßnahmen durchaus möglich“, sieht AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke dem Projekt optimistisch entgegen, „vorausgesetzt, die Voruntersuchungen geben grünes Licht.“ Wenn dem so ist, startet das Genehmigungsverfahren im Herbst dieses Jahres; 2015 könnte das neue Laufwasserkraftwerk dann ans Netz gehen. Die Investitionssumme betrüge rund sieben Millionen Euro.

Rubriklistenbild: © Kreisbote

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