Platzverweis für Agro-Gentechnik

Oberallgäu - Nach mehrjähriger Vorbereitungsphase wurden das Oberallgäu und die Stadt Kempten jetzt zur „ Agro-Gentechnik freien Region“ erklärt. Voraussetzung für diesen Schritt war die freiwillige Selbstverpflichtung von zwei Dritteln der Landwirte auf ihren Betrieben, sowohl auf gentechnisch verändertes Saatgut wie auch auf gentechnisch veränderte Futtermittel zu verzichten. Im Oberallgäu und dem Gebiet der Stadt Kempten sind es inzwischen mehr als 70 Prozent der Bauern, die hinter dieser Erklärung stehen. Die „treibenden Kräfte“ hoffen, dass das Etikett „Gentechnik frei“ das Allgäu positiv heraushebt und heimische Produkte mehr als bisher gekauft werden.

Der Stellvertretende Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, spricht von einer „Sternstunde für den Landkreis“. Für die Region und ihre Weiterentwicklung seien die Standortvorteile einer Gentechnik freien Landwirtschaft unabdingbar. „Diese Bekanntmachung darf aber kein Lippenbekenntnis bleiben.“ Die Arbeit gehe vielmehr erst richtig los: Es gelte jetzt, das Pflänzchen zu pflegen und zu gießen, unterstreicht Klotz. Wie wichtig dem Landkreis die Sache sei, komme auch in der aktiven Förderung des Projektes in einer Art Starthilfe in Höhe von 100000 Euro zum Ausdruck. „Die Arbeit geht weiter“, stellt auch Elisabeth Koch fest, als sie die „Gentechnik freie Region“ in Petersthal offiziell aus der Taufe hob. Es komme jetzt darauf an, sowohl in der Politik als auch beim Verbraucher Überzeugungsarbeit zu leisten, so die Stellvertretende Oberallgäuer Kreisbäuerin. „Es herrscht noch großer Informationsbedarf bei Verbrauchern, dem Handel und Verarbeitungsbetrieben“, sagt Elisabeth Koch. „Und die Politiker müssen den Willen der Bürger ernst nehmen.“ Geschenkt wurde den zahlreichen Beteiligten am Bündnis gegen Agro-Gentechnik der Erfolg nicht. Sowohl Elisabeth Koch als auch Elisabeth Waizenegger vom Bioring Allgäu berichten von den schwierigen Anfängen. Erst vor zwei Jahren sei die „Geschichte“ richtig ins Rollen gekommen, etwa mit der Schlepper-Demonstration in Kempten und vielen Informationsveranstaltungen im Landkreis. Dann kam der eigentliche „Startschuss“, als der Oberallgäuer Kreistag im Sommer 2007 auf Antrag der Grünen-Fraktion das Ziel „Gentechnik freie Zone Oberallgäu“ formulierte. Das Landratsamt unterstützte die entsprechenden Bemühungen offen und massiv. Mit Gerhard Gehring koordinierte ein „Beauftragter für Agro-Gentechnik des Landkreises Oberallgäu“ die Arbeit für das Projekt eines Gentechnik freien Allgäus. Elisabeth Koch und ihre Helferinnen und Helfer sammelten „Tag und Nacht“ Unterschriften bei ihren Berufskollegen, mit denen sich die Bauern verpflichteten, auf ihren Höfen auf gentechnisch verändertes Futter und Saatgut zu verzichten. „Wir Bäuerinnen und Bauern brauchen die Gentechnik nicht und entscheiden uns bewusst dagegen“, unterstreicht Elisabeth Koch weiter. Auch die große Mehrheit der Verbraucher lehne gentechnisch veränderte Organismen in den Lebensmittel ab. Bei der „Proklamation“ in Petersthal stellte Elisabeth Koch noch einmal fest: „Wir wenden uns ausschließlich gegen die Agro-Gentechnik, die so genannte grüne Gentechnik.“ Diese Eingriffe in das Erbgut von Organismen seien in der Natur nicht möglich und nicht mehr rückgängig zu machen. Einmal frei gesetzt, sei die Verbreitung nicht mehr zu stoppen, warnt Koch. Über kurz oder lang seien die Bauern den Saatgutkonzernen ausgeliefert, die am patentierten, Lizenz pflichtigen Saatgut aus ihren Beständen verdienen wollten. Auf Leben dürfe es aber kein Patent geben, stellen die Gegner der Agro-Gentechnik fest.

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