Platzverweise für Bergbauern-Vorstände

Denkzettelwahlen und Neubeginn bei der Allgäuer Bergbauern-Milch eG Sonthofen-Schönau: Die Mitgliederversammlung zog einen Schlussstrich und sprach dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Heinz Lipp, und seinem Stellvertreter, Georg Hagspiel, das Misstrauen aus. Die Vorstandsspitze wurde nicht entlastet und nicht wieder in die achtköpfige Vorstandschaft der Genossenschaft gewählt. Lipp waren in den vergangenen Monaten wiederholt Versäumnisse bei der Ausübung seines Amtes vorgeworfen worden; er habe die Genossenschaft nicht aus der Krise der Allgäuland Käsereien gehalten.

Bei den Milchlieferanten der Bergbauern-Milch eG geht seit längerem die Angst um, die Krise der Allgäuland Käsereien - das Unternehmen ist mit rund 65 Millionen Euro verschuldet - jetzt ausbaden zu müssen. Die Bergbauern-Milch ist mit 24 Prozent an der „Mutter" Allgäuland beteiligt - mithin auch an den Schulden. Zudem zahlt das Unternehmen den Milchlieferanten einen deutlich niedrigeren Milchpreis als Nachbarmolkereien. In der Folge kündigten bislang zahlreiche Lieferanten die Verträge. Ein gerüttelt Maß Mitverantwortung schreiben die Bergbauern auch dem Vorstandsvorsitzenden Heinz Lipp, zu. Er habe zu spät und zu wenig entschlossen auf die desolate Situation bei der Allgäuland Käsereien aufmerksam gemacht, sich von der früheren Geschäftsführung hinhalten und täuschen lassen. In seinem Rechenschaftsbericht musste Lipp von einem „katastrophalen Jahr 2009" berichten. Der niedrige Erlös für Milchprodukte habe die angeschlagene Allgäuland Käsereien und damit auch die Liefergenossenschaft der Bergbauern arg gebeutelt. Entsprechend niedrig fielen in der Folge die Milchgeldzahlungen aus. Eine Neubewertung der Gesellschaft durch den Genossenschaftsverband schlug auch auf die Bergbauern-Milch eG durch, die ebenfalls schlechter bewertet wurde und das Jahr 2009 mit einem Defizit von 3,8 Millionen Euro abschloss. Vertrauensverlust Lipp wies die Vorwürfe von sich. „Tag und Nacht" habe er zusammen mit den Vorstandskollegen die Maßnahmen der Restrukturierung, die vor etwa einem Jahr eingeleitet wurden, begleitet. Das Ausmaß der Krise bei Allgäuland sei früher nicht zu erkennen gewesen, so Lipp vor rund 800 Mitgliedern der Bergbauern-Milch eG in Waltenhofen. „Die Verantwortlichen haben alles versucht, die Dinge im Guten zu regeln und eine Schlammschlacht zu vermeiden", meinte Lipp. Das Vertrauen der Bergbauern-Mitglieder hatte Lipp offenbar längst verspielt, auch wenn er die außerordentliche Mitgliederversammlung im April noch heil überstanden hatte. jetzt kam der „Platzverweis". Zunächst verweigerte die Versammlung die Entlastung für Heinz Lipp und seinen Stellvertreter, Georg Hagspiel. Bei der Wahl zum Vorstand kam Lipp, der sich erneut für einen Sitz im Vorstand beworben hatte, nur aus 73 Stimmen und verpasste damit den Sprung ins Gremium ganz deutlich. Neu im achtköpfigen Vorstand sind jetzt Hubert Rupp (Sibratshofen), Martin Kirchmann (Stiefenhofen), Stefan Achberger (Scheidegg) und Albert Lau aus Heimenkirch. Der Aufsichtsrat der Genossenschaft wird demnächst einen neuen Vorstandsvorsitzenden wählen. Einen weiteren Schritt lehnte die Mehrheit ab: Es gibt keine Änderung der Satzung, die eine Verkürzung der Kündigungsfrist bei Milchlieferverträgen von 24 auf 12 Monate vorsieht. Die Geschäftsführung der Allgäuland Käsereien hatten die Generalversammlung genutzt, um ein weiteres Mal das Konzept der Restrukturierung des Unternehmens darzustellen und eine Zwischenbilanz der Sanierung zu ziehen. Das Krisenjahr 2009, geprägt von den schlechten Zahlen aus dem Jahr 2008, sei Vergangenheit, betonte Geschäftsführer Marcel Mohsmann. Seit März schreibe das Unternehmen schwarze Zahlen. „Bisher läuft alles nach Plan", sagte Mohsmann. Nachdem man sich von "schlechten Anteilen" getrennt habe, gehe es aufwärts. „Letztes Jahr haben wir Ihnen viel abverlangt. Das weiß ich zu schätzen", lobte Mohsmann die Bergbauern-Genossenschafter und warb um Vertrauen. Vor allem vom Käsegeschäft verspreche man sich viel. Der Markt für Spezialitätenprodukte sei die Chance für Allgäuland - und die Marke Bergbauern. Im früheren Exportmarkt Italien fasse man wieder Fuß. Und Geschäftsführer Paul E. Ritter sprach von einer „Bilderbuch-Sanierung", die Allgäuland derzeit durchlaufe und bat die Bergbauern um Vertrauen: „Wir brauchen Ihre Unterstützung, Ihr Vertrauen in die Zukunft."

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