Plünderungsverbot

Die Stadt Sonthofen ist Waldbesitzer. In etwa 20-jährigem Turnus wird für den Wald der Stadt ein so genannter Forstwirtschaftsplan erstellt. Diese Bestandsaufnahme ist zugleich Grundlage für die Bewirtschaftung des 402 Hektar umfassenden städtischen Waldes, der für Sonthofen vorrangig als Erholungswald dient, aber möglichst auch Geld in die Stadtkasse bringen soll. Nachhaltige Bewirtschaftung ist das erste Gebot, der Wald darf also nicht „geplündert“ werden.

Mehr als die Hälfte der städtischen Waldbestände ist jünger als 40 Jahre. Dass die Altersschicht von 80 bis 120 Jahre so dünn ist, liegt an den massiven Sturmschäden durch „Vivian" und „Wibke" und Käferbefall in den 1990er Jahren. Dieses Holz kann heute also nicht mehr genutzt und vermarktet werden, erklärt Klaus Dinser vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Kempten den rückläufigen Hiebssatz. Waren es vor rund 20 Jahren noch mehr als 1600 Festmeter pro Jahr, belief sich die Holzmenge im Jahr 2008 auf nur noch knapp 1400 Festmeter. Die „Inventur" im städtischen Wald für die Erstellung des Forstwirtschaftplanes bestätigte die Zielrichtung der Planungen, stellt Forstsachverständiger Dipl.-Forstwirt Bernhard Maier fest: Der Laubholzanteil stieg von acht Prozent (1986) auf 26 Prozent, nicht zuletzt wegen der nach den Stürmen und Käferkalamitäten entstandenen Jungbeständen. Im Gegenzug ging der Nadelholzanteil von mehr als 90 auf 74 Prozent zurück. Wermutstropfen: Der Weißtannen-Anteil fiel von vier auf drei Prozent zurück. Tatsächlich ist die Weißtanne auch im Wald der Stadt Sonthofen „ein Problem", wie Forstoberrat Klaus Dinser unterstreicht. Dabei wäre die Tanne genau jene Art, die für den "Wald der Zukunft" in Zeiten des Klimawandell ideale Eigenschaften mitbringt: Sie ist wenig anfällig gegen Insektenbefall und als Tiefwurzler besser gegen Stürme gefeit. Allerdings, so kommt Dinser auf die auch für Sonthofen gegebene Wald-Wild-Problematik zu sprechen, brauche die Weißtanne besser Rahmenbedingungen, wenn sie ihren Anteil stigern soll. Viele Verbissschäden „Die Waldbegänge zeigen in vielen Bereichen aktuelle Verbissschäden", stellt der Forstsachverständige Bernhard Maier in seiner Beschreibung des Waldzustandes fest. Zwei vor wenigen Jahren eigerichtete Wintergatter erfüllten nicht gänzlich die erhofften Verbesserungen was Verbiss- und Schälschäden angehe, bestätigt Dinser. Zwar sei es gelungen, durch die Wintergatter frische Schälschäden zu verringern, doch ganz zufriedenstellend sei die Situation nicht. Auch, weil es außerhalb der Gatter noch Wildfütterungen gebe. Wie Maier empfiehlt er der Stadt, die Entwicklung kritisch zu beobachten und auf Abschusserhöhungen zu drängen. Wegen der Rehwildbestände, so ergänzt Bernhard Maier in seiner Stellungnahme, würden die waldbaulichen Ziele nicht überall erreicht: „Das sollte man ändern", forderte er. Vor allem in Fichtenbeständen entdeckte Dipl.-Forstwird Maier „erhebliche Schälschäden"; betroffen seien etwa 75 Hektar von insgesamt 400 Hektar städtischer Waldungen. In einer „vorsichtigen" Modellrechnung kommt er auf eine Schadenshöhe von rund einer Million Euro, wenn man die Holzentwertung bei 50000 Festmeter mit 20 Euro Mindererlös ansetzt. Einig sind sich Forstfachleute und Stadtverwaltung, dass das oberste Ziel der Forstwirtschaftsplanung, der „naturnahe Mischwald", nur durch das Miteinander aller Beteiligten zu erreichen ist. Das bedeute, so der Tenor bei der Übergabe des neuen Forstwirtschaftplanes an Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl, eine intensive Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Jägerschaft. Dabei, so stellen Dinser und Maier fest, hätten die Jäger im Fall des stadtnahen Waldes kein leichtes Spiel, da der „Druck" der Bevölkerung auf den Wald, der ja auch Lebensraum für Wild sei, enorm ist. Neu sind Forstwirtschaftpläne für Sonthofen beileibe nicht. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden fortlaufen Wirtschaftspläne für das Gebiet der heutigen Stadt erstellt. Der jetzt vorgelegte aktuelle Forstwirtschaftsplan hat eine Laufzeit von 20 Jahren; nach zehn Jahren soll eine Überprüfung stattfinden, ob eine Ergänzung oder vorzeitige Erneuerung erforderlich erscheint. Bislang scheint man „gut gefahren" zu sein mit den Planungen, räumt Maier ein. Das Modewort „Nachhaltigkeit" stamme ja aus der Forstwirtschaft. Demzufolge werde dem Wald nur soviel an Holz entnommen wie nachwachse. Keine "Goldgrube" Aufgrund der jungen Waldstruktur ermittelte Maier einen jährlichen Zuwachs von 7,2 Festmeter pro Hektar Waldfläche. „Da sich junge Bestände erst aufbaue müssen, wurde ein Hiebssatz von 3,6 Festmeter pro Hektar und Jahr festgelegt", erläutert er die wirtschaftliche Seite der Waldnutzung. Als Goldgrube für die Stadt sieht Bürgermeister Buhl „seinen" Wald nicht. Die Bevölkerung der Stadt wünsche einen abwechslungsreichen Mischwald, da und dort mit Schneisen und Lichtungen mit Ausblicken. Wenn durch Holzverkäufe etwas verdient werde, um so besser.

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