Kraftwerk Älpele – liefert recharge.green die Lösung?

"Zwei Fronten treffen aufeinander"

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Engelbert Wille, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Älpele (von links), Thomas Frey vom Bund Naturschutz, Frank Pöhler von den Bayerischen Elektrizitätswerken und YPAC-Mitglied Kareem Banimoosa diskutierten über die Balance von Naturschutz und erneuerbaren Energien im Oberallgäu.

Sonthofen – Im Projekt „recharge.green“ wurden Lösungsansätze ausgearbeitet, wie der Spagat zwischen der Erzeugung erneuerbarer Energien und dem Schutz von Natur und Umwelt gelingen kann. Im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Haus Oberallgäu stand die Frage „Erneuerbare Energien und Naturschutz im Oberallgäu – ein Widerspruch?“

„Der Konflikt wird auf Kosten der künftigen Generationen ausgetragen!“, brachte Kareem Banimoosa, Gymnasiast und Mitglied im Jugendparlament der Alpenkonvention YPAC, die Meinung der Jugend auf den Tisch. „Jeder Jugendliche will die Energiewende. Wir wollen erneuerbare Energien und wir wollen die Natur schützen“, so Banimoosa weiter. Beim Thema erneuerbare Energien träfen zwei Fronten aufeinander: die Umweltverbände und die Energieerzeuger. Beide müssten Kompromisse finden, und das möglichst schnell. „Schließlich müssen ihre Kinder und Enkel einmal mit den Folgen leben!“

„Für nichts gibt’s nichts“, stellte Chris Walzer, der an der Projektentwicklung von „recharge.green“ beteiligt war, auf dem Podium klar, dass die Energiewende nicht ohne Eingriffe in die Natur gelinge. Dies sei auch dem Bund Naturschutz klar, sagte Thomas Frey. Allerdings müsse abgewägt werden. So habe die Windkraft in seinen Augen das größte Potential zur Energiegewinnung in Bayern und auch im Oberallgäu. Im Vergleich zu anderen Formen der Energiegewinnung habe die Windkraft verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf die Biodiversität. Die Wasserkraft sei in Bayern schon beinahe ausgeschöpft. Zwar liefere sie den meisten Strom, jedoch entfielen knapp 90 Prozent auf die großen Kraftwerke an Lech, Isar und Iller, die mehr als 4.000 kleinen Wasserkraftwerke in Bayern lieferten lediglich 10 Prozent der Energie.

Andreas Scharli vom Energiewende Oberland Kompetenzzentrum Energie bemängelte, dass bei der Umsetzung der Energiewende „zu viele Gremien“ mit reinreden. Die Kompromissbereitschaft der Umweltverbände sei zu klein, „wir haben einen ganzheitlicheren Blick!“

Gerade weil die Diskussionen um neue Kraftwerke sehr emotional geführt würden, seien die von „recharge.green“ geschaffenen Szenarien und „Entscheidungshelfer“ ein wichtiges Mittel, um alle Akteure an einen Tisch zu bekommen und die Konsequenzen von Windrädern, Wasserkraftwerken oder Solarzellen besser einschätzen zu können, hob Chris Walzer hervor.

Streitthema "Älpele"

Wie verhärtet die Fronten sein können, zeigte sich bei der Diskussion über das umstrittene Kraftwerk „Älpele“ in Hinterstein. Engelbert Wille, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Älpele, erzählte, dass man sich in Hinterstein Gedanken darüber gemacht habe, welche Möglichkeiten zur Gewinnung erneuerbarer Energien es dort gäbe. Als einzige Alternative sei die Wasserkraft geblieben, so Wille weiter. „Wir in Hinterstein gehen vernünftig mit der Wasserkraft um“, schließlich arbeite man dort schon seit mehr als 100 Jahren mit Wasserkraft. Wille warf dem Bund Naturschutz vor, die Gutachten zu missachten, laut denen das Kraftwerk voll genehmigungsfähig sei. Schließlich beeinträchtige es die Natur kaum. Auch wundere er sich, warum der Bund Naturschutz zwei Wasserkraftwerke in den letzten sechs Jahren befürwortet habe, die auch in Naturschutzgebieten lägen.

Die Eisenbreche, wo das Kraftwerk „Älpele“ geplant ist, liege in einem „ökologisch hochsensiblen Raum“, antwortete Thomas Frey für den Bund Naturschutz. Sie sei ein „einzigartiges Naturdenkmal“, das mehrfach geschützt sei. Sämtliche Stellen hätten das Kraftwerk abgelehnt, da die Gutachten „zu große Beeinträchtigungen“ der Natur bestätigten. Weiter hob Frey hervor, dass Hindelang bereits über eine hervorragende Versorgung mit erneuerbaren Energien verfüge; wenn weitere Solaranlagen installiert würden, „wären sie zu 100 Prozent autark“.

Der Bad Hindelanger Gemeinderat habe sich einstimmig für den Bau des Kraftwerks ausgesprochen, sagte Bad Hindelangs Dritter Bürgermeister Thomas Karg. Zuvor habe man alle anderen Alternativen abgewogen. Für Windkraft beispielsweise seien die Windgeschwindigkeiten im Gemeindegebiet zu niedrig. Am Naturdenkmal Eisenbreche selbst werde laut Karg beim Bau des Kraftwerks im Übrigen „gar nichts gemacht“.

Peter Nessler, Biobauer aus Niedersonthofen und Kreistagsmitglied für die ödp/UB, sprach von einer „falschen Diskussion: Wer gegen das Älpele ist, ist nicht gegen die Energiewende!“ Die Entscheidung sei eine Gratwanderung, die man genau abwägen müsse. So differiere die Wassermenge in der Eisenbreche so stark, dass das Kraftwerk nur an rund 80 Tagen im Jahr laufen könne. Auch der angenommene Ertrag von 9 Millionen KwH Strom sei falsch, da die Messungen an einer Stelle mit regelmäßigerem Wasserfluss durchgeführt worden seien. Weiter betonte Nessler, dass zwölf Träger öffentlicher Belange „Nein“ zu den Kraftwerksplänen gesagt hätten. Selbst die Fachbehörde am Landratsamt hätte die Unterschrift verweigert, so dass Landrat Anton Klotz die Genehmigung unterschrieben habe. „Ein einmaliger Vorgang“, so Nessler.

„Die Wirtschaftlichkeit steht nicht im Vordergrund“, antwortete Engelbert Wille auf die Frage von Moderatorin Heidrun Fammler, ob das „Älpele“ den wirtschaftlich arbeiten könne. Eine gewisse Wirtschaftlichkeit sei sicher da; wichtiger sei jedoch, dass die gesamte Wertschöpfung im Tal bleibe und die Stromversorgung gesichert sei.

Für Thomas Frey hingegen könnte das Kraftwerk Älpele schon allein deshalb nicht wirtschaftlich arbeiten, weil es nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz kein Anrecht auf Einspeisevergütung habe.

Eva Veit

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