"Hervorragende Leistung"

Über eine „positive Statistik“ für das Jahr 2012 kann sich der Leiter der Polizeiinspektion Sonthofen freuen. Vor allem der Rückgang der Gewaltkriminalität, so der Erster Polizeihaupkommissar Karl Zirngibl, sei efreulich und „bemerkenswert“.

Fast schon Standard für die Beamten der PI Sonthofen ist die sehr gute Aufklärungsquote, die mit 72,7 Prozent wieder den Spitzenwert im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West darstellt. Für Zirngibl mithin Ausdruck des großen Engagements aller 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienststelle. 

Die Anzahl „aktenkundig“ gewordener Straftaten lag mit insgesamt 1756 Delikten leicht unter der Marke des Vorjahres von 1822. Mit dem Rückgang von 3,6 Prozent liege die PI Sonthofen im Trend des Präsidiums, während die Fallzahlen für Bayern leicht anstiegen. „Natürlich sind wir bei unserer Tätigkeit auch auf die Mitarbeit und die Aufmerksamkeit der Bürger im Dienstbereich angewiesen“, sagt Zirngibl. Durch rechtzeitige Meldung verdächtiger Beobachtungen oder durch couragiertes Handeln konnten Straftaten verhindert oder mit aufgeklärt werden. 

Als eine Art Skala bei der Beschreibung der Sicherheit für eine Stadt oder Region wird gemeinhin die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl KHZ herangezogen. Der Wert errechnet sich aus der Zahl der bekannt gewordenen Straftaten bezogen auf 100 000 Einwohner. Die Polizeiinspektion Sonthofen liegt mit einer KHZ von 5009 (nach 5208 im Jahr 2011) deutlich über dem Wert von 4336 des Präsidiumsbereichs und auch über der KHZ für Bayern mit 4972. Der Zuständigkeitsbereich der PI Sonthofen reicht über das Stadtgebiet hinaus – von Bad Hindelang bis Ofterschwang, von Burgberg bis Fischen. 

Eindeutiger Schwerpunkt der Polizeiarbeit ist aufgrund der Einwohnerzahl die Stadt Sonthofen. Nicht etwa, weil die Sonthoferinnen und Sonthofer weniger gesetzestreu wären. Für „bemerkenswert“ hält PI-Chef Zirngibl den Rückgang bei der Gewaltkriminalität wie Raub und Körperverletzung, sowie bei Vermögens- und Fälschungsdelikten. Dennoch gab es einen versuchten Totschlag, als im September ein 30-jähriger Mann in der Hirschstraße in Sonthofen brutal zusammegeschlagen wurde. Der Täter konnte ermittelt werden und ist inzwischen verurteilt. 

Ein Stück weit schreibt Zirngibl den Rückgang bei Gewaltdelikten auch der verbesserten Organisation von Veranstaltungen zu und einer verstärkten Kontrolle beim Alkoholausschank. Exzesse könnten so eingedämmt werden, so Zirngibls Erfahrung. „Ganz im Griff hat man so was aber nie...“ In die andere Richtung zeigt dagegen der Trend bei Diebstahlsdelikten, wo die Bilanz 464 Fälle (nach 426) aufweist. Die Gründe für den Anstieg seien nicht eindeutig auszumachen, erläutert Zirngibl die Statistik. Auch bei der sogenannten Straßenkriminalität – Delikte die auf öffentlichen Straßen und Plätzen begangen werden – zeigt die Grafikkurve nach einem Rückgang im Jahr 2011 wieder nach oben mit 273 Delikten. Hier nahm vor allem Diebstahl aus Autos auffällig zu (um 21 Fälle auf 35). Fast 100 Fahrräder wurden als gestohlen gemeldet (14 mehr als im Jahr 2011). 

Als schwieriges Terrain für die Ermittlungsarbeit der Polizei erweist sich die Straßenkriminalität obendrein: nur gut 20 Prozent der Fälle können die Mitarbeiter der PI letztlich aufklären. Andererseits liegen die Beamten mit einer Aufklärungsquote für alle Delikte von 72,7 Prozent für das Jahr 2012 wieder deutlich über dem Durchschnitt für Bayern und das Schwaben Süd/West an der Spitze im Präsidiumsbereich. Zirngibl: „Eine gute Aufklärungsquote belegt nicht nur eine hervorragende Arbeitsleistung der Polizei, sie hat auch präventive Wirkung.“ 

Besonders wenig Chancen, ungeschoren davon zu kommen haben etwa Täter bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (fast 88 Prozent Aufklärung bei 245 Delikten und Rückgang um fast ein Drittel) und Wirtschaftsstraftaten, wo sämtlich acht Delikte als aufgeklärt zu verbuchen waren. Ähnlich erfolgreich sind die Polizeibeamten bei der Aufklärung im Falle von Körperverletzungen. 

Fast unverändert mit 185 Fällen blieb die Zahl der Rauschgiftdelikte. Hier hänge die Entwicklung sehr stark vom Kontrollverhalten der Polizei ab, räumt Karl Zirngibl ein. Sprich: wenn die Polizeibeamten intesinsiv ermitteln und recherchieren, werden sie häufiger „fündig“ und können womöglich Dealer dingfest machen. Seit Jahren ist die PI Sonthofen auf diesem Gebiet mit Präventionsmaßnahmen aktiv in Schulen, Vereinen oder auch der Bundeswehr. 185 Fälle weist die Jahresstatistik für Sonthofen aus; Cannabis ist mit 81 Fällen der Spitzenreiter. 

Angestiegen – von acht auf zwölf – ist auch die Zahl der Sexualdelikte, die zur Anzeige gebracht wurden. Davon entfallen vier Fälle auf sexuellen Missbrauch von Kindern; drei auf Vergewaltigung.

Josef Gutsmiedl

Rubriklistenbild: © Josef Gutsmiedl

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