Kein sorgenfreies Paradies im Allgäu

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Albert Müller, Leiter der Kriminalitätsbekämpfung, Polizeipräsident Werner Strößner und Christian Eckel, Polizeihauptkommissar und Pressesprecher, stellten die Kriminalstatistik 2016 des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West der Öffentlichkeit vor.

Oberallgäu – Wir leben in einer der sichersten Regionen Deutschlands, das geben die Zahlen der jetzt veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 her, aber ein sorgenfreies Paradies ist das Allgäu deshalb noch nicht.

Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West ist zuständig für ein rund 6000 Quadratkilometer großes Gebiet, das sich von Lindau im Westen bis Füssen im Osten und von Oberstdorf im Süden bis Günzburg im Norden erstreckt. Rund 2 000 Polizeibeamte sind in diesem Gebiet für die Sicherheit der Bürger, die Aufklärung von Straftaten sowie Kriminalprävention zuständig.

Zahlen stagnieren auf "niedrigem Niveau"

Konnte man über das Jahr 2015 als das Jahr mit der geringsten Anzahl von Straftaten berichten, so ist 2016 die Kriminalität um 3,8 Prozent gestiegen: Insgesamt wurden 43 055 Straftaten begangen. Allerdings wird diese Zahl noch um ausländerrechtliche Verstöße, wie etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, bereinigt. Somit liegen die Fallzahlen für 2016 bei 39 640, ein Anstieg um 1 Prozent. Polizeistatistiken arbeiten mit dem Begriff der Häufigkeitszahl (HZ) – die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner. Im Bundesvergleich stehen Bayern und der Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West gut da: Die Häufigkeitszahl nach bereinigten Straftaten bundesweit: 7 797; bayernweit: 6 871; Polizeipräsidium Schwaben Süd/West: 4 498.

Der Leiter der Kriminalitätsbekämpfung, Albert Müller, erklärte zum Thema Flüchtlinge und Straftaten: „Flüchtlinge sind an bereinigten Straftaten nicht überproportional beteiligt.“ Wenn es zu Straftaten mit Flüchtlingen komme, dann geschehe dies oftmals untereinander vor der Kulisse eines chronisch überfüllten Flüchtlingsheimes und mangels Abwechslung im Lebensalltag, weiß Müller zu berichten.

In vielen anderen Bereichen der Kriminalität aber sei ein überproportionaler Anteil ausländischer Straftäter durchaus erkennbar. „Das kann sowohl ein Mitglied einer osteuropäischen Diebesbande sein aber auch ein holländischer Tourist, der ein paar teure Skier mitgehen lässt“, erläutert Strößner. Von den (bereinigten) 39 640 Straftaten, die im Jahr 2016 zur Anzeige kamen, waren Zuwanderer (Menschen mit dem Status Asylbewerber, Duldung, Bürgerkriegsflüchtlinge oder Illegale) an 2 193 beteiligt; 1 736 Tatverdächtige konnten ermittelt werden. 870 dieser Straftaten wurden in Asylbewerberunterkünften begangen.

In diesem Zusammenhang bericjhtetet der Polizeipräsident zudem, dass es im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West keine nennenswert hohe Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten gebe.

Diebstahl als größte Deliktsgruppe

Die Gewaltkriminalität stieg 2016 um 28 auf 1 353 Fälle, was in etwa dem Zehnjahresdurchschnitt entspricht. Mit 86,8 Prozent gelang es der Polizei, die hohe Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich beizubehalten. Die Straßenkriminalität sank im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent auf 5 926 Fälle. Der Bereich der Diebstahlskriminalität stellt mit 10 984 Fällen nach wie vor die größte Deliktsgruppe dar. Gegenüber dem Vorjahr sanken hier die Fallzahlen um 3,1 Prozent auf das Niveau von 2014.

Im Bereich der Rauschgiftdelikte gelang es im vergangenen Jahr 3 829 Fälle aufzudecken, was eine Steigerung um 32,5 Prozent zum Vorjahr entspricht. Der Hintergrund hierfür ist die Intensivierung der Kontrollen im Jahr 2016. Zudem mussten 16 Rauschgifttote verzeichnet werden.

Bei den Sexualdelikten konnte ein Rückgang um 3,8 Prozent auf 436 Fälle verzeichnet werden. Da sich Sexualdelikte in den allermeisten Fällen innerhalb des Verwandten- und Bekanntenkreises abspiele, gebe es hohe Dunkelziffern. Auch sei der Anteil von Falschanzeigen in diesem Deliktsbereich relativ hoch, so die Verantwortlichen.

Zahl der Wohnungseinbrüche macht Sorge

Die Anzahl der Wohnungseinbruchsdiebstählen steigt seit Jahren kontunierlich an. Besonders betroffen sind die Landkreise Neu-Ulm, das Ostallgäu und Kempten mit dem Altlandkreis. Die Aufklärungsquote lag bei 20,1 Prozent. Trotz dem diese Zahlen nicht belastbar sind, ziehen die Verantwortlichen Schlüsse aus aufgedeckten Straftaten. Wie unlängst beim Erfolg der Ermittlergruppe „Feuersee“, die einer serbischen Einbrecherbande das Handwerk legen konnte, stehen bei den Einbruchsdelikten osteuropäische Diebesbanden im Visier der Fahnder. In diesem Bereich möchte das Polizeipräsidium gezielt um die Mithilfe der Bevölkerung bitten. „Wir sind froh und dankbar über jeden Hinweis aus der Bevölkerung“, sagt Strößner. Wünschenswert wäre, „dass Hinweisgeber die Rufnummer 110 anrufen und nicht den Umweg über die Polizeiinspektion wählen. Die 110 ist nicht nur die Notrufnummer sondern auch erste Wahl, wenn es um Hinweise zur Straftatsverhinderung geht.“

Im Internet befinden sich zudem wertvolle Tipps, wie sich Bürger vor Einbrüchen schützen können und welche „No-Gos“ zu beachten sind. Kritzeleien neben Hauseingängen oder vor Haustüren können z.B. Geheimzeichen von Auskundschaftern an die eigentlichen Einbrecher sein.

Zahlen zur Kriminalität im Oberallgäu

PI Immenstadt: 1 235 Straftaten (bereinigt), Aufklärungsquote (AQ) 75,3 Prozent, Häufigkeitszahl (HZ) 4 379. Signifikanter Anstieg im Bereich der Rauschgiftdelikte um 87,5 Prozent. 

PI Oberstaufen: 294 Straftaten, AQ 75,5 Prozent, HZ 3 896.

PI Oberstdorf: 602 Straftaten, AQ 62, HZ 5 503. 

PI Sonthofen: 1 678 Straftaten, AQ 71 Prozent, HZ 4 688, auch hier ein signifikanter Anstieg der Rauschgiftdelikte um 57,1 Prozent.

jsp/eva

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