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Postverteilerzentrum in Sonthofen: Informationsveranstaltung bringt keine Entspannung

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Von: Josef Gutsmiedl

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Postverteilerzentrum in Sonthofen Illerried
Seit Jahren wird das Gelände als Stell- und Lagerplatz von Baufirmen genutzt. © Josef Gutsmiedl

Sonthofen – Der Streit über den Bau eines Postverteilerzentrums im Gewerbegebiet „Illerried“ ist auch nach einem Treffen von allen Beteiligten nicht ausgeräumt. 

„Es passt genau“, meinen die einen. „Das passt gar nicht“, sagen die anderen. Der Streit darüber, ob im Gewerbegebiet „Illerried“ ein Postverteilerzentrum gebaut wird, ist noch nicht ausgeräumt. Die „frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit“ in Form einer Informationsveranstaltung brachte die kontroverse Diskussion kaum voran. Die Stadtverwaltung hatte für diesen Abend auch Vertreterinnen und Vertreter der mit der Planung befassten Fachbüros zugezogen, sowie die Firma Geiger als Grundeigentümer und die Deutsche Post als künftigen Betreiber des Zentrums. Geiger beabsichtigt, das benötigte Gebäude auf eigenem Grund in der Nordwest­ecke des bestehenden Gewerbeareals im Rahmen des bestehendes Baurechtes zu errichten (wir berichteten).

Dabei handle es sich nicht um ein typisches Logistikzentrum, wie der Vertreter der Deutschen Post erläuterte. Es würden hier nur Sendungen auf die einzelnen regionalen Zustellbezirke vorsortiert und den Zustellfahrzeugen – weitgehend E-Autos – zugeführt. Es gebe keinen Filialbetrieb mit Kundenverkehr.

„Das Postverteilerzentrum ist nicht die Ursache allen Übels“

Bürgermeister Christian Wilhelm zeigte durchaus Verständnis für die zahlreich vorgetragenen Bedenken und Befürchtungen, stellte aber auch fest: „Sicher, es gibt immer einen besseren Standort.“ Aber letztendlich sei es jetzt Sache der Stadt und des Stadtrates, alle im Zuge des Verfahrens relevanten Fakten abzuwägen und schließlich eine Entscheidung zu treffen, die allen rechtlichen Würdigungen Stand halte. Dabei würden sämtliche bau- und umweltrechtlichen Aspekte beachtet. Er selbst, so Bürgermeister Wilhelm, könne das Vorhaben „vertreten wie es jetzt geplant ist“. Und: „Das Postverteilerzentrum ist nicht die Ursache allen Übels.“

Gelegenheit Einwände und Bedenken einzubringen gibt es im weiteren Verlauf des Planungs- und Genehmigungsverfahrens. „Wir stehen tatsächlich erst am Anfang des Verfahrens“, ergänzte Fritz Weidlich, Leiter des Fachbereichs Bauwesen der Stadt, „nichts ist in Stein gemeiselt.“ Jeder Beschluss müsse rechtlich abgesichert sein. Und schließlich habe die Stadt gerade über einen sogenannten Vorhabenbezogenen Bebauungsplan eine Handhabe, viele Detail explizit vertraglich zu regeln.

Kritik an dem Projekt

Inzwischen haben Riedener Bürgerinnen und Bürger – vor allem Anwohner der Iller- und der Mittagstraße, sowie des angrenzenden Wohngebietes – eine Interessengemeinschaft gegründet. Bereits im Frühjahr hatten Anwohner mehrere hundert Unterschriften gegen das Projekt der Post im Rathaus abgegeben. Die Kritik an dem Projekt gilt vor allem dem zusätzlichen Fahrzeugverkehr im Umgriff des Gewerbegebietes, der längst „seine Grenzen erreicht“ habe, wie es der ehemalige Stadtrat Rudi Gropper formulierte. „Wir fühlen uns nicht mehr wohl.“ Alles, was jetzt noch dazukomme, werde als zusätzliche Belastung empfunden. Und wer das nicht glaube, dem bot Gerlinde Horn aus der Illerstraße an, doch eine Nacht in ihrem Haus Probe zu schlafen: „Da haben Sie aber bald ausgeschlafen!“

Eine Zunahme befürchtet die IG Rieden sowohl durch den Betrieb des Postverteilerzentrums, als auch von einem geplanten Supermarkt (an Stelle des ehemaligen C&C-Marktes). „Für die Zukunft der Stadt ist es ein Irrsinn, dieses Ding da hinten reinzuklatschen“, so eine empörte Mutter dreier Kinder. „Es wird wachsen und immer mehr Verkehr nach sich ziehen“, fürchtet sie. „Wohin führt das?“

Laut Studie keine Zunahme des Verkehrs

Fritz Weidlich erkannte den Kern aller Bedenken der Anwohner in der Verkehrssituation: „Wir diskutieren über die allgemeine Problematik, die es hier seit Jahren gibt.“ Genau dieses Problem werde aber die Zunahme des Verkehrs durch den Betrieb des Verteilerzentrums nicht verschärfen, so die Untersuchungen des Fachbüros.

Auch wenn die 13 bis 14 000 Fahrzeuge auf der Illerstraße (Kreisstraße OA 5) „eine ganze Menge“ darstelle, könne die Straße und die Ampelregelung das Mehr „leisten“. Selbst in Spitzenzeiten am Morgen und am späten Nachmittag, so die Auswertungen und Berechnungen. Es funktioniere „recht ordentlich“ und werde das auch weiterhin tun. Die IG dagegen schätzt, dass rund 600 Fahrzeugbewegungen durch das Verteilerzentrum verursacht werden; die Stadt kommt auf 300.

Bau auf ehemaliger Mülldeponie

Auch die verkehrsbedingte Feinstaubbelastung sei den Untersuchungen zufolge kein Thema: Nichts spreche gegen die Umsetzung des Projektes; Grenzwerte würden in keinem Fall erreicht. Dasselbe gelte auch für die Lärmbelastung. Besondere Maßnahmen im Genehmigungsverfahren seien nicht erforderlich. Auch der Umstand, dass das Gelände bis in die 1970er Jahre als Hausmülldeponie und Schuttplatz genutzt wurde sei nicht als Ausschlusskriterium zu werten, so die fachliche Beurteilung der Planung. „Eine Bebaubarkeit ist grundsätzlich gegeben“, so Christoph Kaufmann vom Büro Geo-Consult in Blaichach.

Da die Bodenplatte des geplanten Gebäudes quasi wie ein Deckel auf den einstigen Schuttplatz der Stadt gesetzt würde und die Pfahlbauweise die Grundwasser führenden Schichten nicht erreiche, seien keine Beeinträchtigungen zu erwarten. „Wir deckeln die alte Deponie zu – was Besseres kann uns nicht passieren“, ergänzte Christoph Stöberl, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung.

Genau hier will die Interessengemeinschaft Rieden ansetzen. Es könne nicht sein, dass die Altlasten in der ehemaligen Mülldeponie ohne gründliche Untersuchung überbaut würden, so Gerlinde Horn.

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