Leere Betten – leere Kassen

Privatvermieter und Gastronomie: Die Not ist groß

Protest der Privatvermieter in Sonthofen
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Unsere Betten bleiben leer. Mit einer Vielzahl von Plakaten und Schildern protestierten Privatvermieter aus der Region gegen das Beherbergungsverbot.

Oberallgäu – Durch die Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wurden viele touristische Angebot genauso ausgebremst und gestoppt wie die Gastronomie und die Beherbergung von Urlaubsgästen. Mit einer Kundgebung in Sonthofen machten rund 300 Betroffene ihrem Ärger Luft: „Es reicht!“, so der Aufschrei der Branche – verbunden mit der Forderung an die Politik, spätestens zu Ostern eine Öffnung zuzulassen.

„Diese Kundgebung zeigt, wie groß die Not ist!“, brachte es Angelika Soyer vom Verein „Mir Allgäuer – Urlaub auf dem Bauernhof“ auf den Punkt. Die Vermietung an Urlauber im Zuerwerb sei längst ein wichtiges Standbein vieler bäuerlicher Familienbetriebe im Allgäu.

Armin Hollweck vom Kreisverband des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes ergänzte: „Die Wut ist groß.“ Jedes vierte Unternehmen der Branche stehe vor dem Aus nach einer fast sechsmonatigen Schließung. Und: Es fehle weiterhin jede Perspektive, wie und wann es weitergehe, so die einhellige Klage. Spätestens an Ostern müsse geöffnet werden. „Und zwar am Samstag vor Ostern und nicht erst nach den Feiertagen“, meinte Angelika Soyer. Tief in der Krise steckten auch die regionalen Brauereien, sagte Niklas Zötler, Brauerei-Chef aus Rettenberg. Es sei ein Drama, dass die Betroffenen jetzt auf die Straße gehen müssten. Die Brauereien seien erklärter Partner der Gastronomie, versicherte er.

»Wir müssen aus dem Desaster raus«

Das leere Bett symbolisierte die Misere der Beherbergungsbetriebe und Privatvermieter im Allgäu. Margret Hohberger (von links), Angelika Soyer und Armin Hohlweck forderten im Namen aller Betroffenen eine „verlässliche Perspektive“ und Öffnung der Häuser ab Ostern.

Ein symbolischer Friedhof – gebildet aus Schildern und Plakaten – vor dem Landratsamt in Sonthofen bildete die Bühne für eine Kundgebung, mit der die Verbände und Interessenvertretungen der Gastgeber- und Gastronomiebetriebe auf ihre schwierige Situation in der Pandemie aufmerksam machten. Mit dem erneuten Lockdown und dem Beherbergungsverbot seien die Allgäuer Gastgeber in massive Existenznot geraten, so die gemeinsame Klage des Kreisverbandes des Bayerischen Hotel und Gaststättenverbandes, der Anbietervereinigung „Mir Allgäuer – Urlaub auf dem Bauernhof“ und des Vereins „Gastgeber mit Herz“. Mit dem Motto „Es reicht!“ forderten die Vertreter der Verbände eine Öffnung spätestens zu Ostern.

Angelika Soyer, Vorsitzende von „Mir Allgäuer“ mit rund 520 Mitgliedsbetrieben, beklagte, dass ausgerechnet auch diejenigen Beherbergungsbetriebe ohne jede Hilfszahlungen im Regen stünden, die etwa die Nische „Urlaub auf dem Bauernhof“ bedienten. Nur wenn mehr als die Hälfte des Einkommens aus der Vermietung erfolgten, seien die bäuerlichen Familienbetriebe antragsberechtigt. „Da fehlt auf den Höfen das Geld vorn und hinten“, so Soyer mit Blick auf die seit November aufgelaufenen Einkommensausfälle. „Dabei ist die bäuerliche Landwirtschaft das Rückgrat des Tourismus im Allgäu!“ Wenn mit dem „Urlaub auf dem Bauernhof“ das zweite Standbein wegfalle, sehe sie die Existenz vieler Höfe gefährdet. „Wir müssen aus dem Desaster raus!“, so ihr Appell.

Für „absolut unverständlich“ hält der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, Armin Hollweck, das Beherbergungsverbot. Hotellerie und Gastronomie hätten bereits im vergangenen Sommer bewiesen, dass ihre Hygienekonzepte zuverlässig seien. Selbst das Robert-Koch-Institut habe das Infektionsrisiko als gering bewertet. Jetzt sei es an der Zeit, klare Wege und Planungssicherheit zu schaffen. „An Ostern müssen wir öffnen können!“, forderte Hollweck. „Wir wollen wieder für unsere Gäste da sein dürfen.“ Es gehe auch um Arbeitsplätze.

Margret Hohberger von „Gastgeber mit Herz“ pflichtete bei: „Unser Gäste wollen kommen und unsere Heimat genießen!“ Um die bisherigen Ausfälle zu kompensieren, müsse pro Bett und Monat der Schließung 300 Euro an Hilfszahlung fließen, da andere Programme die Privatvermieter außen vor ließen.

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