Sonderausstellung zur Reformation im Museum Hofmühle in Immenstadt

Hier war Luther nie! Die Reformation kam erst mit der Eisenbahn im Allgäu an

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Hartmut Happel (links) führt die ersten Besucher bei der Eröffnung durch die neue Sonderausstellung „Luthers Spuren im südlichen Oberallgäu“.

Immenstadt – Martin Luther, dessen historischer Thesenanschlag an der Kirche zu Wittenberg im Jahr 1517 heuer als „500 Jahre Reformation“ gefeiert wird, war nicht im Allgäu. Nie.

Eine Sonderausstellung im Museum Hofmühle in Immenstadt beleuchtet dennoch die regionalen Aspekte der Reformation und wie „die Lutherischen“ hier Fuß fassten und Luthers Ideen und Ideale im Oberallgäu „einschlugen“.

Spuren hinterlassen im Oberallgäu hat Martin Luther bestimmt nicht. Der Reformator war niemals in der Region, nicht in Immenstadt, nicht in Kempten, Memmingen oder Ulm. 1518 sollte er vor dem Reichstag in Augsburg seine 95 Thesen widerrufen – brannte aber bei Nacht und Nebel durch und vertrat weiterhin seine Ansichten zu Glauben und Kirche. Tatsächlich dauerte es bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, bis seine „Lehre“ im Oberallgäu ankam – mit Menschen, die aus „lutherischen Gegenden“ zuzogen.

„Die Lutherischen“ waren nicht einfach da, nur weil in anderen Ecken und Enden des Landes die Reformation und die Ideen und Ideale Martin Luthers Anhänger fanden. „Immenstadt war lange Zeit gut und rein katholisch“, skizzierte Ulrich Gampert, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Immenstadt, die Entwicklung. Luthers Spuren finden sich erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als ein Constantin Frey aus Kempten eine Immenstädterin heiratete. Der „Lutherische“ aus Kempten sei der Erste, der eine „in der Religion gemischte Ehe im Orte Immenstadt und dem ganzen Landgericht“ eingehe, so die Kritik des damaligen Stadtrates. Der Rat konnte diese erste „wilde Ehe“ nicht verhindern. 

Dennoch blieben die reformierten Christen für lange Zeit nur eine Handvoll im Landgerichtsbezirk. Man war und blieb katholisch auf dem Land. Massiv geändert hat sich das erst, als Mitte des 19. Jahrhunderts der Eisenbahnbau auch Kempten und Immenstadt erreichte. Jetzt kamen scharenweise Arbeiter aus Franken ins Land – und die waren oftmals längst „Lutherische“. Schon 1862 wurde in Immenstadt ein „protestantisches Bethaus“ eingeweiht, die spätere „Erlöserkirche“. Die Gemeinde umfasste damals gut 100 „Seelen“. Um die Jahrhundertwende waren es schon 700, nicht zuletzt wegen der Industrieansiedlungen etwa in Immenstadt und Blaichach, wie Hartmut Happel vom Kirchenvorstand berichtet. 

Happel hat die Sonderausstellung federführend organisiert und arrangiert, führt Gruppen durch die Räume und erläutert dabei die Spuren Luthers und der Reformation. Mit einer losen Sammlung von Spottbezeichnungen und bösartigen Schimpfworten für die „Reformierten“ dokumentiert die Ausstellung auch, dass es nicht reibungslos abging als immer zahlreicher evangelische Christen ins Land kamen und zu neuen Nachbarn wurden: Von „Wüstgläubigen“ oder „giftigem Hauch“ war da die Rede. Auf dieser Tafel findet sich auch – fast versteckt – das Emailschild „Luther war hier nie!“ Das Wort „nie“ ist übrigens ganz klein geschrieben... 

In der Ausstellung wird neben der Geschichte der „Evangelen“ im Oberallgäu auch die aktuelle seelsorgerische und soziale Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde Immenstadt dargestellt und die „gelebte Ökumene“ der beiden christlichen Konfessionen im Oberallgäu. Zu sehen sind unter anderem auch zwei Kostbarkeiten aus dem Besitz der Erlöserkirche: Abendmahlgerätschaften, die Königin Marie von Bayern zur Einweihung der neuen Kirche im Jahr 1862 geschenkt hatte, und eine Altarbibel, die die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria im Jahr 1899 stiftete. 

Als Wegweiser und angelehnt an die 95 Thesen Luthers werden demnächst 95 große gemalte Fußabdrücke von der Erlöserkirche durch die Stadt ins Museum Hofmühle führen. Als symbolische „Spuren“ Martin Luthers. Auch ein Rahmenprogramm haben sich die Macher der Ausstellung zu Luthers Spuren zusammengestellt. Am Donnerstag, 26. Oktober, spricht um 19.30 Uhr Hans-Martin Gloël (Kirchenrat beim Landeskirchenamt in München ) über „Die Paulis – eine Familie in Immenstadt. Ihre Rolle bei Bahnbau, Gründung der evangelischen Gemeinde und der Bildung junger Frauen“. 

Die Ausstellung „Luthers Spuren im südlichen Oberallgäu“ im Museum Hofmühle ist noch bis 31. Dezember zugänglich. Informationen unterwww.museum-hofmuehle.de.

Josef Gutsmiedl

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