Neue Sonthofer Geschichte(n)

Eine Punktlandung für das Buch „Sonthofen im 20. Jahrhundert“ gelang dem Chronik-Team mit Astrid Schwarz (von rechts), Yvonne Hettich, Manfred Heerdegen und Eva Veit. Mit im Bild Alt-Bürgermeister Karl Blaser (links) und Bürgermeister Hubert Buhl (hinten).

Sonthofen - Die Sonthofer Stadtgeschichte hat ihre „Fortsetzung“. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum der Stadterhebung im Jahr 1963 wurde jetzt mit dem Band „Sonthofen im 20. Jahrhundert“ eine Fortführung des 1978 erschienen letzten Werkes zur Orts- und Stadtgeschichte vorgelegt.

Vier Jahre lang widmete sich ein vierköpfiges Autorenteam den wesentlichen Themen der Stadtentwicklung und der jüngeren Stadtgeschichte. Das 288 Seiten starke Buch sollte sich bewusst vom Strickmuster klassischer Chroniken abheben und die Menschen und ihren Umgang mit den „Umständen und Verhältnissen“ beschreiben. Dass die „alte Stadtgeschichte“, die 1978 unter dem Titel „Sonthofen im Wandel der Geschichte“ erschienen war, ergänzt werden müsse, hatte der Sonthofer Stadtrat in einem Beschluss vor vier Jahren bekräftigt. 

Nicht zuletzt, weil die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt seit etwa 1900 in diesem Standardwerk nur unzureichend behandelt wird. Das war der Anstoß für die „neue Chronik“, die sich allerdings von einer üblichen Beschreibung der einzelnen Jahre und Jahrzehnte unterscheiden sollte. Die „alte Stadtgeschichte“ sei zwar sehr gut aufbereitet, doch nur schlaglichtartig auf die wesentlichen Ereignisse und Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts eingegangen, betont Manfred Heerdegen, der sich zusammen mit den Autorinnen Yvonne Hettich, Astrid Schwarz und Eva Veit Anfang des Jahres 2010 an die Arbeit für das neue Buch machte. „Wissenschaftlich fundiert und zugleich lesbar“ sollte das Werk werden. Also keine „klassische“ Darstellung, vielmehr eine markante Aufbereitung anhand von Dokumenten, Quellen und authentischen zeitgenössischen Belegen und Berichten. 

Ein großer Teil des Buches widmet sich der Ereignisse während der Zeit des Nationalsozialismus und dem späteren Aufstieg der Stadt zur Drehscheibe der Region. Die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung , Ehrenamt, Tourismus, Gesundheitswesen und Kirchen sind weitere Inhalte. Erschwert wurde die Arbeit nicht zuletzt durch die Tatsache, dass kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs das Archiv des damaligen Marktes Sonthofen bei einem Fliegerangriff in Flammen aufging. Umso wertvoller war folglich die Unterstützung des Heimatdienstes Sonthofen, sowie zahlreicher Zeitzeugen und des Stadtarchivars Fritz Ketterle. 

„Ein solches Projekt ist immer auch ein Stück Detektivarbeit“, sagt Manfred Heerdegen. Viele Stunden verbrachten er und seine drei Mit-Autorinnen in den Archiven in München und Augsburg bei der Literaturrecherche. Dazu wurden bergeweise Akten und alte Zeitungen ausgewertet... „Ganz wichtig waren uns die Gespräche mit Sonthofer Bürgerinnen und Bürgern“, verweist Heerdegen auf die Rolle der Zeitzeugen. Dabei gab es auch das eine oder andere Aha-Erlebnis. So entdeckte das Chronik-Team, dass bis in den Herbst 1914 hinein eine eigene Tageszeitung für Sonthofen erschien. 

Sonthofer Geschichte von Kindesbeinen an miterlebt hat etwa auch Altbürgermeister Karl Blaser. Und 30 Jahre lang - von 1964 bis 1994 - hat er als Erster Bürgermeister daran mitgeschrieben. Bei der offiziellen Vorstellung des neuen Werkes zeigte sich Blaser „saumäßig gespannt“ auf das Buch. Für ihn sei das Buch eine Würdigung der Arbeit aller Stadträte. Blaser erinnerte an die turbulenten Jahre, als sich Sonthofen und das benachbarte Immenstadt in den Haaren lagen beim Streit um den Sitz der Kreisverwaltung. „Schon 1947 hat Immenstadt versucht, den Sitz der Kreisverwaltung mit Gewalt an sich zu ziehen“, so Blaser. Bei der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre „händ’s d’Immenstädter wieder versucht“. Das Landratsamt blieb in Sonthofen. 

Mit Schlitzohrigkeit gingen die Sonthofer offenbar im Vorfeld der beantragten Stadterhebung ans Werk. Auf dem Dienstweg über die Kreisverwaltung, Regierung von Schwaben und das Innenministerium dauerte es seine Zeit mit dem Antrag. Doch in Sonthofen wartete man nicht einfach das das grüne Licht aus München ab, sondern ließ derweil Beziehungen spielen, bis der damalige Innenminister und spätere Bayerische Ministerpräsident, Dr. Alfons Goppel, signalisierte, dass Sonthofen - ganz offiziell - zur Stadt erhoben werde. Hauptamtsleiter Leonhard Bröll steckte längst in den Vorbereitungen für die große Feier zur Stadterhebung im Sommer 1963. 

Ab sofort ist das Buch „Sonthofen im 20. Jahrhundert“ im örtlichen Buchhandel und im Gästeamt Sonthofen im Rathaus erhältlich; der 288-seitige Band mit zahlreichen Fotos kostet 29,90 Euro.

Josef Gutsmiedl

Auch interessant

Meistgelesen

Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Reichsbürgerhort im Oberallgäu?
Reichsbürgerhort im Oberallgäu?
Keine 50-Millionen-WM für Oberstdorf
Keine 50-Millionen-WM für Oberstdorf

Kommentare