Pulse-of-Europe-Kundgebung zog viele auf den Oberallgäuer Platz

Es geht nur gemeinsam - Ein klares "Ja" zu Europa in Sonthofen

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Schirme, Flaggen, Luftballons – der Oberallgäuer Platz stand am Samstag ganz im Zeichen Europas.

Ein Zeichen für Europa setzte am Samstag die „Pulse of Europe“-Kundgebung auf dem Oberallgäuer Platz in Sonthofen. Zahlreiche Menschen waren gekommen, ein Meer aus Europaflaggen, -luftballons und angesichts des trüben Wetters auch -regenschirmen schmückte den zentralen Platz in Son­t­hofen.

„Wählt eure Zukunft!“, rief Organisator Dr. Peter Siegel die Menschen auf, zu den Europawahlen zu gehen und sich vorab darüber zu informieren, wie die einzelnen Parteien zu Europa stehen. Denn Europa geht uns alle an, und die Entscheidungen des Europäischen Parlaments haben Auswirkungen auf das tägliche Leben. Viele der Regelungen seien sehr sinnvoll, so Siegel weiter. So habe das EU-Parlament nicht nur eher seltsame Entscheidungen getroffen, beispielsweise wie krumm eine Gurke sein darf, sondern auch wirklich wichtige. Ohne das EU-Parlament würde der Hambacher Forst nicht mehr stehen, und auch Regelungen bezüglich des CO²-Ausstoßes wären nicht möglich gewesen.

Ich bin Europäer!

Paul Boos aus Sonthofen erzählte in seinem Redebeitrag von einem Gespräch, das er vor mehreren Jahren mit einem französischen Gendarmen geführt hat. Der Gendarm kam aus dem Elsass, ein französisches Departement mit wechselvoller Geschichte. So war das Elsass von 1871 bis 1918 ein Teil Deutschlands, nach dem 1. Weltkrieg bis zur Annexion durch Deutschland im Jahr 1940 und seit Ende des 2. Weltkriegs ein Teil Frankreichs. Der Gendarm, so Boos, sagte zu ihm: „Ich bin Europäer! Mein Vater kämpfte im 2. Weltkrieg als Franzose gegen Deutsche, mein Großvater kämpfte im 1. Weltkrieg als Deutscher gegen Franzosen. Ich will das nicht!“ Boos fügte hinzu, dass er kommende Woche nach Niederbronn-les-Bains im Elsass fahren werde – eine Kriegsgräberstätte, in der fast 16 000 im 2. Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten liegen, darunter der Vater seiner Frau. Seit 70 Jahren hat es in Europa keinen Krieg mehr gegeben, so Boos weiter. Diesen Frieden gelte es zu erhalten.

Europa steht für Frieden

In seinem eindrucksvollen Redebeitrag zählte auch der ehemalige deutsche Finanzminister und „Vater des Euro“, Theo Waigel, die Vorteile und Errungenschaften eines gemeinsamen Europa aus. Reisen, so Waigel, sei heutzutage so viel einfacher als früher. Eine gemeinsame europäische Währung, keine Grenzkontrollen – die Menschen haben die Möglichkeit zur Begegnung.

Ohne die Europäische Union wäre die Wiedervereinigung Deutschlands nicht möglich gewesen, hob Waigel hervor. Er erinnerte daran, dass noch im Jahr 1989 rund 500 000 sowjetische Soldaten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert waren. Plus russische Panzer, plus russische Raketen. Ein Bedrohungsszenario, das mit der Wiedervereinigung verschwand – ein weiterer Schritt für den Frieden.

Auch sein Bruder liege auf dem Soldatenfriedhof in Niederbronn-les-Bains, erzählte Waigel. Auf dem Grabstein seines Bruders liegen Euro-Münzen aus vielen Ländern; der Leiter einer benachbarten Jugend- und Bildungsstätte wolle den Besuchern des Friedhofes zeigen, wie wichtig Europa für den Frieden ist. Er erzähle den Besuchern, oftmals Jugendlichen, dass in diesem Grab der Bruder des Mannes liege, der maßgeblich an der Einführung des Euro beteiligt gewesen war. Die Euromünzen sind auf einer Seite europäisch, auf der anderen Seite national gestaltet – zur Zeit des 2. Weltkrieges waren sie noch auf beiden national. Viele der Besucher seien beeindruckt und legten eine Münze aus ihrem Geldbeutel auf den Grabstein.

„Wir leben in einer großartigen Welt. Für alte Menschen war noch nie so viel Teilhabe wie heute möglich!“, so Waigel weiter. Natürlich müsse noch viel getan werden, so beispielsweise gegen die in manchen europäischen Ländern extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit oder für die Belange von behinderten Menschen. Aber das gehe nur gemeinsam. „Nur ein gemeinsames Europa ist in der Lage, für Frieden und Freiheit zu sorgen!“

eva

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