"Putsch" in Oberstrdorf?

Otto-Mäx Fischer: „Ich bin gefragt worden.“ Foto: Heinrich Bonert

Der Machtkampf um die Führung der Oberstdorfer Tourismus GmbH (OTG) hat sich weiter zugespitzt. Die Fronten sind nach wie vor verhärtet, wie sich auch bei einer Veranstaltung am vorigen Freitag zeigte. Die Freien Wähler (FW) hatten eingeladen, um detailliert über die Ereignisse der letzten Wochen zu informieren. Sie sehen den Tourismus als gemeinsames Anliegen aller Bürger und Vermieter und nicht als „Spielball von Einzelinteressen“. Inzwischen hat Otto-Mäx Fischer zum 1. Februar die Stelle als OTG-Geschäftsführer angetreten. Auf einer für den 10. Februar anberaumten Gesellschafterversammlung soll diese Benennung Kraft Mehrheit der Gemeindeanteile wieder rückgängig zu machen.

Zur Vorgeschichte: Nachdem die Tourismusdirektorin Dr. Silvia Nolte die Geschäftsführung der OTG niedergelegt hatte, bestimmte deren Aufsichtsrat – für viele überraschend - Fischer zum neuen Geschäftsführer (der KREISBOTE berichtete). Bürgermeister Laurent Mies stoppte daraufhin die gesamte Tourismusreform. Er sehe „derzeit keine Rechtfertigung sämtliche Ressourcen wie Personal, Wissen, Geldmittel und Daten von den Kurbetrieben an die OTG zu übertragen“, so Mies. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, dass sich „die OTG verselbständigt und der Gemeinderat nicht mehr die Interessen des Oberstdorfer Tourismus insgesamt wahrnehmen kann“, geht es ihm „um die grundsätzliche Frage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit“. Laut Gemeinderatsbeschluss soll mit Heidi Thaumiller eine Oberstdorferin befristet die Geschäfte führen. Zwischenzeitlich hatten sich führende Vertreter aus Vermieterschaft, Gewerbe und Gastronomie für Fischer eingesetzt. Er selbst hält die Privatisierung des Managements für den richtigen Weg. Grüne und die CSU-Fraktion unterstützen den Bürgermeisterkurs. Die Grünen bezeichneten Fischer „als nicht geeignet“ für den Posten. Die Umstrukturierung sei „völlig aus dem Ruder gelaufen“, spricht die CSU von einem „Putschversuch“. Wie viel Porzellan schon zerschlagen und wie verfahren und entzündet die Situation ist, wurde auf der FW-Veranstaltung deutlich. Während vom nur einen Steinwurf entfernten Winterfest Stimmungsmusik herüberwehte, ging es auch im vollbesetzten Kleinen Kursaal frostig zu. Die beiden FW-Gemeinderäte Martin Rees und Peter Titzler fanden deutliche Worte und griffen den OTG-Aufsichtsrat und Otto-Mäx Fischer frontal an. Sie sehen die Vorgänge von langer Hand geplant und den Versuch, von außen auf die Tourismus-Entwicklung in Oberstdorf Einfluss zu nehmen. Der Geschäftsführer der OTG habe in der neuen Struktur „eine Schlüsselposition“ und sei „praktisch ein kleiner Dorfkaiser ohne öffentliche Kontrolle“, warnte Rees vor einer „Entdemokratisierung“. Solche Führungspositionen dürften nicht gegen den Willen der Mehrheit besetzt werden. „Vertrauen, Transparenz und Verlässlichkeit“ seien bei dem Prozess der Tourismusreform auf der Strecke geblieben. Rees übte Kritik an der Vertragsgestaltung und der Höhe der Bezüge. Er forderte die Aufsichtsräte, die für Fischer gestimmt hatten, zum Rücktritt auf. „Die Gemeinde als Hauptgesellschafter sollte entmachtet werden“, zog Titzler ein Fazit. Er habe sich nicht beworben sondern sei gefragt worden“, gab sich Otto-Mäx Fischer auf der Versammlung selbstbewusst. Wenn ein neuer Aufsichtsrat dies beschließt, sei er bereit, seinen Vertag aufzulösen, wehrte er sich gegen die Vorwürfe, beklagte „öffentlichen Druck“ und verteidigte das Privatisierungsmodell. Trotz der entstandenen Probleme sprach Bürgermeister Mies sich für „einen neuen Versuch“ aus und fordert dazu auf, sich an der Zukunft an der Gesellschaft zu beteiligen. Allerdings hält er schärfere Regelungen in der Satzung für notwendig. Ein Aufsichtsrat sei nicht dazu da, gegen den Willen der Mehrheit langfristige Festlegungen zu beschließen. Dass die ganze Entwicklung bei den Bürgern nicht gut ankommt, machten die Wortmeldungen deutlich. Von „Tragik“, „Scherbenhaufen“, „keine Offenheit und Transparenz“, bis zur Forderung „die OTG ganz aufzulösen“ reichte die Palette der Meinungen. Die Kritik richtete sich dabei weniger gegen Fischer selbst, sondern wie die Entscheidung zustande kam. „Man soll nicht schneller tanzen als die Musik spielt“, zeigte sich der ehemalige Gemeinderat Franz Ohmayer „froh, dass die Überrumpelungsstrategie nicht funktioniert hat“. Am Dienstag, 8. Februar, befasst sich um 19.30 Uhr der Gemeinderat im Sitzungssaal des Alten Rathauses mit dem „Vorliegen eines Amtshindernisses mit Mandatsverlust von Gemeinderat Otto-Mäx Fischer“, sowie der Entsendung eines Vertreters der Marktgemeinde in den Aufsichtsrat der OTG.

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