Qualität für den Wald

Nicht jeder junge Baum schafft es in den Staatsforst im Oberallgäu

Waldarbeiter Philipp Ruf und Thomas Anich
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Wichtige Vorarbeit: Waldarbeiter Philipp Ruf und Thomas Anich beim Pflanzensortieren.

Oberallgäu – Die Pflanzen für die bayerischen Wälder sind keine Massenware, sondern ein Qualitätsprodukt und eine Investition in die Zukunft. Jährlich werden in den bayerischen Staatswäldern rund 2 500 Hektar mit jungen Bäumchen neu bepflanzt. Auch im Forstbetrieb Sonthofen nimmt man es sehr genau bei der Auswahl für den „Zukunftswald“ im Allgäu.

„Allein im Forstbetrieb Sonthofen pflanzen wir diesen Herbst 35 Hektar bzw. 90 000 Pflänzchen unterschiedlichster Baumarten. Das muss sorgfältig geplant werden. Die gleiche Sorgfalt muss bei der Pflanzenauswahl getroffen werden, um einen zukunftssicheren Klimawald begründen zu können“, so Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting.

Wer glaubt, eine Forstpflanze sei ein Massenprodukt – wie zum Beispiel alle Jahre die Christbäume in den Discountern, liegt falsch. Zwar werden viele Pflanzen produziert, aber bezogen auf die Qualität der Forstpflanzen werden sehr hohe Ansprüche gestellt. Nicht jeder Betrieb, der Pflanzen aufzieht, ist auch in der Lage Forstpflanzen anzuziehen. Der Gesetzgeber legt hier nämlich einen sehr strengen Qualitätsmaßstab an.

Im Forstvermehrungsgutgesetz ist detailliert aufgeführt, welche Pflanzen oder Pflanzenteile als forstliches Vermehrungsgut bezeichnet werden dürfen und welche nicht.

Jann Oetting: „Für uns Förster ist wichtig, in welchem Wuchsgebiet und Wuchsbezirk wir pflanzen wollen. In Bayern gibt es große Unterschiede hinsichtlich Geologie, Höhenlage, Durchschnittstemperaturen und Niederschlägen. Daran haben sich die Waldbäume über viele hundert Jahre angepasst.“

Seit 1911 sind je nach Wuchsgebiet bestimmte Herkünfte definiert und in der Forstherkunftsgebietsverordnung aufgelistet. Darin ist festgelegt, woher eine Pflanze kommen darf und welchen Anforderungen sie in der Natur an ihrem Wuchsort gewachsen sein muss. Dabei spielt die Genetik eine große Rolle. Förster Markus König, der den Staatswald im Wirlinger Wald betreut, weiß: „Autochthone Pflanzen, also solche, die ohne menschlichen Einfluss immer schon bei uns wuchsen, sind uns hinsichtlich Gesundheit, Stabilität und Leistungsvermögen am liebsten.“

Auf lange Sicht

Weil Förster wie Jann Oetting oder Markus König Praktiker sind und keine Genetiker, wurden Systeme geschaffen, die ihnen bei Entscheidungen oder der Arbeit helfen: Um die Tauglichkeit von Pflanzen oder Saatgut langfristig überprüfen und nachweisen zu können, wurde mit Forstbaumschulen auf freiwilliger Basis ein Zertifizierungsring für überprüfbares forstliches Vermehrungsgut – kurz ZüF – ins Leben gerufen. „Bei der Lieferung ziehen wir eine Probe meist von den Knospen und lassen sie analysieren. Die Proben werden mit in einer Datenbank hinterlegten Referenzproben verglichen. So kann genetisch festgestellt werden, ob die Pflanzen tatsächlich von den Bäumen stammen bzw. aus dem Herkunftsgebiet kommen, welches bei der Lieferung angegeben ist“, erklärt Revierleiter Markus König.

Außerdem muss vor Ort im Wald bei der Anlieferung der Pflanzen entschieden werden, ob es sich um ein Qualitätsprodukt handelt oder nicht.

König weiter: „Neben Liefermenge, Größe, Gesundheitszustand und der Pflanzenfrische gilt hier ein besonderes Augenmerk der sogenannten Stufigkeit. Diese definiert das Verhältnis von Höhe, Wurzelhalsdurchmesser und Wurzelvolumen zueinander. Dieses Verhältnis muss in sich stimmig sein, damit die Pflanze gut anwachsen kann und Zukunft hat.“

Größter Wert wird auch auf die Ausformung des Wurzelwerkes gerichtet: Es müssen ausreichend Feinwurzeln vorhanden sein. Denn die gewährleisten die Versorgung der Pflanze mit Wasser und Nährstoffen und die Hauptwurzel darf keinerlei Beschädigungen oder Verformungen aufweisen. „Bei 90 000 Pflanzen, die wir im Herbst pflanzen, kann natürlich nicht jede einzelne Pflanze überprüft werden. Wir beschränken uns auf ausreichend große Stichproben. Auch ist hier lange Erfahrung von Vorteil: Man bekommt mit den Jahren einen Blick dafür und kann relativ schnell erkennen, ob eine Lieferung passt oder nicht“, weiß Markus König.

Erst wenn alle genannten Voraussetzungen erfüllt sind, wird die Pflanze von den Fortwirten gepflanzt. Aber auch hier gibt es nochmals einen Qualitätscheck, in dem Förster Markus König beurteilt, ob die Pflanzen und die Qualität der Pflanzarbeit

den Anforderungen entsprechen. „Es ist also ein langer, schwerer Weg vom Samen am Baum zur hochwertigen jungen Pflanze in der Baumschule und wieder zurück in den Waldboden, wo in vielen Jahren etwa eine stattliche Tanne mal stehen soll. Aber so gewährleisten wir, dass die neu begründeten Wälder auch fit for future sind“, schmunzelt Förster König.

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