Sonthofen will "Deutschland südlichste Radstadt" werden

Sonthofen will kräftig in die Pedale treten

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In der Hindelanger Straße sind Radfahrer schon heute „gut unterwegs“.

Sonthofen – Schnell auf die Zielgerade kommen will die Stadt Sonthofen beim Projekt „Radstadt Sonthofen“. Eine Vielzahl von entsprechenden Vorarbeiten sind bereits angelaufen.

Der Stadtrat gab in einer Sondersitzung jetzt grünes Licht für ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die demächst von den Fachbereichen der Verwaltung zur Praxistauglichkeit ausgearbeitet und umgesetzt werden sollen. 

Viele Bausteine der „Strecke“ sind Pflichtübungen, die für das Prädikat unerlässlich seien. Sportlich auch der Zeitplan: in drei Jahren, möglichst schon deutlich früher, will Sonthofen fit sein für die „Fahrradprüfung“.

Die Radler-Halbe auf dem Tisch war nicht das Einzige, was Sonthofen bereits jetzt für das Rennen um den Titel „Radstadt“ mitbringt. Die jüngste Bereisung einer Delegation der Arbeitsgemeinschaft fahradfreundlicher Kommunen Bayern ADFK hat dem Abschlussbericht zufolge „gute Ansätze, aber auch Verbesserungspotenzial“ festgestellt (der Kreisbote berichtete). In 15 Workshops, so berichtet Bürgermeister Christian Wilhelm in der Sondersitzung zum Projekt Radstadt, seien mehr als 250 rad­orientierte Maßnahmen zusammengetragen worden, die die Stadtverwaltung bis zur Hauptbereisung der Arbeitsgemeinschaft in drei Jahren umsetzen soll. „Radstadt“ bedeute mehr als der Begriff „fahrradfreundliche Kommune“, unterstreicht Wilhelm das angestrebte Niveau.

Basis für alle weiteren Schritte ist die Erarbeitung und kontinuierliche Weiterentwicklung eines klaren Konzepts für die Radverkehrsförderung. Das Konzept soll letztlich dazu führen, das der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrs­aufkommen um 5 Prozent gesteigert wird – auf dann 23 Prozent. Das gehe nur durch attraktive Angebote für Radfahrer. „Jede Fahrt mit dem Rad macht eine Autofahrt weniger“, so die Rechnung des Bürgermeisters.

Der Chef des Fachbereichs Verkehr, Hans Soul, sieht die Stadt schon heute „auf gutem Weg“. Erste Verbesserungen bei der Beschilderung und Verkehrszeichen seien schon im Gang. Auch bei Baustellen im Straßenraum – bis zu 300 pro Jahr – soll zukünftig mehr für die Sicherheit von Radlern getan werden.

Auf den Prüfstand kommen „bauliche Elemente der In­frastruktur“, also Markierungen, Einrichtung von Fahrradstraßen, die Durchlässigkeit des Verkehrswegenetzes und weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Entschärfungen von Unfallschwerpunkten gehören ebenso ins Pflichtenheft der Stadtverwaltung wie ein schlüssiges Konzept für den Winterdienst für das Radwegnetz. Deutlich zu verbessern und auszubauen gilt es auch die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Spezielle Anlagen, zum Teil überdacht, werden mit Schließfächern ausgestattet sein. Für solche Einrichtungen gibt es Förderprogramme des Bundes und des Landes.

Nicht nur die Sonthofer sollen verstärkt aufs Rad umsteigen. Die Stadt will als „Radstadt“ auch in touristischer Hinsicht zulegen und vom Titel „Radstadt“ profitieren. Von der Verbesserung des Fahradverleihs über Gastgeber-Zertifizierungen zu Themenradwegen reicht die Aufgabenliste, die das touristische Profil einer „Radstadt“ schärfen sollen. Großes Potenzial sieht die Steuerungsgruppe im Sonthofer Umland für „Genuss-Radtouren“ und speziell ausgewiesene Mountainbike-Runden. Bei letzteren tue sich aber, so Anmerkungen aus dem Stadtrat, großer Abstimmungsbedarf auf, etwa mit Grundeigentümern. „Viele Baustellen“, sieht hier Robert Baldauf, der diesen Teilbereich im Stadtrat vorstellte.

Und was kostetet der „Sprint“ zum Ziel Radstad? Für erste Maßnahmen sind im Haushalt der Stadt 35 000 Euro veranschlagt. Der Fachbereich Tiefbau soll 20 000 Euro für entsprechende Maßnahmen zur Radinfrastruktur bereitstellen. Für das Finale der BR-Radltour sind ebenfalls Mittel eingeplant. Darüber hinaus, so Bürgermeister Christian Wilhelm, seien die Referate und Fachbereiche angehalten, aus ihren Haushalten durch Umschichtungen das Thema Radstadt zu fördern. „Das kriegen wir hin“, so Wilhelm optimistisch. Über konkrete Summen könnten allerdings erst nach Prüfung der Angebote und Klärung der Förderungsanteile gesprochen werden.

Josef Gutsmiedl

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