"Raus aus dem Plüschsessel!"

Die jährliche Veranstaltung „RaiffeisenForum“ der Raiffeisenbank Oberallgäu-Süd eG widmete – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise - einen Abend dem Thema „Christliche Werte für eine humane Gesellschaft“. Als Referent konnte seine Exzellenz, Dr. Walter Mixa, Bischof von Augsburg, gewonnen werden. Der Bischof zeigte dann auch deutlich auf, dass die europäische Kultur maßgeblich eine Kultur basierend auf Werten ist, die ihre Wurzeln im Christentum haben. Es gelte, diese Werte entgegenzusetzen dem „Gesetz des Dschungels“, in dem letztlich der Stärkere sich durchsetze.

Der Bischof sei als „streitbarere und meinungsstarker Kirchenvertreter“ bekannt, stellte Raiffeisen-Vorstandsvorsitzender Otto Schmid, den Bischof von Augsburg den rund 500 Besuchern des diesjährigen RaiffeisenForum 2009 im Haus Oberallgäu in Sonthofen vor. Schmid nahm die „Goldene Regel“ für den Umgang der Menschen miteinander vielleicht sogar vorweg: Handle so, wie Du behandelt werden möchtest. Bischof Dr. Walter Mixa vermisst in der durch die weltweite Finanz- und Bankenkrise neu belebten Diskussion um „Werte“ die klare Aussage, von welchen Werten denn eigentlich die Rede sei: „Jede Räuberbande hat ihre ganz spezifischen und subjektiven Werte.“ Er, Bischof Mixa, habe bei der Diskussion nicht selten den Eindruck, dass der oberste Werte unserer Gesellschaft darin bestehe, überhaupt keine verbindlichen Werte zu haben. „Nicht wenige verbinden mit dem Thema Werte vor allem Vermögenswerte“, meinte der Bischof kritisch. Kulturgut Werte Die europäische Kultur und das gesamte Wertesystem des Abendlandes basiere auf den Kernbotschaften des Christentums, stellte Bischof Mixa weiter fest. Bereits im Römischen Reich wurden die „Vorzüge“ der Christen hervorgehoben: Sie unterscheiden sich demnach von anderen Bürgern weil sie weder Kinder töten, ihre Frauen als gleichwertig betrachten und sie nicht verstoßen, und weil sie sich um Alte, Kranke und Arme kümmerten. „Das Kreuz Christi als Symbol der Liebe Gottes zu den Menschen hat die europäische Kultur auf einzigartige Weise humanisiert und ihr am Ende durch alle Irrtümer der europäischen Geschichte hindurch die Menschlichkeit bewahrt“, sagte Dr. Walter Mixa. Und weiter: „Das Funktionieren unseres ganzen öffentlichen Lebens und unserer Wirtschafts- und Sozialordnung beruht auf den zehn Geboten, der Bergpredigt und dem christlichen Menschenbild.“ Sie beinhalteten Verhaltensregeln für die Gesellschaft, die wir uns insgeheim alle wünschten, so Mixa. „Dann müsste gegenseitige Achtung, Respekt und Würde wie von selbst herrschen.“ Soziale Verantwortung Dieses christliche Menschenbild liege der katholischen Soziallehre zugrunde, die wiederum Pate gestanden habe bei der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft, erläutert Dr. Mixa weiter. Das bedeute: Freiheit in Verantwortung, Verantwortlichkeit für das eigene Leben und Solidarität mit den Schwachen. „Statt grenzenlosem Egoismus, die Sorge für das Gemeinwohl, ohne die keine Gesellschaft auskommen kann.“ Ohne die Werte des christlichen Glaubens würde sich Europa in kürzester Zeit „in eine geistige, kulturelle und soziale Steppe“ verwandeln, bringt der Bischof die Bedeutung des christlichen Welt- und Menschenbildes in seinem Vortrag auf den Punkt. Allerdings macht Bischof Mixa in der aktuellen Diskussion aus, dass vielfach nach dem „Geruch der leeren Flasche“ verfahren werde: Man ahne zwar, dass die Notwendigkeit christlicher Werte für eine humane Gesellschaft notwendig seien, habe aber Angst davor, diese auch klar und deutlich zu benennen. Dr. Mixa rät dringend, „die geistigen Gefäße unserer Kultur wieder mit den unverwechselbaren Inhalten unseres christlichen Glaubens und unserer christlichen Kultur zu aufzufüllen“. Auch am Stammtisch „Das Christentum hat Großartiges zu sagen“, fährt Bischof Mixa in seinen Bemerkungen zur Werte-Diskussion fort. „Wir müssen es aber auch mitteilen.“ Man könne das Gespräch quasi nicht oft genug auf menschenwürdige Werte lenken. Das dürfe sich nicht allein im Gottesdienst abspielen, meint Mixa und fordert auf, die Botschaft unter die Leute zu bringen. „Auch bei der Krügles-Kirch“, ermuntert er die Zuhörer zur aktiven Teilnahme an der Wertediskussion – nicht zuletzt am Stammtisch im Wirtshaus. Es müsse Schluss sein mit der Feigheit, sich konsequent und offen zum Christsein und dessen Werten zu bekennen, verlangt der Bischoff mehr missionarischen Eifer: „Raus aus dem Plüschsessel, rein in die Gesellschaft!“ Schutz der Familie Anhand zweier Beispiele verdeutlichte der Bischof von Augsburg wo er Nachholbedarf sehe, wo „wir unsere Anstrengungen verstärken müssten und nicht wegsehen dürften“. Einmal gelte dies für den Schutz von Ehe und Familie. Die Erziehung der Kinder müsse wo irgend möglich in der Familie, durch die Eltern, stattfinden und dürfe nicht aus wirtschaftlichen Zwängen in staatliche Betreuung führen. Als zweiten entscheidenden Punkt betrachtet Mixa den Schutz des Lebens. Das „Ja zum Leben“ sieht der Bischof „von verschiedenen Seiten massiv bedroht.“ Was für den absoluten Schutz des Lebens an seinem Anfang gelte, so Dr. Mixa weiter, gelte in gleicher Weise für das Ende des menschlichen Lebens. Ein klares Nein zu Abtreibung und so genannter Sterbehilfe, fordert Mixa. Ein Humanismus, der Gott ausschließe, sei ein unmenschlicher Humanismus, griff Bischof Mixa eine Feststellung der jüngsten Enzyklika Papst Benedikts auf. „Christen aller Konfessionen sind aufgerufen, die Welt göttlicher und damit auch menschlicher zu gestalten!“ appellierte der Bischof abschließend.

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